Neubau Stoos Hüttä

Neubau Stoos Hüttä

Ein Holzbau durch und durch

In konsequenter Elementbauweise konnte das Berghotel
innerhalb von nur 7 Monaten fertiggestellt werden

HOHE ANSPRÜCHE. Die Oberallmeindkorporation Schwyz (OAK) veranstaltete einen Studienauftrag unter vier Planern, um einen Neubau für das alte Skihaus NSKZ aus dem Jahr 1935 zu realisieren. Die Ansprüche waren hoch. Innerhalb eines engen Kostenrahmens sollte ein herausragendes Berghotel entstehen, in dem Familien, Gruppen und Paare aller Altersgruppen in einfacher und natürlicher Umgebung ganzjährig ihre Freizeit preiswert verbringen können. Als älteste und größte Korporation der Schweiz verfügt die OAK über große Holzbestände, die für den Neubau möglichst umfassend genutzt werden sollten.

marty architektur ag
Ratskellergasse 2
CH-6430 Schwyz
Tel. +41 (0)41 / 8102 89-0
Fax +41 (0)41 / 8102 89-1
info@marty-architektur.ch
www.marty-architektur.ch

URTYPISCHE MATERIALISIERUNG. Entscheidend für die Ausformulierung des neuen Gebäudevolumens war dessen Einbindung in das alpine Umfeld. Die neue Hütte sollte weniger dominant erscheinen und der Neubau sich stärker in die Landschaft eingliedern. Deshalb wurde das Gebäudevolumen abstrahiert und als spaltroher, natürlicher Holzblock ohne parallele Flächen inszeniert.

Die Gebäudehöhe wurde um ein Geschoss reduziert, die Dachüberstände mit ansteigenden Trauflinien auf ein Minimum reduziert und zusätzliche Vordächer weggelassen. Die unbehandelten Fichtenschindeln der Fassade wurden so zum maßgebenden Gestaltungselement und prägen das Erscheinungsbild, ohne dabei eine Wesensverwandtheit mit dem alten Skihaus zu verlieren.

Als Ersatzneubau außerhalb der Bauzone durfte das Volumen um maximal 100 Quadratmeter vergrößert werden und musste im Wesen dem ursprünglichen Bau entsprechen. 50 Meter die Geländekuppe hinunter verschoben und asymmetrisch auf einen neuen Betonsockel gestellt, vereint die neue Hütte eine urtypische Materialisierung mit einer modernen Formsprache zu einem Ausstellungsstück der OAK-Forsttätigkeit.

TANNE, ESCHE, FICHTE. Die neue Stoos Hüttä ist ein Holzbau durch und durch. Um dies nicht nur oberflächlich, sondern in der entsprechenden Tiefe sinnvoll und preisgünstig umzusetzen, mussten vorgefasste Meinungen hinterfragt und vertraute Vorgehensweisen überdacht werden. Dank einer kreativen Lösungsfindung und dem Mut, unkonventionelle Wege zu gehen, konnte zu rund 90 Prozent lokales Holz der OAK für Konstruktion, Ausbau und Möblierung verwendet werden.

Die Außenwände wurden aus vorfabrizierten Holz-Elementen zusammengefügt und im Inneren mit gebürsteter und weiß geölter Tanne verkleidet. Die Decken sind aus Brettholzträgern und die Böden mit einem Parkett aus geölter Esche – einer zu Unrecht wenig beachteten Holzsorte – belegt. Beides haben Schweizer Lieferanten speziell mit lokalem Material hergestellt.

Die Untersicht ist ebenfalls in weiß geölter Tanne ausgeführt und für eine verbesserte Akustik zum Teil fein gerippt. Im gesamten Ausbau verbaute man eigens produzierte Dreischichtplatten aus OAK-Fichte. In einzelnen Bereichen wurden zudem Guntliweider Hartsandstein aus Nuolen verlegt, ein Stein mit langer Tradition im Kirchenbau, der schon fast in Vergessenheit geraten ist.

MINERGIE-STANDARD. Das Kernstück des Energiekonzeptes ist die hochgedämmte Gebäudehülle. Sie erlaubt es, zusammen mit OAK-Holz als nachhaltiger Energieträger den Minergie-Standard zu erfüllen.

Durchdachte Lowtech ermöglicht es, den Holzbau auch in der Haustechnik konsequent weiterzuführen. Ein fünf Meter hoher Wassertank ragt vom Keller bis ins erste Obergeschoss und bildet das Herz der Anlage. Seine 5.000 Liter Wasser werden durch das Cheminée im Restaurant aufgeheizt und sorgen im gesamten Haus für angenehme Wärme. Zum Einfeuern werden dafür jeweils 25 Ster OAK-Holz eingelagert. Zusätzlich wird die Abwärme der Kühlräume und Strom aus Solarmodulen verwendet.

BERGPANORAMA UND FEUERSTELLE. Das neue Volumen ist in drei Funktionsebenen unterteilt. Der Sockel als zudienendes Kellergeschoss bietet Platz für die Haustechnik sowie Lager und Diensträume.

Darüber, mit direktem Zugang von Süden, liegt das Restaurationsgeschoss. Zwei unterschiedliche Gasträume bieten kontrastierende Raumerlebnisse und spielen mit Assoziationen zur Bergwelt.

Der nördliche Raum für 45 Gäste wendet sich extrovertiert den Mythen zu. Große Fenster und eine hohe Decke öffnen den Blick auf das beeindruckende Bergpanorama, das sich auch in der gefalteten Deckenabwicklung widerspiegelt.

Im Gegensatz dazu orientiert sich der südliche Gastraum für 40 Personen stärker nach innen, zur zentralen Feuerstelle hin. Die Decke liegt niedriger und die horizontale Gliederung der Einbauten lässt hier an Holzstapel eines Sägewerkes denken.

WASCHMASCHINEN UND TROCKNER
Schulthess Maschinen AG
Landstrasse 37
CH-8633 Wolfhausen
Tel. +41 (0)55 / 2535-111
Fax +41 (0)55 / 2535-470
info@schulthess.ch
www.schulthess.ch

"HÜTTEN-SUITEN". Ein zusätzlicher Zutritt im Osten bietet den logierenden Gästen einen separaten Weg ins Obergeschoss. In zehn Hotelzimmern für bis zu 41 Gäste sind hier die Annehmlichkeiten einer Suite mit dem ursprünglichen Charme eines Hüttenlagers kombiniert und zu einer einzigartigen Raumstimmung mit flexibler Nutzung vereint.

Die unterschiedlich gestalteten Räume können dank vielseitig verwendbaren Doppelstock-Einbauten von zwei bis maximal sechs Personen belegt werden. Während der untere Bereich als Aufenthalts- oder Schlafbereich genutzt werden kann, nutzt die obere Ebene die große Raumhöhe optimal aus und bietet eine Schlafmöglichkeit für mehrere Personen.

Auch hier sind sämtliche Gasträume ausschließlich in Tannenholz gehalten. Sogar der Lampenschirm der Stehleuchte wurde speziell ausgeführt. Die strikte Reduktion der verwendeten Materialien und die dreidimensionale Raumgliederung abstrahieren die ursprüngliche, klassische Grundlage zu einem modernen Raumerlebnis, das durch Kunst zusätzlich verstärkt wird.

Die konsequente Element-Bauweise und die Konzentration auf den Werkstoff Holz ermöglichten es, trotz der Abgelegenheit des Bauplatzes und dem engen Zeitfenster für die Bauarbeiten den engen Kostenrahmen einzuhalten. Sie erlaubten es, sämtliche Teile mit der Standseilbahn nach Stoos zu transportieren und vor Ort in kürzester Zeit zusammenzufügen. Nach nur sieben Monaten Bauzeit stand die neue Hütte rechtzeitig zur Saisoneröffnung für den neuen Pächter bereit.