Bauprojekt Sparkassenhaus Erich Heckel in Döbeln

Bauprojekt Sparkassenhaus Erich Heckel Döbeln

Die Kunst als Brücke ins Stadtgeschehen

Oder die Kunst, eine zerklüftete Hinterhofstruktur der Gründerzeit zu erhalten
und heutigen Anforderungen anzupassen

REIZVOLLE LAGE. Das Gebäude Niedermarkt 15 in einer reizvollen Randlage des Stadtzentrums von Döbeln mit wenig Personenverkehr war von der direkt daneben angesiedelten Kreissparkasse erworben worden. Um das Gebäude für eine Sparkassennutzung attraktiv umzugestalten, lobte die Sparkasse einen Wettbewerb aus mit der Vorgabe, eine Galerie zu Ehren Erich Heckels zu integrieren und den Erich-Heckel-Platz so mitzugestalten, dass das Gebäude in das Stadtgeschehen einbezogen wird.

Das Gebäude befand sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Die Anbauten bildeten eine zerklüftete Hinterhofstruktur, welche typisch für die Gründerzeit war. Diese Bauform war früher im Bereich der Ritterstraße weit verbreitet, ging jedoch infolge des Hochwassers von 2002 durch den Rückbau historischer Hinterhofgebäude verloren. Somit stellte das Gebäude mit seinen Hintergebäuden das letzte Beispiel für die typische Bebauung im Planungsgebiet dar. Es galt, die Struktur aus bauhistorischer Sicht zu schützen und das Gebäude den heutigen Anforderungen und den Vorgaben des neuen Nutzers anzupassen.

MALEREI UND ARCHITEKTUR. Der Maler, Expressionist und Mitbegründer der Künstlervereinigung "Brücke", Erich Heckel, wurde am 31. Juli 1883 in dem Haus am Niedermarkt 15 in Döbeln geboren. Die Kreissparkasse Döbeln fühlt sich als Hauseigentümer diesem wertvollen Erbe in besonderer Weise verpflichtet. Um diese Verbundenheit auszudrücken wurde ein Werk Heckels auf der Glasfassade „öffentlich ausgestellt“.

Denn sowohl Malerei als auch Architektur sind klassische Gattungen der bildenden Kunst. Malerei ist das Festhalten von Gedanken des Malers. Architektur die Auseinandersetzung mit dem vom Menschen geschaffenen Raum und insbesondere der Wechselbeziehung zwischen Mensch, Raum und Zeit.

Liebold Architekten & Ing.
Am Damm 7
D-09661 Hainichen
Tel. +49 (0)3720 7 / 6556-01
Fax +49 (0)3720 7 / 6556-11
kontakt@liebold-ai.de
www.liebold-ai.de

AQUARELL AUF GLAS. Im Sparkassenhaus Erich Heckel werden in architektonisch anregendem Rahmen einige der herausragenden Werke Heckels präsentiert. Das besondere Augenmerk bei der architektonischen Konzeption galt der Glasfassade, die sich über drei Etagen erstreckt und durch das aufgebrachte Aquarell "Con Colleano" von Erich Heckel bereits von weitem den Blick auf sich zieht. Sie weckt die Neugier des Besuchers auf den Innenraum und darauf, weitere Werke Erich Heckels zu entdecken.

Die Wirkung des Kunstwerkes wird durch das durchscheinende Licht hervorgehoben. Keine andere Malart kann eine so hohe Farbleuchtkraft und so große Helligkeitsunterschiede zeigen wie ein durchsichtiges Glasbild. Kontrastumfang und Farbbrillanz sind noch stärker als beim Diapositiv im Vergleich zum Papierfoto. Die Farbenpracht erzeugt eine mystische bis feierliche Stimmung im Innenraum.

ANSPRECHENDER PLATZ. Das Gebiet um den Niedermarkt ist durch blockartig angelegte Wohnquartiere mit halböffentlichen Hinterhöfen geprägt. Entlang der Freiberger Mulde wurde die historische Hofstruktur durch die direkt angrenzende Lage aufgebrochen. Die Schaffung eines ansprechenden Platzes vor dem "Hinterhof" Niedermarkt 15 hat die Symbiose zwischen öffentlichen Plätzen und halböffentlichen Höfen wiederhergestellt.

Der neu gestaltete Erich-Heckel-Platz bildet gleichzeitig einen Aufenthaltsbereich und Sammelpunkt aus und führt den Besucher direkt durch das Atrium in die Erich-Heckel-Galerie. Durch die transparente Glasfassade des Eingangsbereiches verschwimmen die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum. Der Innenhof als jetziges Atrium wurde einer doppelten Nutzung für die Öffentlichkeit zugeführt: einerseits der Empfangsbereich für Kunden der Sparkasse und andererseits die Galerie mit ausgesuchten Werken von Erich Heckel.

GRÜNE GALERIE. An die Natur angepasst. Die Entstehung vieler Kunstwerke durch Erich Heckel fand bevorzugt in einer natürlichen Umgebung statt. Daher war es ein Bedürfnis, den Innenhof als Atrium in Anlehnung an seine bevorzugte Umgebung zu formen und farblich der Natur anzupassen. Es entstand die "grüne" Galerie, in der die Kunstwerke entsprechend und ansprechend präsentiert werden.

LICHT AUS DEM ZENIT. Im Innenhof wurde die bestehende Gliederung und Gestaltung der Fassade als "Außen“-Fassade aus Respekt vor der bauhistorischen Substanz in Abschnitten wieder aufgenommen. Weil die natürliche Belichtung nur über zwei Seiten erfolgen konnte, wird das Atrium nun über ein tonnenförmig angelegtes Glasdach belichtet. Ein weiteres ausschlaggebendes Kriterium dafür war eine dreimal höhere Leuchtdichte aus dem Zenit als durch seitlich einfallenden Tageslichtes. Zudem werden der Innenhof und die dahinterliegenden Büroräume über gesteuerte Zu- und Abluftöffnungen im Glasdach versorgt.

Die Erschließung der Büroräume der oberen Geschosse erfolgt über geschwungen angelegte Laubengänge. Diese bewusst gewählte Form erzeugt eine maximale  Effizienz der Belichtung für den Innenhof und belichtet gleichzeitig auf natürliche Weise die Büroräume.

Um die thermischen Lasten des Gebäudes zu verringern und den Tageslichteinfall zu dosieren, wurde ein horizontaler Sonnenschutz aus einem transluzenten Gewebestoff unterhalb der Kuppel arrangiert, der bei Bedarf vom Erdgeschoss aus gesteuert wird. Damit Rauchgase ungehindert über die automatisch gesteuerten Luftungsflügel im Glasdach abziehen können, wird das Sonnensegel im Brandfall mittels eines lasergesteuerten Signalgebers in seine Ausgangsposition zurückgefahren.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


HAUSTECHNIKPLANUNG
INGPLAN TECHNIK GmbH
Limbacher Straße 394
D-09117 Chemnitz
Tel. +49 (0)371 / 8153 2-0
Fax +49 (0)371 / 8153 2-16
info@ingplan-technik.de
www.ingplan-technik.de

GLASTRENNWÄNDE MIT MILCHGLASSTREIFEN. Um eine natürliche Tageslichtsituation in den Büroräumen zu ermöglichen, wurden nicht massive Wände mit Öffnungen in den oberen Geschossen errichtet, sondern lichtdurchlässige Raumtrennungen entlang des Laubenganges. Die Glasabtrennungen wurden auf Augenhöhe mit Streifen aus blickdichter Milchglasfolie versehen, damit lediglich diffuses Licht hindurchfällt, ohne dass zwangsläufig eine Durchsicht zum Laubengang besteht.

FOTOS
Hans Joachim Krumnow, Bannewitz