ZSUZSI-RAKOSFALVY.DE: Dialog der Wirklichkeiten
Madame Bovary (Öl auf Tapete, 40 cm x 40 cm)

ZSUZSI-RAKOSFALVY.DE

Dialog der Wirklichkeiten

Bild gewordene Gedanken

Selbstbildnis (Aquarell, 30 cm x 45 cm)

THESE, ANTITHESE, SYNTHESE. Gedanken auszutauschen ist etwas, das jeder kennt – allein schon dadurch, dass man seine eigenen Gedanken nahezu ständig austauscht. Tatsächlich ist es schon ein wenig merkwürdig, dass wir nur selten über einen längeren Zeitraum an einem Gedanken festhalten.

EINLADUNG ZUM AUSTAUSCH. Der Austausch von Gedanken und Erfahrungen der Menschen untereinander ist eigentlich das, was wir Leben nennen. Die Arbeiten von Zsuzsi Rákosfalvy sind ihre ganz persönlichen, Bild gewordenen Gedanken und Erfahrungen, an denen teilzunehmen sie uns einlädt.

GEMÄLDE UND ZEICHNUNGEN
Zsuzsi Rákosfalvy
Kaiser-Karl-Ring 26
D-53111 Bonn
Tel. +49 (0)228 / 6309 84
tigrisnek@gmx.de
www.zsuzsi-rakosfalvy.de

TEXT
Harald Uhr
Kunsthistoriker
Bennauerstraße 53
D-53115 Bonn
Tel. +49 (0)228 / 2241 48
haralduhr@gmx.de

Nach einer sehr kurzen Zeitspanne bereits wird ein Gedanke von uns entweder wieder verworfen und vergessen, in Zweifel gezogen oder modifiziert, verdrängt oder abgelöst, erinnert und in Frage gestellt. Es erfordert sogar einige Anstrengung, an einem einzigen Gedanken festzuhalten, wie es auch als quälend empfunden werden kann, von nur eben einem Gedanken besessen zu sein.

Mein Sohn (Aquarell, 45 cm x 30 cm)

ALLES FLIESST. Gedanken sind im Fluss, wechseln einander ständig ab und stehen somit in einem permanenten Austausch mit anderen eigenen Gedanken, aber auch mit jenen anderer Menschen um uns herum. „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“, besagt ein viel zitierter Spruch des Künstlers Francis Picabia.

Ich (Kohle und Pastell, 40 cm x 60 cm)
Die unendliche Suppe (Öl auf Leinwand, 103 cm x 115 cm)
Selbstbildnis mit Hut (Kohle und Pastell, 50 cm x 70 cm)

In diesem Fluss unserer Gedanken findet sich angestrengtes Überlegen genauso wie beiläufig Wahrgenommenes, Erfühltes wie Gespürtes, Erinnertes wie Erhofftes – und zumeist auch Zweifel am soeben Gedachten. Nur wenige Sekunden oder auch nur Bruchteile davon gehören dem einzelnen Gedanken, dann erfolgt die Richtungsänderung.

Alles ist eben auch anders denkbar. Unser Kopf weiß es und arbeitet entsprechend.

Unsere Eva (Aquarell, 40 cm x 60 cm)
Der Prophet (Pastell, 30 cm x 45 cm)

ERWEITERUNG DES DENKBAREN. Es gehört als ein wesentlicher Bestandteil zur Strategie der Künstlerin, den Austausch und den daraus resultierenden Kommunikationsprozess mit anderen in ihre Arbeit einfließen zu lassen. Das Spektrum des Denkbaren erfährt somit ungeahnte Erweiterungen.

Wir treten ein in den Austausch mit der Welt, den Menschen, den Tieren und den Dingen – in einen Dialog, den wir nicht für möglich gehalten haben. Es gibt eben nicht nur eine Wirklichkeit, und die Fähigkeit, zwischen allen nur denkbaren Wirklichkeiten einen Dialog zu entfachen, gehört zu den nicht unerheblichen Vorzügen der Kunst von Zsuzsi Rákosfalvy.

MIT LEICHTIGKEIT UND IRONIE. Auch Zsuzsi Rákosfalvy kennt diese Grundkonstante menschlichen Daseins und schöpft mit ihrer künstlerischen Kreativität aus eben diesem Fundus. Das eigene Ich und das Miteinander der Menschen in all seinen alltäglichen, scheinbar banalen, ja teilweise absurd anmutenden Facetten – dieses Spektrum zu erkunden hat sich die Künstlerin zum Schwerpunkt ihrer künstlerischen Grundlagenforschung auserkoren.

Die Mittel, die sie dazu einsetzt – Zeichnung, Aquarell und Malerei, aber auch die Sprache –, handhabt sie mit poetischer Leichtigkeit und hintergründiger Ironie. In ihren eigensinnigen Bildfindungen wird vermeintlich Intim-Autobiografisches als künstlerische Fiktion kommunizierbar.

Angst (Aquarell, 20 cm x 30 cm)
Mephista (Kohle, 30 cm x 45 cm)

Der Austausch von allem mit allem wird ahnbar. Es zeigt sich eine Weisheit, die nicht im Wissen gründet, sondern im Erahnen.

Die Indianerin (Aquarell, 45 cm x 30 cm)
Narcissos (Öl auf Leinwand, 100 cm x 120 cm)

Biologisch und physiologisch unterscheiden wir uns alle nicht sehr voneinander. Historisch jedoch, als gelebte Erzählung, ist jeder von uns einzigartig.

Um wir selbst zu sein, müssen wir uns selbst haben, wir müssen uns er-innern – an unsere innere Geschichte, an uns selbst. Der Mensch braucht eine solche fortlaugende innere Geschichte, um sich seine Identität, sein Selbst zu bewahren.

TEIL DER LEBENSGESCHICHTE. Die Bilder von Zsuzsi Rákosfalvy sind Teil ihrer Lebensgeschichte. Jeder von uns hat eine Lebensgeschichte, eine Art innerer Erzählung, deren Gehalt und Kontinuität unser Leben ist.

Ich denke nach (Kohle und Kreide, 60 cm x 40 cm)

Man könnte sagen, jeder von uns konstruiert und lebt eine Geschichte. Diese Geschichte sind wir selbst, sie ist unsere Identität.

EINZIGARTIGE ERZÄHLUNG. Jeder Mensch ist eine einzigartige Erzählung, die fortwährend und unbewusst durch ihn und in ihm entsteht – durch seine Wahrnehmungen, seine Gefühle, seine Gedanken, seine Handlungen und nicht zuletzt durch das, was er sagt, durch seine in Worte gefasste Geschichte, aber auch durch seine inneren Bilder, wenn er in der Lage ist, diese inneren Bilder sichtbar werden zu lassen. Und Zsuzsi Rákosfalvy ist dazu in der Lage.

Nachmittagsonanie (Öl auf Leinwand, 100 cm x 100 cm)
Vorsicht (Öl auf Leinwand, 95 cm x 120 cm)
Die Gospielerin (Pastell und Kohle, 40 cm x 60 cm)
Ich als Napoleon (Öl auf Leinwand, 85 cm x 125 cm)

GESTE DER DARREICHUNG. Mit ihren Bildern versichert sich Zsuzsi Rákosfalvy gleichsam dieser ihrer inneren Geschichte und bietet sie uns in einer Geste der Darreichung an. „Es gibt kein Denken, das nicht durch eine Geste artikuliert würde“, formulierte der Philosoph Vilém Flusser. Nach Flusser ist die Geste eine Bewegung des Körpers oder eines mit ihm verbundenen Werkzeugs, für die es keine zufriedenstellende kausale Erklärung gibt.

Die Gesten von Zsuzsi Rákosfalvy künden von einem aktiven In-der-Welt-Sein. Ihre Arbeiten sind gleichsam Gesten des Darreichens an diese Welt.

Marilyn Monroe (Aquarell, Pastell und Kohle, 20 cm x 30 cm)

Zur Geste des Darreichens schreibt Flusser weiter: „Sie ist eine Geste der Liebe. Sie schenkt, gibt etwas preis, sie bietet sich dar und gibt sich hin. Indem sie ihr Werk überreichen, bieten sich die Hände den anderen dar. Sie veröffentlichen ihr Werk, machen es publik. Es ist eine Geste der Öffnung. Die Geste des Machens endet durch die Öffnung der Hände für die anderen. Von ihrem Abschluss her gesehen ist die Geste des Machens also eine Geste der Liebe den anderen gegenüber. Die Ganzheit, die die Hände im Gegenstand suchen, ohne sie jemals finden zu können, ist eine Geste enttäuschter Liebe. Es ist eine spezifisch menschliche Geste. Sie sucht die menschliche Grundverfassung zu überwinden und endet über die Resignation in der Liebe.“

Ganz bei sich die Welt in ihr und um sie herum bedenkend, reicht uns Zsuzsi Rákosfalvy ihre Bilderwelt zum Tausch dar. Wir sind ihr etwas schuldig.

vergriffen (Stempel und Kohle, 20 cm x 30 cm)