Sanierung Einfamilien-Haus in Dornbirn-Oberdorf-Watzenegg-Häfenberg

Zeitgemäßes Wohnen im Rheintalhaus
aus dem 17. Jahrhundert

Die Aspekte des Denkmalschutzes und der Ensembleerhaltung waren Grundlage für die sanfte Sanierung

UNBEEINTRÄCHTIGTE ORTSBILDQUALITÄT. Häfenberg ist der südlichste zur Bergparzelle Watzenegg gehörende Weiler im Stadtbezirk Oberdorf von Dornbirn und liegt am Rande einer Geländestufe, die gegen Süden und Westen steil abfällt. Diese von der Sonne begünstigte Lage war Voraussetzung für eine frühe und dichte Bebauung.

Vier denkmalgeschützte Bauten aus dem 17. Jahrhundert prägen noch heute den von Weideflächen umgebenen kompakten Dorfkern. Die Verwendung von ausschließlich unbehandeltem Holz und eine unversehrte Dachlandschaft der meist mit Biberschwanzziegel gedeckten Satteldächer haben dafür gesorgt, dass der ursprüngliche Ensemblecharakter und die Ortsbildqualität unbeeinträchtigt erhalten geblieben sind.

heim+müller architektur ztgmbh
Obere Fischbachgasse 3
A-6850 Dornbirn
Tel. +43 (0)5572 / 3332 5-0
Fax +43 (0)5572 / 3332 5-4
architektur@heim-mueller.at
www.heim-mueller.at

Das umgebaute und sanierte Haus ist ein aus der Zeit um 1680 stammender Rheintalhof, der 1930 traufseitig im Süden um eine zweigeschossige Holzlaube erweitert worden war, die das Erscheinungsbild nachhaltig verändert hatte.

Die Aspekte des Denkmalschutzes und der Ensembleerhaltung waren Grundlage für die sanfte Sanierung, die zeitgemäßes familiäres Wohnen ermöglichen sollte.

MODERNE HAUSTECHNIK. Den gehobenen Anforderungen an moderne Haustechnik wurde unter anderem durch eine neue Heizung Rechnung getragen. Für die Pelletsheizung wurde im Kellergeschoss ein Technikraum ausgebaggert und betoniert, die Bäder sind mit Fußbodenheizung ausgestattet, und der originale Kachelofen in der alten, mit einer schlichten Holztäferung versehenen Stube wurde saniert.

Das Raumkonzept besteht aus Wohn- und Essbereich mit offener Küche und einer entsprechenden Raumhöhe im komplett mit teilweise verstärktem Dachstuhl ausgebauten Dachboden, mit Schlafräumen und Bad im ersten Obergeschoss sowie Spiel,- und Arbeitsräumen im Erdgeschoss, das später als Einliegerwohnung umgebaut werden kann. Die Sanierung des angrenzenden Stadls, in dem ein Lift, ein Musikproberaum, ein Schwimmbad und eine Sauna geplant sind, ist für eine spätere Bauphase vorgesehen.

GUT GEDÄMMT. Die thermische Hülle des Gebäudes wurde wesentlich verändert, aber die vorhandene Gebäudehülle erfuhr keine strukturelle Veränderung, und das originale Erscheinungsbild blieb erhalten. Die aus Strick bestehenden Außenwände erhielten eine neue Fichte-Schindelfassade. Der Holzschirm aus Altholzbrettern wurde in Abstimmung mit dem Denkmalschutz lediglich mit einem Dispersionsstrahlgerät ohne Hochdruck gereinigt, und Fasern wurden mit feinem Scotchpapier abgeschliffen.

Im Dachgeschoss wurde teilweise eine Zwischensparren- bzw. eine Aufdachdämmung angebracht. Die aus energetischen Gründen notwendigen neuen Holzfenster mit Dreischeibenverglasung erhielten auf Wunsch des Architekten Knochengriffoliven, die bestehenden Fensterbänke und die Läden wurden ebenfalls sanft gereinigt und abschließend mit Leinöl eingelassen.

LIEBE ZUM DETAIL. Die überwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammenden Innentüren wurden abgelaugt, die alten Beschläge wieder verwendet. Die neue Haustür aus Glas im sogenannten Altan oder Söller wurde mit einem Altholzverdeck – das Holz dafür entnahm man dem alten Schopf und reinigte es mit Molke – versehen, damit sie sich in die sanierten Holztäfer und die neue Schindelfassade des überdachten Eingangsbereichs einzufügt. Der Boden des Altan wurde teilweise erneuert und ergänzt, das bestehende Sandsteinpodest lediglich sanft gereinigt.

Mit gleicher Sorgfalt wurden die Decken- und Wandtäfer der alten Stube per Hand abgeschliffen und im ursprünglichen Weiß gestrichen. Der neue Hauswirtschaftsraum erhielt nach Entfernen der Dispersionsfarbe die originale grüne Farbe zurück. Die alten Eichendielen wurden gereinigt, gebürstet und mit Aschenlauge gewaschen. Neue Nasszellen bekamen Böden aus Gussasphalt .

Besonders bei der Elektroausstattung ist die Liebe zu den Details zu spüren: Alle Schalter und Steckdosen sind aus der Produktlinie Berker 1930. Mit  verdeckten Linienleuchten, Stehleuchten, LED-Leuchtbändern und  möglichst keinen Deckenleuchten nahm man Rücksicht auf die vorhandenen Raumstrukturen.

Die Holztreppe vom Erdgeschoss ins erste Obergeschoss wurde für eine komplette Sanierung demontiert und nach dem Bürsten, Reinigen und Anschleifen wieder eingebaut. Die Treppe vom Obergeschoss ins ausgebaute Dachgeschoss wurde exakt der alten Treppe nachgebildet.

FOTOS
Günter Laznia, Bregenz

ORIGINALER RHEINTALHUT. Für die zweifache Biberschwanzdeckung kamen die alten Dachziegel zum Einsatz, teilweise mussten sie mit alten Dachziegeln eines anderen Projektes in Dornbirn ergänzt werden. Der Kamin mit originalem Rheintalhut wurde ebenfalls saniert.

Die besondere Herausforderung bei einer umfangreichen Gebäudesanierung zeigte sich im Laufe des Bauprozesses: Die Planung wurde immer wieder neu aufgerollt, und zahlreiche Ereignisse zogen Planungsänderungen nach sich. Ohne das Verständnis und die Offenheit der Bauherrschaft für neue Ideen wäre die Sanierung des alten Rheintalhauses sicher nicht in dieser hohen Qualität möglich gewesen.