Umbau und Erweiterung Versöhnungskirche
Bornheim im Rheinland

Identitätsstiftend
in einer Zeit
der Neuorientierung

Der Kirchraum als „Marktplatz“
und Herz des Gemeindezentrums

ZUKUNFTSFÄHIGKEIT DURCH FLEXIBILITÄT. Die aktuellen und zukünftigen Anforderungen, die an die Gemeindearbeit in einer Zeit der Neuorientierung gestellt werden, sind vielfältig und erfordern wandelbare und flexibel nutzbare, formbare Raumgefüge. Gleichermaßen sollen sie identitätsstiftend sein und die Gemeindemitglieder in moderner, zukunftsorientierter Gestalt in einladender Weise empfangen und aufnehmen.

Durch die vorgeschlagene räumliche Neuinterpretation mit effizientester Ausnutzung des Bestandes soll die Versöhnungskirche die offene, einladende Anmutung und die entsprechende Nutzungsflexibilität erhalten, die erforderlich ist, um der neuen kirchlichen Arbeit für die Gemeinde – und mit der Gemeinde – nicht nur gerecht zu werden, sondern darüber hinaus auf mögliche Strömungen der Zukunft in einfacher Weise reagieren zu können.

TRADITION UND MODERNITÄT. Die Funktionen des Raumprogramms, die im Flächenangebot des Bestandes nicht umgesetzt werden können, werden dem Bestandsbau seitlich angelagert und baukörperlich in die neue Gestalt des Gemeindezentrums integriert, so dass das Gebäude seinen ursprünglichen Charakter als Solitär in leicht modifizierter Weise behält und gemeinsam mit der Alten Kirche als Ensemble wirkt.

Im Spannungsfeld dieser beiden Pole – zwischen Tradition und Modernität – befindet sich, erhaben oberhalb des Straßenniveaus, ein neu gestalteter Gemeindeplatz, der beide Kirchen verbindet und gleichzeitig die erhaltenswerte Eiche schützt.

WICHTIGER TREFFPUNKT. Das Foyer öffnet sich über seine gesamte Länge zur Stadt und zum Gemeindeplatz hin und spielt eine vielfältige Rolle im Gemeindealltag. Zum einen werden von diesem Foyer aus alle Räume erschlossen, zum anderen dient das Foyer selbst als Aufenthaltsort bei Gemeindefesten, bei der Kleiderausgabe oder, mit einigen Tischen möbliert, für den Austausch nach dem Gottesdienst bei einer Tasse Kaffee. Trotz der zentralen Lage des Kirchenraumes ist es durch die Anordnung der Räume und des Foyers möglich, mehrere Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden zu lassen, ohne größere gegenseitige Störung.

Die verschiedenen Anforderungen an Lager- und Stauräume werden zum Teil durch Einbauschränke übernommen, die gleichzeitig durch die „öffentlichen“ Räume führen als auch eine raumtrennende Funktion innehaben. Die Wege zu den Lagermöglichkeiten sind sehr kurz, da sie sich nicht in entfernten Räumlichkeiten befinden.

DER DREH- UND ANGELPUNKT. Der Kirchraum, wie er für den regelmäßigen Gottesdienst dienen soll, greift die Idee eines „Marktplatzes“ auf und liegt zentral im Gebäude als Dreh- und Angelpunkt. Durch die neue Deckengestaltung, in Verbindung mit dem Blick in den Kirchgarten, bildet dieser Ort das gedankliche Herz des Gemeindezentrums.

Zu besonderen Anlässen wird der Kirchenraum zum benachbarten Gemeindesaal hin erweitert. So entsteht ein zusammenhängender Raum für große Gottesdienste, Konzerte oder Gemeindefeste.

Kastner Pichler Architekten
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NATURNAHER FREIRAUM. Um das neue Gemeindezentrum als öffentliches Haus im Bewusstsein der Bürger präsent zu machen, wird der Besucher durch eine große Treppe empfangen, die ihn auf den erhöht liegenden Gemeindeplatz führt. Dieser Platz bildet, mit der alten Eiche als wesentlichem Merkmal, das Zentrum der Gemeindearbeit.

Der Kirchgarten kann unmittelbar von den Räumen des Gemeindezentrums aus betreten werden und lädt, als naturnah gestalteter Ort, zum Verweilen ein. Durch seine Abgeschlossenheit und Überschaubarkeit bietet er einen idealen, geschützten Bereich, zum Beispiel als Spielbereich für Kinder im Rahmen von Gemeindefesten.

Die PKW-Stellplätze sind im östlichen Bereich des Grundstücks konzentriert. So wird die geforderte Anzahl an Stellplätzen erreicht, ohne die Freiraumqualitäten des Gemeindeplatzes und des Kirchgartens zu gefährden.

FOTOS
Kastner Pichler

PENDANT ZUR ALTEN KIRCHE. Das neu organisierte Bestandsgebäude mit seiner baulichen Ergänzung im Westen ist von einer homogenen Hülle umschlossen, die die verschiedenen Nutzungen des Gemeindezentrums in einem Gewand zusammenfasst. Mit dieser Hülle behauptet es seine Eigenständigkeit und versteht sich als Pendant zur alten Kirche, ohne ihr ihren Rang streitig zu machen.

Im Innenraum wird der bestehende Oberflächenmix aus Ziegeln, Betonfertigteilen und matter Fiberglasfassade ersetzt durch homogene, durchgängige Wand- und Deckenflächen und hochwertigen Einbauten in Holz, um Bestände wie die Orgel in den Neubau besser zu intergrieren.

DURCHGEHENDES LICHTKONZEPT. Wenn der Kirchenraum und der Gemeindesaal zu einem großen Saal geöffnet werden, entfaltet dieser Saal seinen individuellen, konzentrierten und festlichen Charakter: Unterschiedliche Nutzungen wie Gottesdienstveranstaltungen oder Gruppenabende können angemessen mit Licht gestaltet bzw. funktional bespielt werden.

Die Blick- und Sichtbezüge, die durch Fensterausblicke, Achse Treppenaufgang, große alte Eiche, Fassade der historischen Kirche und vieles mehr in der Architektur und Freiraumgestaltung verankert sind, sind in die Lichtplanung mit einbezogen. So blickt der Besucher beispielsweise aus dem Kirchraum auf den Platz mit der alten Eiche, und die Eiche wird mit Licht leicht akzentuiert. Die transparente Glasfassade im vorgelagerten Foyer wirkt mit ihrer Beleuchtung in den Außenraum fließend hinein. Links vom großen Treppenaufgang ist die Fassade der alten Kirche mit einem Auflicht versehen. Diese Vorgehensweise bei der Lichtplanung bildet also ein durchgehendes Lichtkonzept für das Ensemble als Ganzes.