Umbau Hauptbahnhof Graz

Eine Welle als Dach und 150 m Kunst

Bahnsteig und Personentunnel – hell, sicher und beeindruckend gestaltet

BEDEUTENDER VERKEHRSKNOTENPUNKT. Der Grazer Hauptbahnhof hat eine Kundenfrequenz von rund 30.000 Fahrgästen täglich. Damit ist er einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Österreichs.

Künftig wird seine Bedeutung als Verkehrsdrehscheibe international und national weiter steigen. Dies erforderte eine Anpassung der Anlagen sowohl am Bahnhof selbst als auch im Bereich der Verknüpfungen mit dem öffentlichen städtischen Verkehr.

260-MILLIONEN-PROJEKT. Das Investitionsvolumen von rund 260 Millionen Euro wurde von der ÖBB, der Stadt Graz und dem Land Steiermark finanziert. „Graz Hauptbahnhof 2020“ stellt somit eines der größten Bauprojekt der letzten Jahre in der steirischen Landeshauptstadt dar.

Stadtseitig wurden die Straßenbahnlinien in Tieflage gebracht und der gesamte Bahnhofsvorplatz neu gestaltet. Gleisseitig wurden die Infrastrukturanlagen neu konfiguriert. Wichtige Bauteile dieser beiden Maßnahmenpakete stellen die Überdachungen dar.

Zechner & Zechner ZT GmbH
Stumpergasse 14/23
A-1060 Wien
Tel. +43 (0)1 / 5970 336-0
Fax +43 (0)1 / 5970 336-99
email@zechner.com
www.zechner.com

3.000 M² + 4.500 M² ÜBERDACHUNG. Ein Vordach mit einer Fläche von mehr als 3.000 Quadratmetern wurde im Zuge des Neubaus der Straßenbahnstationen am Bahnhofsvorplatz errichtet. Die neuen Bahnsteigüberdachungen überdecken eine Fläche von rund 4.500 Quadratmetern.

Das Vordach am Europaplatz war bereits im Jahr 2012 fertiggestellt worden. Zechner & Zechner wurden für die Planung dafür schon mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem World Infrastructure Award. Nun sind die Baumaßnahmen am Bahnhof abgeschlossen.

RENDERING: isochrom.com

ZEITGEMÄSSES DESIGN. Der Bestand der Bahnsteigdächer am Hauptbahnhof Graz hatte nicht mehr den Anforderungen entsprochen, die an zeitgemäße Infrastrukturbauwerke gestellt werden. Die Dächer stammten aus mehreren Epochen und waren teilweise als Provisorien errichtet worden.

Die Qualität des Bahnreisens wird unter anderem auch von der Qualität der Ein- und Ausstiegspunkte bestimmt. Befragungen und Rankings der Bahnhöfe dokumentieren klar die Kundenwünsche nach geschützten, hellen und sicheren Wartebereichen mit umfangreichem Informationsangebot, guter Orientierbarkeit und Behindertengerechtigkeit.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


MEMBRAN BOGENDACH
Temme Obermeier GmbH
Rosenheimer Straße 44
D-83064 Raubling
Tel. +49 (0)8035 / 9508 5-20
Fax +49 (0)8035 / 9508 5-99
contact@to-experts.com
www.to-experts.com

MEMBRANMATERIAL
Sefar AG
Hinterbissaustrasse 12
CH-9410 Heiden
Tel. +41 (0)71 / 8985 104
info@sefararchitecture.com
www.sefararchitecture.com

GROSSZÜGIGES RAUMEMPFINDEN. Im Bereich der Inselbahnsteige nutzten die Architekten Zechner & Zechner im Zuge der neuen Gleislage die Möglichkeit, einen Dachneubau zu errichten, der über die Situierung von konventionellen Bahnsteigdächern hinausgeht und dem bereits sanierten und erweiterten Aufnahmegebäude bzw. dem neuen Vordach am Bahnhofsvorplatz ein ansprechendes Pendant im Gleisbereich gegenüberstellt. Durch eine räumliche Verbindung der drei Inselbahnsteigdächer wurde ein großflächig überdachter Bereich geschaffen. Er gewährleistet besseren Witterungsschutz und bietet durch seine Höhe von bis zu acht Metern ein großzügiges Raumempfinden.

Die großen Stützweiten von mehr als vierzig Metern ermöglichen in den zentralen Bahnsteigzonen bis auf einen Mittelpylon stützenfreie Räume. Dieser Umstand stellt am Grazer Bahnhof ein entscheidendes Kriterium dar, zumal das Gleisfeld nur Bahnsteigbreiten von weniger als neun Metern erlaubt.

SYMBOL FÜR BEWEGUNG. Zur Versorgung der überdachten Bereiche mit natürlichem Licht wurde die geschlossene Dachhaut im Bereich zwischen jeweils zwei Hauptträgern, die sich nach außen neigen, geöffnet und mittels transluzenten Membranen bespannt. So wird gewährleistet, dass Licht in jene Zone einfällt, wo sich die Fahrgäste aufhalten, anstatt den Gleisbereich zu belichten.

In den äußeren Bahnsteigbereichen geht die im Mittelbereich verbundene Dachkonstruktion wieder in zungenförmige Einzelbahnsteigdächer über. So entsteht ein Gesamtgebilde, das einer Welle gleicht, die zu ihren Rändern hin ruhig ausfließt. Das Bild der Welle als Symbol für Bewegung unterstreicht die Dynamik des Verkehrsmittels Bahn.

STATIK STAHLBAU
KRATZER Zivilingenieurbüro
Glacisstraße 57
A-8010 Graz
Tel. +43 (0)316 / 8234 38-0
Fax +43 (0)316 / 8234 38-30
office@kratzergraz.at
www.kratzergraz.at

BETRÄCHTLICHE SPANNWEITE. Am Anfang stand der formale Wunsch nach einer großflächigen Überdachung mit möglichst wenigen Stützen. Aus statischen Gründen bot sich ein bogenförmiger Träger an, der – ähnlich einer Brücke – große Spannweiten gewährleistet.

Zur Vermeidung von Stützenpaaren am Bahnsteig treffen die Hauptträger auf einen mittigen Pylon und weiten sich zwischen den Stützpunkten linsenförmig auf. Dadurch entsteht eine V-förmige Konfiguration der Hauptträger, was auch den Lichteinfall über die Oberlichtmembran verbessert.

LEUCHTEN WIE PERLENKETTEN. Neben den lichttechnischen Vorgaben hinsichtlich ausreichender Beleuchtungsstärken insbesondere im Treppenbereich galt es, ein effizientes, wartungsfreundliches Lichtsystem zu entwickeln, das niedrige Stromkosten einhält. Das Beleuchtungskonzept sah lineare LED- Leuchtkörper entlang der Oberlichtöffnungen vor.

Die Leuchten treten wie Perlenketten in Erscheinung, die die Bogenkonfiguration der Träger unterstützen und gleichmäßiges flächiges Licht erzeugen. Die Dachuntersichten werden durch aufwärts strahlende Ceilingwasher zusätzlich aufgehellt. Die leicht spiegelnden Aluminiumverbundplatten reflektieren das Licht.

40 % ENERGIE-EINSPARUNG. Die Pylone werden zusätzlich mittels Strahlern markiert. An den Fußpunkten der Hauptträger sind LED- Strahler montiert, die einen bläulichen „Mondlichteffekt“ erzeugen und dem Bahnsteigbereich ein unverwechselbares Ambiente verleihen.

Die Entscheidung für eine LED-Beleuchtung hat auch klare wirtschaftliche Vorteile. Auf die gesamte Lebensdauer inklusive Wartung bringt der durchgehende Einsatz von LED-Technologie eine Energieeinsparung von rund vierzig Prozent gegenüber herkömmlichen Leuchten und macht den Grazer Hauptbahnhof zu Europas erster Bahnstation mit 100%igem LED-Einsatz.

TAKTILES LEITSYSTEM
Gravurtechnik Neuhold GmbH
Schlitters 26 d
A-6262 Schlitters
Tel. +43 (0)5288 / 8710 6
Fax +43 (0)5288 / 7209 6
h.neuhold@gravurtechnik.at
www.gravurtechnik.at

KORROSIONSSCHUTZ
Rembrandtin Lack GmbH Nfg. KG
Iganz-Köck-Straße 15
A-1210 Wien
Tel. +43 (0)1 / 2770 2-0
Fax +43 (0)1 / 2770 2-43
office@rembrandtin.com
www.rembrandtin.com

KUNST IM TUNNEL. Im nördlichen Bereich der Bahnsteige wurde ein neuer Personentunnel errichtet. Der neue Durchgang führt vom Hausbahnsteig zu den Bahnsteigen, stellt aber auch eine städtebauliche Verbindung mit dem jenseits der Gleisanlage liegenden Stadtviertel dar.

HKLS-PLANUNG
BHM INGENIEURE
Engineering & Consulting GmbH

Bahnhofgürtel 59
A-8020 Graz
Tel. +43 (0)316 / 8403 03
Fax +43 (0)316 / 8403 03-20
office.graz@bhm-ing.com
www.bhm-ing.com

Die große Länge des Tunnels wird durch entsprechende Querschnittsbildung und gute künstliche Beleuchtung gemildert – vor allem aber durch die Installation eines 150 Meter langen Kunstwerkes von Peter Kogler in Form einer großflächig bedruckten Glasverkleidung, die den Personentunnel zu einer Ausstellungshalle besonderer Qualität macht. Die Kunstwand stellt die Fortsetzung der bereits im Jahre 2003 begonnenen Installation in der Halle des Bahnhofs dar, die ebenfalls von Peter Kogler stammt.

Im Zuge der Neukonfiguration des Gleisbereiches wurde am westlichen Rand des Bahnhofsareals ein Nahverkehrsbahnsteig errichtet, der nun über eine Verlängerung des bereits bestehenden Südtunnels erreicht werden kann. Der Südtunnel bildet somit die zentrale Bahnsteigerschließung von der Bahnhofshalle kommend. Seine Verlängerung wurde im Stil des Bestandes weiterentwickelt.

FOTOS
PIERER NET – Photography
www.pierer.net