Umbau Geomaris Gerolzhofen
FOTO: Tom Söllner, Gerolzhofen

Umbau Geomaris Gerolzhofen

Harmonisches Ensemble aus Bestand und Neubau

Die einzelnen Gebäudeteile sind klar ablesbar

TEILSANIERUNG UND -NEUBAU. Das Freizeitbad Geomaris im unterfränkischen Gerolzhofen war in den 1970er Jahren errichtet worden. In den frühen 90ern hatte eine Erweiterung stattgefunden.

Zwei Jahrzehnte später befand sich das kombinierte Hallen- und Freibad am Ende seiner Nutzungsdauer. Das machte eine aufwendige, eineinhalbjährige Teilsanierung mit Teilneubau notwendig.

Im Zuge der Badplanung wurde folglich die Bestandsschwimmhalle teilweise rückgebaut. Der sanierungsfähige Teil wurde bis auf den Rohbauzustand zurückgeführt, ertüchtigt und um einen Neubauteil ergänzt, der das Gebäudevolumen in Richtung Osten weiterentwickelt. Auch die vorhandene technische Gebäudeausrüstung war im Wesentlichen abgängig und wurde ersetzt.

Außensauna und Freibecken waren nicht Bestandteil der Planung. Infolgedessen blieben sie unverändert.

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FOTO: Tom Söllner, Gerolzhofen

FASSADE IN EDLEM BRAUN. Ziel für die äußere Gestaltung war es, ein harmonisches und selbstverständlich wirkendes Ensemble aus Bestand und Neubau zu schaffen. Die einzelnen Gebäudeteile der großen Badehalle, Funktionsriegel und Neubau sollten klar voneinander ablesbar bleiben.

Um das Formenspiel der Baukörper zu unterstützen, entschied man sich als Fassadengrundton für ein edel wirkendes Braun, das die drei Gebäudeteile durch unterschiedliche Nuancierung sichtbar macht. Ein grünes Band umzieht und vereint die Baukörper zu einem Ganzen.

FOTO: Tom Söllner, Gerolzhofen

BODENTIEFE FENSTER. Die Fensteröffnungen sind großformatig und bodentief. Sie gliedern die homogenen Putzflächen.

Einen gestalterischen Akzent setzt der Rutschenkörper in Orange. Der anthrazitfarbene Windfang umrahmt den auf der Nordseite gelegenen Haupteingang und kennzeichnet ihn für die Besucher deutlich.

EINLADENDES FOYER. Über den Windfang gelangt der Badegast in das Foyer. Zentraler Anlaufpunkt ist dort der vis-a-vis gelegene Kassentresen.

Vom Foyer aus ist das Freibad in östliche und das Hallenbad in westliche Richtung erschlossen. Großformatige Verglasungen gewähren den Besuchern vom Foyer sowohl einen Einblick in die kleine Badehalle als auch in die Gastronomie und darüber in den Freibereich.

FOTO: Tom Söllner, Gerolzhofen

VIELFÄLTIGER UMKLEIDEBEREICH. Der Umkleidebereich erstreckt sich westlich des Foyers. Den Auftakt bilden die Fönplätze. Stand-Fönplätze mit wandgehängten Haartrocknern sowie Frisierplätze mit Sitzmöbeln und Handhaartrocknern werden angeboten.

Über den Stiefelgang gelangt der Badegast in den Umkleidebereich. Nebst zwei Sammelumkleiden mit je 26 Garderobenschränken befinden sich im Erdgeschoss 10 Wechselgarderoben, 64 Doppel- und Einzelschränke sowie 3 Familienumkleiden. Zur barrierefreien Nutzung sind 2 Umkleiden mit 4 Garderobenschränken vorgesehen.

Im Untergeschoss findet der Badegast 4 kleinere Sammelumkleiden mit jeweils 26 Einzelschränken. Acht Wechselgarderoben, die ebenfalls dort angelegt wurden, stehen vor allem der Nutzung durch Schulklassen, Vereine und kleinere Besuchergruppen zur Verfügung.

Weiterhin laden Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein. Kleine Snacks und Getränke können aus der angegliederten Küche über die Kasse bezogen werden. Des Weiteren befinden sich dort auch Besucher-WCs.

FOTO: Arnulf Koch, Gerolzhofen

Über den Barfußgang erreicht der Badegast den Sanitärbereich, worin sich die Duschräume inklusive der sanitären Einrichtungen befinden. Ein barrierefreier Sanitärraum steht dabei zur Verfügung.

FOTOS: Tom Söllner, Gerolzhofen

GROSSE BADEHALLE. In der großen Bestandsbadehalle befindet sich das 25-Meter-Schwimmerbecken mit einer Wassertemperatur von 29,4 Grad Celsius. Durch die Teilsanierung mit Teilneubau des Geomaris steht diese Badehalle wieder verstärkt für das Bahnenschwimmen zur Verfügung, da die therapie- und bewegungsorientierten Angebote in das neue Kursbecken verlagert werden konnten.

Großformatige Verglasungen nach Süden gewähren einen Ausblick in die Landschaft. Zudem schafft eine Ruhezone im westlichen Teil der Badehalle einen Ort des Rückzugs.

Auf Höhe des östlichen Beckenumgangs befindet sich der Schwimmmeisterraum. Von dort hat das Aufsichtspersonal einen direkten Überblick über die Badehalle.

Zur Überwachung der anderen Wasserflächen und Zonen wurde ein Videoüberwachungssystem installiert. Es wird im Schwimmmeisterraum zugeschalten.

Über einen anthrazitfarbenen Eingangsbereich an der Südseite der großen Badehalle führt zudem eine Treppe in den Südanbau. Weil er den Zugang zur Außensauna beherbergt, sind dort funktional weitere Duschen und Toiletten sowie der Wärme- und Ruheraum der Außensauna eingerichtet. Über einen Außenschwimmkanal kann man vom Südanbau des Weiteren in das beheizbare Außenbecken gelangen.

FOTOS: Arnulf Koch, Gerolzhofen

KLEINE BADEHALLE. Das Kursbecken sowie das Planschbecken und die Zugänge zu den Außenwasserflächen – Jod-Selen-Becken und Sole-Erlebnisbecken – sind in der kleinen Badehalle gelegen. Über eine bodentiefe, raumhohe Eckverglasung öffnet sich die Badehalle in Richtung Süden und Osten und verknüpft so den Innen- mit dem Außenraum.

Das Kursbecken mit einer Wassertiefe von 1,30 Meter dient bei einer Wassertemperatur von 32 Grad Celsius in erster Linie den bewegungs- und therapieorientierten Angeboten und dem Schulschwimmen. Zu den Kursen gehören zum Beispiel Babyschwimmen, Aquacycling, Aqua Power und Medical Aqua Fit. Dieses vielfältige Gesundheits- und Sportangebot trägt zur Attraktivierung des Erlebnisbades bei, ohne dass der Schwimmbetrieb gestört werden muss.

Bei einer Wassertemperatur von rund 32 Grad Celsius können sich die kleinsten Badegäste im Planschbecken auf ca. 15 Quadratmetern Wasserspielfläche austoben. Eine Besonderheit des Erlebnisbades ist die Röhrenrutsche, die über die kleine Badehalle erschlossen ist. Mit Geraden, Kurven und Jumps ausgestattet, sorgt sie auf 50 Metern Länge mit dunklen Rutschpassagen, unterbrochen durch vielfältige Lichteffekte, für viel Spaß. Zudem misst ein Zeitmesser die Geschwindigkeit der Rutschpartie.

FOTOS: Arnulf Koch, Gerolzhofen
FOTOS: Arnulf Koch, Gerolzhofen
FOTO: Tom Söllner, Gerolzhofen

FREIBAD MIT SOLE- UND JOD-SELEN-BECKEN. Das Freibad mit seinen Freibecken und der Sommer-Umkleide blieben von der Teilsanierung mit Teilneubau unberücksichtigt. Neu gebaut wurden das Sole-Becken und das Jod-Selen-Becken, in die der Besucher jeweils über einen Außenschwimmkanal an der östlichen Seite des Neubaus gelangt.

Bei 34 Grad Celsius Wassertemperatur kann man im mit den Spurenelementen Jod und Selen angereicherten Wasser auch im Winter die Seele baumeln lassen. Zehn Unterwasser-Massagedüsen unterstützen die medizinische und entspannende Wirkung des Thermal-Heilwassers.

FOTO: Tom Söllner, Gerolzhofen

Auch das vorhandene Sole-Becken war nicht sanierungsfähig und wurde daher neu errichtet. Mit zweiprozentigem Solewasser befüllt, bietet das Sole-Becken im Außenbereich ebenfalls optimale Bedingungen zum Entspannen auch im Winter. Massagedüsen und Sprudelliegen unterstreichen im 34 Grad Celsius warmen Wasser die heilenden Kräfte der Sole.

Der Höhenunterschied dieses Beckens zur kleinen Badehalle wird mit einem Plattform-Treppenlift überwunden, sodass auch der Außenbereich analog zu den Badehallen barrierefrei erschlossen ist. Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken mit Sprungbecken sowie das Saunadorf blieben von der Sanierung unberücksichtigt.

CAFETERIA IN ZENTRALER LAGE. Bewusst zwischen den Nutzungsbereichen kleine und große Badehalle sowie Freibereich ist die Cafeteria angeordnet. Mit kleinen Snacks gegen den Hunger sowie saisonal wechselnden Speisen kann der Besucher nebst der Bargeldzahlung mithilfe seines Armbandchips auch bargeldlos bezahlen. Die an die Cafeteria angrenzende Sonnenloggia bietet Entspannung und Ausblick.

EFFIZIENTER PERSONALBEREICH. Die Badleitung befindet sich zentral im Objekt südlich des Kassentresens. In unmittelbarer Nähe zum Gastronomie- und Badebereich, zum Schwimmmeisterraum sowie Foyer wurden die Wege des Badleiters verkürzt.

Die Pausenräume befinden sich in der nordwestlichen Ecke des Objektes, wobei externe Service-Mitarbeiter einen separaten, kombinierten Pausen- und Arbeitsmittel-Raum erhalten haben. Im Untergeschoss, ebenfalls in der nordwestlichen Ecke des Gebäudes, sind nahe dem Personaleingang die Personal-Umkleiden und Duschen angeordnet.

ENERGIESPARENDE TECHNIK. In den Untergeschossebenen befinden sich die Flächen für die Filteranlagen und Lüftungsgeräte, die Heizanlage, die Schwallwasserbehälter und die Elektroanlagen. Dabei wurden die Besonderheiten des Bestandes genutzt, wie beispielsweise der Höhenvorsprung in der Lüftungszentrale als Maschinenfundament für Lüftungsgeräte.

Die Beheizung der Schwimmhalle erfolgt über zwei Heizsysteme. Zur Temperierung des Fußbodens wurde im gesamten Badebereich eine Fußbodenheizung installiert, welche konstant mit einer Temperaturspreizung von 50/40 °C betrieben wird, wobei die Fußboden-Oberflächentemperatur auf max. 36 °C begrenzt ist.

Durch die geringe Temperaturdifferenz zur Raumlufttemperatur von 32 °C liegt die spezifische Leistung der Fußbodenheizung bei ca. 20 W/m², trägt jedoch wesentlich zur Verbesserung der Behaglichkeit bei. Die Deckung der Restheizlast der Schwimmhalle erfolgt über die zugehörige Lüftungsanlage. In Nebenbereichen wie Personalaufenthaltsräumen und Werkstatt kommen Flachheizkörper mit einer Temperaturspreizung von 20 K zum Einsatz.

Um ein ökologisches Gesamtkonzept im Zusammenspiel von Architektur und Haustechnik zu realisieren, wurde eine kompakte Gebäudevolumetrie mit optimierten Öffnungsanteilen einerseits sowie der Einsatz energetisch sinnvoller Lösungen im Bereich der Technischen Anlagen andererseits konzipiert. Hochwertige Dämmstoffe, eine Dreischeiben-Verglasung sowie erneuerbare Energien in Form von Solarabsorbern zur Vor- und Erwärmung des Beckenwassers wurden eingesetzt. Darüber hinaus wurde der Anteil geschlossener und damit sehr gut wärmegedämmter Wandflächen im Verhältnis zu den transparenten Wandflächen bezogen auf den Bestand um ca. 50 % erhöht. Im Zuge der Teilsanierung mit Teilneubau ist so ein energiesparendes Erlebnisbad mit einem um 50 % verringerten Energieendbedarf entstanden.

FREIZEIT-, SPORT- UND FITNESSORIENTIERTHEIT. Durch die Erweiterung der auf das Bahnenschwimmen konzentrierten großen Badehalle um die kleine Badehalle im Osten konnten mehr freizeitorientierte Wasserflächen geschaffen werden. Die Erlebnisrutsche, aber auch die Nutzung der verschiedenen Becken mit teilweiser heilender Funktion gehören dazu.

Zudem werden diverse Schwimm- und Fitnesskurse für jedes Alter angeboten. Den Schulen steht es frei, das Geomaris für den schulischen Schwimmunterricht zu nutzen. Ebenso können ansässige Vereine dort ihre Trainingseinheiten abhalten.

Für alle Becken gibt es einen variablen Beckenlift zum Einstieg für benachteiligte Badegäste. Der Außenbereich wurde mittels eines Plattform-Treppenliftes ausgestattet. So ist das „Geomaris“ barrierefrei erschlossen und hat sich zu einem beliebten Familien- und Erlebnisschwimmbad etabliert, das mit zahlreichen neuen Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen lockt.

FOTO: Tom Söllner, Gerolzhofen