Neubau Weingut Abril in Bischoffingen

Neubau Weingut Abril Bischoffingen

Transformation einer Kulturlandschaft in die Sprache der Architektur

Ein Widerhall des Kontrasts kraftvoller Tektonik und knorrigen Rebwuchses

BESONDERE ANFORDERUNGEN. Einen Entwurf in eine seit Jahrhunderten vom Weinbau überformte Kulturlandschaft einzufügen, stellt besondere Anforderungen. Terrassierung und Parallelität bilden signifikante Merkmale dieses einzigartigen Szenariums.

Im lebhaften Kontrast zum kraftvollen tektonischen Ausdruck steht der knorrige Wuchs der Reben. Dieser ambivalenten Charakteristik wollte das Innenarchitekturbüro Wolfgang Münzing einen Widerhall in seiner Konzeption für das Weingut Abril in Bischoffingen verschaffen.

FOTOS
Susanne Sommerfeld, Konstanz

Wolfgang Münzing Innenarchitekt BDIA
Neubrunnenstraße 23
D-74223 Flein
Tel. +49 (0)7131 / 2049 48-0
Fax +49 (0)7131 / 2049 48-48
info@wolfgang-muenzing.de
www.wolfgang-muenzing.de

KORRODIERTE STAHLFASSADE. Der strenge Gebäudeblock stellt sich mit seiner wie ein Fels anmutenden, korrodierten Stahlfassade gegen den Abhang des Enselbergs. Die Stufen des Baukörpers weisen nach hinten. Sein Volumen zeigt sich dabei in rücksichtsvollen Dimensionen, da alle wesentlichen Kellereibereiche unterirdisch organisiert sind.

Archäologische Funde auf dem Bauplatz aus der Zeit der Bandkeramik, der ältesten bäuerlichen Kultur Mitteleuropas, fanden Ihren „spontanen“ Niederschlag in einem gliedernden Band, das sich wie ein Fassreif um das Gebäude schlingt und gleichzeitig Verschattungsfunktion übernimmt. Die in Stanz- und Lasertechnik hergestellten Bleche lassen den knorrigen Wuchs von Rebstämmen sichtbar werden.

SCHLICHTE NATÜRLICHKEIT. Die Materialität der Baumaßnahme beschränkt sich auf schlichte Natürlichkeit. Das graue Feinsteinzeug der Böden verbindet sich mit den Wandflächen aus Sichtbeton zu einem zurückhaltenden „Passepartout“ für die Fassade, welche die kräftigen Herbstfarben der Weinlese assoziieren lässt.

Zum Grau von Wänden und Böden kontrastiert auch das Mobiliar, dessen Eichenholz einen Rekurs auf das Holz der Weinfässer herstellt. Staffelung, Parallelität und große Längen bilden im intensiven Zusammenwirken von Beleuchtungskonzept und Mobiliar einen spannungsvollen Kanon, der als Transformation dieser Kulturlandschaft in die Sprache der Architektur gelesen werden kann.

MINIMALISTISCHE FORMENSPRACHE. Während die Aufenthaltsräume durch eine schlichte, den zeitgemäßen Weinbau repräsentierende minimalistische Formensprache hochwertiges Ambiente verbreiten, wird in den Produktionsräumen mit Metalloberflächen, offenen Installationssträngen und  Lichtführung die kühle Atmosphäre modernster Weinbautechnik zelebriert. Hinsichtlich Energieplanung,  Nachhaltigkeit und Ökologie zeigt sich der Neubau individuell optimiert und damit absolut am Puls der Zeit.

Ein besonderer Raum des Weingutes ist das Barrique-Lager mit seinen Eichenfässern. Durch radikale Reduzierung der formalen Raumwirkung werden die Holzfässer dort, tief im Inneren des Weinguts, in eine stille, fast sakral anmutende Stimmung getaucht, die die produktive Betriebsamkeit ringsum vergessen macht.

Der Neubau des Weingutes Abril fügt sich mit weit orientierten Bezügen in die Reblandschaften von Bischoffingen ein. Er setzt ein markantes und entschlossenes Zeichen, das für einen Spitzenplatz der Region Kaiserstuhl innerhalb deutscher Weinbautradition steht.