Revitalisierung Zeilgalerie Frankfurt am Main

Markenarchitektur
inszeniert Konsumwelten

Raum- und Gebäudekonzept
des temporären Lifestyles

FOTO: IFM Immobilien AG

FOTO: Emanuel Raab, Wiesbaden

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ALLEINSTELLUNGSMERKMAL SCHAFFT WETTBEWERBS-VORTEIL. Aktuelle gesellschaftliche Trends wie Individualisierung, Multioptionalität und die unmittelbare Verfügbarkeit von Informationen wirken sich direkt auf die Konsumgewohnheiten der Verbraucher und somit auch auf die Einzelhandelsstrukturen aus, die sich der veränderten Nachfrage fortwährend anpassen müssen. Durch das immer komplexer werdende Konsumentenverhalten und den stark wachsenden Online-Handel gab es nie zuvor eine solch große Konkurrenzsituation im Einzelhandel wie heute. Aufgrund dessen ist es nur zu verständlich, dass Marken, Geschäfte und Einkaufszentren vermehrt nach Alleinstellungsmerkmalen suchen, die ihnen Wettbewerbs-Vorteile verschaffen.

Wettbewerb findet heute nicht mehr nur auf dem Produktmarkt, sondern auch im Meinungsmarkt statt. Wertfaktoren wie Sympathie, Aura und Emotion gewinnen bei Kunden an Wichtigkeit und können mit Raum- und Gebäudekonzepten ideal zum Ausdruck gebracht werden.

Die aus dieser Entwicklung hervorgegangene Disziplin der Markenarchitektur orientiert sich hinsichtlich ihrer Bestandsdauer und Aktualität stark an der Dynamik von Mode oder Produktdesign, da sie den Gesetzmäßigkeiten des Marktes unterworfen ist. Bei der Inszenierung zeitgemäßer, erlebnisorientierter Konsumwelten nehmen Architektur und Retail Design inzwischen eine zentrale Rolle ein. In diesem Kontext erhebt Architektur keinen Anspruch auf ästhetische Beständigkeit oder gar Zeitlosigkeit, sondern wird zum expressiven Symbol eines temporären Lifestyles.

DIE ZEIL IM WANDEL DER ZEIT. Die Zeil in Frankfurt am Main ist eine der meistfrequentierten und umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands, worauf sich die hohe Mietrendite ihrer Gewerbeimmobilien begründet. Der in den 70er Jahren als Fußgängerzone angelegte Abschnitt zwischen Haupt- und Konstablerwache ist von Einkaufszentren und Warenhäusern sowie kleineren Einzelhandelsgeschäften und Gastronomiebetrieben gesäumt. 2008 wurde aufgrund negativer Umfragewerte mit einer Neugestaltung des Straßenraumes begonnen, um die Aufenthaltsqualität und Einkaufsatmosphäre auf der Zeil zu erhöhen.

Blickt man in der Geschichte der Zeil zurück, war ihre Bebauung schon lange vor ihrer Etablierung als Geschäftsstraße im 19. Jahrhundert von permanentem Wandel zugunsten eines zeitgenössischen urbanen Erscheinungsbildes geprägt. In ihrer heutigen Form als reine Einkaufsmeile nimmt sie eine städtebauliche Sonderstellung ein, da ihre Bebauung den Anforderungen moderner Markenarchitektur unterliegt.

REDESIGN DER ZEILGALERIE. Die Revitalisierung der 1992 nach Plänen des Darmstädter Architekturbüros Kramm + Strigl errichteten Zeilgalerie durch umfassende Neugestaltung der Fassade und der öffentlich zugänglichen Innenbereiche ist eine logische Konsequenz dieser Entwicklungstendenz. Sie erklärt sich außerdem aus der Notwendigkeit, die internen Funktionsabläufe und das Nutzungsangebot des Gebäudes an die veränderte Nachfrage anzupassen.

 

Im Zentrum der Skyline Frankfurts gelegen, ist die Zeilgalerie touristischer Anziehungspunkt und Ort städtischen Lebens zugleich. Das Redesign der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Geschäftspassage umfasst die Neugestaltung der Fassade sowie der öffentlichen Bereiche des Innenraums.

FOTO: IFM Immobilien AG

VERTIEFUNG DER OBERFLÄCHE. Die typologischen und städtebaulichen Voraussetzungen lassen der Vorderfront des Gebäudes eine außerordentliche Bedeutung zukommen. Daher beruht der Gestaltungsansatz von 3deluxe auf einer intensiven Auseinandersetzung mit der architektonischen Oberfläche und ihrer inhaltlichen, strukturellen und materiellen Vertiefung.

Als einzige Außenansicht des dreiseitig umschlossenen Bauwerks muss die zur Einkaufsstraße Zeil hin orientierte Fassade die gesamte Architektur repräsentieren – Formwahrnehmung wird auf Flächenwahrnehmung reduziert. Die Nutzung des Gebäudes als in sich geschlossene, erlebnisorientierte Konsumwelt erlaubt eine völlige Loslösung der Fassade vom Innenraum und die Entwicklung einer eigenständigen Gestaltungsidee für dieses Bauteil.

INTEGRATIVE VERBINDUNG VON ARCHITEKTUR, GRAFIKDESIGN UND LICHTINSZENIERUNG.  In ihrer Eigenschaft als Markenarchitektur sollte das Erscheinungsbild der Zeilgalerie Zeitströmungen und Designtrends widerspiegeln können. Die prinzipiell eher auf Beständigkeit ausgerichtete Disziplin der Architektur nähert sich in diesem Fall den dynamischen Veränderungsprozessen von Mode oder Produktdesign an – mehrere unterschiedlich gestaltete Fassadenebenen erzeugen reizvolle Überlagerungseffekte und eine optische Tiefenwirkung.

Durch das neue Fassadendesign erhält die Zeilgalerie ein modernes und unverwechselbares Erscheinungsbild, das sie aus dem baulichen Kontext der angrenzenden Warenhäuser prägnant hervorstechen lässt. Die außergewöhnliche schwarz-weiße Farbgebung der Fassade, ihre filigrane Ornamentierung sowie die integrative Verbindung von Architektur, Grafikdesign und Lichtinszenierung verleihen dem Gebäude ein Alleinstellungsmerkmal auf der Zeil.

DREIEINIGKEIT DES GEBÄUDES. Als Referenz gegenüber der Bestandsarchitektur – ein Stilmix aus konstruktiver Moderne und Postmoderne von den Darmstädter Architekten Kramm & Strigl – bleibt die charakteristische Dreigliedrigkeit des Gebäudes erhalten. Die drei einzelnen Baukörper werden nun jedoch durch die übergreifende Farbgebung und neu hinzugefügte, verbindende Architekturelemente zu einer visuellen Einheit zusammengefasst.

Im Vergleich zur vorherigen Kleinteiligkeit stellt sich die neue Fassade eher flächig dar. Sie entfaltet eine grosszügige und repräsentative Wirkung, die der Gebäudenutzung als exklusives Shopping-Center entspricht. Dies betrifft vor allem den deutlich vergrößerten Eingangsbereich sowie die Schaufensterfront des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses, deren Erweiterung bis zum höhergelagerten Attikageschoss eine Neuerung darstellt.

MATTSCHWARZE METALLPLATTEN UND LACKIERTES GLAS. Die vorhandene Glasfassade des halbzylindrischen linken Baukörpers ist mit horizontal gerichteten Streifen aus gebogenen mattschwarzen Metallplatten verkleidet. Im Ganzen betrachtet bilden sie eine ästhetisch ansprechende Liniengrafik, die aufgrund der ungleichmäßigen Anordnung und Breite der Streifen die Geschossabstände überspielt. Auf diese Weise entsteht eine bewegte Optik, die durch das dynamische Lichtdesign noch verstärkt wird.

Die bestehende, mehrfach gefaltete Lochblechfassade des rechten Baukörpers – hinter der sich im Originalentwurf eine kinetische Lichtplastik verbarg – wurde durch eine plane Verkleidung aus mattschwarzen Metallplatten und lackiertem Glas ersetzt. Diese schon beim linken Gebäudeteil verwendeten Metallelemente sind hier nicht bedruckt, sondern im gleichen Muster laserperforiert und hinterleuchtet.

FOTO: Emanuel Raab, Wiesbaden

SANFT PULSIERENDE ORNAMENTIK. Das Umbaukonzept greift die Ursprungsidee der Gebäudeurheber von einer computergesteuerten Fassadeninszenierung wieder auf, indem eine technisch und gestalterisch innovative Medieninstallation an ihre Stelle tritt. Die aus mehreren Ebenen aufgebaute Medieninstallation, die in Zusammenarbeit mit Meso Digital Interiors entwickelt wurde, überzieht die komplette Fassadenfläche des rechten Baukörpers mit einer sanft pulsierenden Lichtornamentik.

In die Verkleidung ist eine rund 260 Quadratmeter große Rechteckfläche aus Zweischeibenglas oberflächenbündig eingebettet, hinter der sich ein rautenförmiges Raster aus 310 LED-Streifen befindet. Jede der insgesamt 19.700 Leuchtdioden kann einzeln angesteuert werden.

FOTO: Emanuel Raab, Wiesbaden
FOTO: Sascha Jahnke

GEOMETRISCHE MUSTER ZERFLIESSEN IN ORGANISCH ANMUTENDE FORMEN. Somit ist eine große Vielfalt ästhetischer Lichtbilder realisierbar: Klare geometrische Muster verwandeln sich fließend in organisch anmutende Licht- und Schattenspiele, und feine lineare Akzente wechseln sich mit eindrucksvollen großflächigen Effekten ab.

FOTO: Emanuel Raab, Wiesbaden

Korrespondierend dazu wird auch der Turmzylinder mit Licht in Szene gesetzt: Horizontale Lichtlinien wandern in weichem Fluss auf den Unterkanten der Fassadenstreifen entlang. In der Dunkelheit kommt die Dreigliedrigkeit des Gebäudes stärker zum Tragen, sein Ensemblecharakter wird durch die Illuminierung bewusst betont.

Die Lichtinszenierung der Zeilgalerie versteht sich als künstlerisch-abstrakte Umsetzung von Leuchtwerbung, welche seit langem fester Bestandteil der Architektur kommerzieller Gebäude ist. Anstelle konkreter Werbebotschaften transportiert sie die städtische Lebendigkeit des Ortes in Form stimmungsvoller Lichtbilder.

VERTIKALE STADTSTRUKTUR. Das innenarchitektonische Konzept greift die ursprüngliche Entwurfsidee einer vertikalen Stadtstruktur auf. Sie wird in zeitgemäßer Optik umgesetzt.

 

Der bis zur Schaufensterfront vorgezogene neue Bodenbelag des Entrees verknüpft Innen- und Außenbereich. Eine in den sandfarbenen Quarz-Kompositstein eingelassene schwarze Intarsie in Form einer dynamisch geschwungenen Linie leitet die Besucher ins Innere der Geschäftspassage. Nach Betreten des Gebäudes werden sie von dem Blick in das zehn Geschoss hohe Atrium überrascht: ein faszinierender Kosmos aus sich kreuzenden Rolltreppen und Laufwegen, Trag- und Versorgungsstrukturen sowie unzähligen Lichtquellen.

Das LED-Raster wurde in der schwarzen Lackierung der hinteren Glasscheibe ausgespart, so dass das Licht in Form scharf abgegrenzter Linien in Erscheinung tritt. Diese Lichtdiagonalen werden wiederum von einer orthogonal angelegten Grafik auf der transparent bedruckten Folie im Scheibenzwischenraum überlagert.

STIMMUNGSVOLLE BILDER STATT KONKRETER WERBEBOTSCHAFTEN. Zudem leuchtet von Zeit zu Zeit auf den umgebenden Fassadenflächen das Punktraster auf, das die Bedruckung des konvexen linken Baukörpers optisch fortführt. Auf der rechten Seite des Gebäudes ist dieses Muster in die Fassadenplatten hinein gelasert, sodass das Licht der rund 2.500 dahinter angebrachten LED-Module hindurchscheinen kann. Das variierende Zusammenspiel der verschiedenen Gestaltungsebenen führt zu einer faszinierenden Vielschichtigkeit und atmosphärischer Dichte.

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VITALITÄT UND URBANE VIELFALT. Der erste Raumeindruck vermittelt Vitalität und urbane Vielfalt – ohne jedoch an Klarheit einzubüssen, da der bisherige Material-, Farb- und Formenmix bei der Neugestaltung stark zurückgenommen wurde. Das nun vorwiegend in Weiß gehaltene Interieur steht in einem spannungsvollen Kontrast zur schwarzen Fassade und schafft ein ansprechendes helles Ambiente.

Die flächige Verkleidung der offen liegenden Trag- und Versorgungsstrukturen an den Unterseiten sämtlicher Laufwege beruhigt das Gesamtbild und verlagert den optischen Fokus von den konstruktiven Architekturelementen auf die Erschließungswege. Dadurch kommt die Entwurfsmetapher der vertikalen Einkaufsstraße deutlicher zum Ausdruck.

FARBCODIERUNG ZUR BESUCHERFÜHRUNG. Die Beleuchtung der Laufwege übernehmen Deckeneinbau-Downlights, deren unregelmäßige Anordnung zu unterschiedlichen Clusterformen die Untersichten der Rampenanlage und Rolltreppen auflockert. Neben der architektonischen Akzentuierung der Laufwege, welche die intuitive Orientierung im Gebäude unterstützt, hilft ein auf Farbcodierung beruhendes Wegeleitsystem, die elf Geschosse voneinander zu differenzieren und die gesuchten Geschäfte oder sonstige Infrastruktur schnell zu finden.

Zusätzlich zu den Informationsmöglichkeiten am Haupteingang und im Eingangsbereich ist am Einstieg zu jeder Fahrtreppe ein Glasdisplay vorgesehen, das einen Überblick über sämtliche Etagen und das dort vorhandene Angebot gibt. Auf den Brücken werden die Besucherströme durch Wegweiser nach rechts oder links geteilt, indem ihnen der kürzeste Weg zu den Geschäften angezeigt wird. Die Farbcodierung jedes Stockwerks zieht sich als signifikanter Farbstreifen entlang der Glasbrüstungen von Rampen, Podesten und Brücken bis in die Stichflure zu den Aufzügen.