Umbau in München, Alt-Riem

Spektakuläre
Transformation

Maximaler Substanzerhalt
mit struktureller Innovation

FOTO: Edward Beierle für Euroboden

250 JAHRE ALTES SCHUSTERBAUERHAUS. Das Haus eines Schusterbauern war im 18. Jahrhundert in Alt-Riem bei München erbaut worden. Fast gänzlich verfallen und unter Denkmalschutz stehend, wurde es von Stefan F. Höglmaier erworben.

Der neue Eigentümer selbst nahm sich der anspruchsvollen Transformation des historischen Bauernhauses an und schaffte damit ein wegweisendes Beispiel im Umgang mit Baudenkmälern. In Zusammenarbeit mit dem Architekten Peter Haimerl wurde das Haus auf spektakuläre Weise in ein Zweifamilienhaus transformiert.

EIN UM 45° GEDREHTER KUBUS. Die architektonische Konzeption ging von zwei Prämissen aus: Erhalt historischer Bausubstanz bei gleichzeitiger Einführung einer räumlichen Innovation.

Daher wurde „nur“ ein bestimmendes, raumbildendes Element eingefügt: ein um 45 Grad gedrehter, in den Dachstuhl eingefügter Kubus aus Beton. Er orientiert sich an der Geometrie des Bestandes und erstreckt sich über die gesamte Länge des Gebäudes.

Peter Haimerl . Architektur
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BAUHERR
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FOTOS: Edward Beierle für Euroboden

MODERNES ELEMENT IN HISTORISCHEM KONTEXT. Innerhalb des auf die Spitze gestellten Kubus findet sich eine hochmoderne Einheit in dem ehemaligen Stall des Anwesens. Außerhalb des Kubus existiert in engem Bezug zum Bestand eine zweite Einheit, die das Historische so weit wie möglich erhält und spürbar werden lässt.

Der Betonkubus staffelt sich von Norden nach Süden. Daher verschränken sich Raumteile des Bestandes mit Elementen des Kubus.

ZEUGNIS BÄUERLICHER BAUKULTUR. Das sogenannte Schusterbauerhaus ist ein für das Münchner Umfeld typisches Kleinbauernanwesen. Es war um 1750 als Teil einer Hofanlage mit Stallungen und Schuppen erbaut worden.

In seiner Blütezeit hatte das Gebäude sowohl dem Schusterhandwerk als auch einer kleinen Landwirtschaft mit Tieren Raum geboten. Heute ist der Hof das letzte Zeugnis einer bäuerlichen Baukultur im Zentrum von Alt-Riem, dessen ursprüngliche äußere Erscheinung noch in großen Teilen erhalten ist.

FOTOS: Edward Beierle für Euroboden
FOTOS: Edward Beierle für Euroboden
FOTOS: Edward Beierle für Euroboden
FOTOS: Edward Beierle für Euroboden

Vor dem Umbau waren im Wohntrakt im Südwesten durch Vandalismus nahezu alle transportablen Bauteile und Türblätter verschwunden, ebenso die Böden im Erdgeschoss. Vom ehemaligen Wirtschaftstrakt im Nordosten stand nur noch eine leere Hülle unter einem 45-Grad-Dach mit Kehlbalken. Auch auf zum Stall gehörende Einbauten und Böden konnte zu Beginn der Umbauphase nicht mehr zugegriffen werden.

RESTAURIERTE HOLZWÄNDE. Wo es baulich möglich war, wurde die bestehende Substanz erhalten und als solche gekennzeichnet. Das zeigt sich an der Fassade, vor allem jedoch im Inneren des Wohntraktes im Bereich der gezimmerten Wände und Holzdecken.

Die zahlreichen Farbschichten spiegeln Farbmoden der vergangenen Jahrhunderte. Daher wurde auf einen vereinheitlichenden, homogenen und konservierenden Anstrich der Wände verzichtet.

Die Holzwände wurden weitgehend restauriert und sind nun charakteristische farbliche Elemente des Wohntraktes. Noch vorhandene Türen und Fenster sowie Fensterläden wurden erhalten, fehlende wurden rekonstruiert.

FOTO: Edward Beierle für Euroboden

LIEGENDES BETONPRISMA. Vor Beginn der Umbauphase waren im Inneren des Gebäudes Stall und Dachboden zerstört und der Stadl größtenteils wie ausgehöhlt. Daher wurde in diesen Bereichen der Struktur des Hauses entsprochen und ein liegendes  Betonprisma – mit quadratischer Grundfläche auf die Kante gestellt – eingebaut.

Die beiden oberen Seitenflächen des Einbaus  bilden im 45-Grad-Winkel die Innenseite des Satteldachs ab. Der Betoneinbau zieht sich über die gesamte Länge des Gebäudes.

Bei Bedarf klappen sich die unteren Seitenflächen sukzessive nach oben und strukturieren den Wohnraum. Im  südwestlichen Teil reduziert sich der Einbau auf ein Prisma mit einem rechtwinkligen Dreieck als Grundfläche.

FOTOS: Edward Beierle für Euroboden

WOHNEN UNTERHALB DES BETONPRISMAS. Eine der beiden neu entstandenen, unterschiedlichen Wohnungen befindet sich im Wohntrakt und in dem ehemaligen Stallbereich des Schusterbauerhauses unterhalb des eingeschobenen Betonprismas. Im Bestand wurde die räumliche Struktur des ehemaligen Bauernhauses belassen.

FOTOS: Edward Beierle für Euroboden

Die Räume wurden komplett restauriert. Hier befinden sich die alte Stube, die Flez und die Schlafkammern in Erd- und Obergeschoß.  Eine großzügige Wohnküche im Bereich des ehemaligen Stalls unter dem Betonprisma und ein darüber liegendes modernes Bad aus Beton erweitern den historischen Wohnbereich um eine zeitgemäße Architektur.

FOTOS: Edward Beierle für Euroboden
FOTOS: Edward Beierle für Euroboden

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


KAMINBAU
Zeller Kamin GmbH & Co. KG
Kienberger Straße 42
D-83119 Obing
Tel. +49 (0)8624 / 8989-0
Fax +49 (0)8624 / 8989-50
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www.zellerkamin.de

WOHNEN INNERHALB DES BETONPRISMAS. Die zweite Wohnung befindet sich innerhalb des Betonprismas im ehemaligen Stadl. Die geklappten Seitenflächen des Betonprismas generieren Wohnraum auf verschiedenen Ebenen mit zahlreichen verschiedenen Raumhöhen.

So öffnet sich beispielsweise ein Raumsegment gebäudehoch für den Essbereich. Flankiert wird es vom Küchenplateau unter der Wohngalerie, einem niedrigeren Zwischenbereich. Von dort aus durchwandert der Bewohner den Raum von Ebene zu Ebene nach oben in den Bereich des Wohnzimmers und der Schlafzimmer.

Ein offener Kamin auf der Galerie wird begleitet von Liegeflächen auf den geklappten Seitenflächen des Betonkörpers. Seine Stirnseiten und innen liegenden Einbauten innerhalb des Prismas sind mit Filz bekleidet und absorbieren den Schall.

FOTOS: Edward Beierle für Euroboden
FOTO: Edward Beierle für Euroboden

RE-INTERPRETIERTER MISTHAUFEN. Wie jeder Bauernhof in Altbayern, war der Misthaufen Stolz des Anwesens. Dieses weithin sichtbare Symbol wirtschaftlichen Wohlstandes wurde in Form einer hölzernen Funktionskiste re-interpretiert.

Nun befinden sich an gleicher Stelle Müllhäuschen, Lager, Fahrradabstellplätze und eine Laube mit verschiebbarem Dach. Der ehemalige Hofbereich wird dadurch von früher in Bayern unüblichen Einfriedungen freigehalten und trotzdem zoniert.

VERWEILE DOCH. Der Schusterbauer ist tot – es lebe der Schusterbauer! Frei nach diesem Motto haben die Künstler Jutta Görlich und Edward Beierle in Stefan F. Höglmaier, als neuem Bauherrn des Schusterbauerhauses in Riem, ihren ganz eigenen Schusterbauern gesehen. Und da Architektur und Kunst sich für Stefan F. Höglmaier gegenseitig inspirieren ist die Förderung des Kunstprojektes „Verweile doch!“ von beierle.goerlich für ihn Ausdruck von Architekturkultur.

FOTOS: beierle.goerlich