Neubau Stadtbibliothek Stuttgart
FOTO: Stefan Müller

Neubau Stadtbibliothek Stuttgart

Ein absolut homogener, ruhiger,
monolithischer Bau

Mit vielen geheimen Werten unserer Zivilisation, die soweit geschliffen werden,
dass nur unser reiner Geist in die Materie projiziert wird

ZENTRUM DES STADTVIERTELS. Als Standort für den Neubau der Stadtbibliothek Stuttgart wurde die zentrale, leicht geneigte Lage inmitten des städtebaulichen Planungsgebiets Europaviertel gewählt. Dieses Gebiet erstreckt sich im Talkessel der Stadt zwischen dem südlich gelegenen Hauptbahnhof und der nördlich angrenzenden Heilbronner Straße.

Die Stadtbibliothek liegt am Mailänder Platz und stellt durch Gestaltung und Größe die Mitte des entstehenden Stadtviertels dar. Der in der geometrischen Form eines Würfels geplante Baukörper mit einer Kantenlänge von rund 45 Metern wirkt nach außen mit dem hellgrauen Sichtbeton und den mattierten Glasbausteinen durch seine körperlich spürbare Präsenz.

EUN YOUNG YI
YI ARCHITECTS
Nußbaumerstraße 19
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Fax +49 (0)221 / 1308 461
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FOTO: Yi Architects

Sein „Oculus“ mündet in den darüberliegenden trichterförmigen Lesesaal. Bei dem abgestuften Galeriesaal handelt es sich wiederum um einen jahrtausendealten Raumtyp, der von den Architekten immer wieder aufgegriffen worden ist, wie zum Beispiel im Entwurf für die französische Nationalbibliothek von 1785.

EIN REICH AUS BÜCHERN. Jetzt ist jene antike Grundidee zeitgemäß umgesetzt, allerdings in einer kompakten, quadratischen Form und als fünfgeschossiger Raum, dessen Hülle aus Büchern besteht. Auf diese Weise befindet sich der Besucher inmitten eines Reichs aus Büchern.

Die spiralförmig angeordneten, inneren Erschließungstreppen in den Lesegalerieebenen sind als fließende Flanierwege konzipiert. Das Licht flutet durch das Glasdach.

VOLUMEN, HÜLLE, KERN. Das Gebäude besteht aus Volumen, Hülle und Kern. In der Fuge befinden sich die Erschließungen. Während der Baukörper mit entschieden klarer, geometrischer Form und fokussiertem Eingang vom „Kenotaph für Newton“ von Étienne Boullée inspiriert wurde, wird mit dem „Herzen“ der Bibliothek der antike Raumtyp Pantheon vor dem Hintergrund unserer veränderten technischen Wirklichkeit neu interpretiert.

Dieser innere Raum wird gleichsam von einer zweiten Fassade umschlossen und liegt würfelförmig in der Mitte des Gebäudes, durch ein zentrales Oberlicht erhellt. Also ein Raum für die innere Einkehr.

FOTO: Stefan Müller

VOLLKOMMENER KUBUS. Das Glasdach ist zum Raum mit einer Gitterrostabhangdecke abgeschlossen. Dadurch wird der Raum noch schlichter und purer wahrgenommen.

Ebenso ist das Glasdach nach oben komplett mit Sonnenschutzlamellen abgeschlossen. Somit erscheint der Baukörper als vollkommener Kubus.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


ELEKTRO- UND MEDIENTECHNIK-PLANUNG
Conplaning GmbH

MORPHOSE DES RAUMS. Der dritte zentrale Raum befindet sich unterhalb des Herzens. Das ursprünglich zur Mitte hin abgestuft geplante „Forum“ ist wegen der zum Teil im ersten und zweiten Untergeschoss kreuzenden U-Bahn-Trasse und auf Wunsch des Nutzers als höhengleicher, ebener Veranstaltungsraum ausgeführt.

So entstand dort ein flach proportionierter, quadratischer Raum, der die Thematik „Morphose des quadratischen Raumes“ vervollständigt. Das Gesamtbauvolumen befreit sich vom flachen, quadratischen Raum über den vollkommenen Kubus zu einem sich nach oben hin auflösenden Raum.

EPOCHENÜBERGREIFENDER WERT. Anfang des neuen Jahrtausends sind wir mit unserer Architektur an einen Punkt gelangt, wo es gilt, die Grundtypen der Architektur wieder zu entdecken und in ihren wesentlichen Eigenschaften neu zu interpretieren. Die Aussage wird dadurch unterstrichen, dass alle überflüssigen Elemente nicht verwendet und die bestehenden Elemente auf die Kernaussage reduziert werden.

Gemeinsam wurde an dem Bauwerk gearbeitet – einem absolut homogenen und ruhigen, monolithischen Bau, der viele geheime Werte unserer Zivilisation birgt. Sie werden soweit neutralisiert, bis sie epochenübergreifend einen allgemeinen Wert besitzen, und soweit geschliffen, dass nur unser reiner Geist in die Materie projiziert wird.

FOTO: Yi Architects
FOTO: Stefan Müller