Bauprojekt Rheniumhaus der REHAU in Rehau

Bauprojekt Rheniumhaus der REHAU in Rehau

Ein lebendiger und abwechslungsreicher Kosmos

Generalsaniert als „grünes Gebäude“ mit Blockheizkraftwerk und Geothermie

WEBERWÜRSCHINGER
Gesellschaft von Architekten mbH
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DIE BÜROGEISTESPRODUKTIONSMASCHINE. „Auf der grünen Wiese“ – so hatte 1967 die bauwelt anläßlich der Eröffnung des Gebäudes getitelt. Das Rheniumhaus war für die kaufmännische Verwaltung der damals REHAU PLASTIKS genannten Firma gebaut worden. Im ersten Obergeschoss waren das zentrale Betriebsbüro sowie die Verkaufs- und Personalabteilungen und im zweiten Obergeschoss die Rechtsabteilung und die Geschäftsleitung untergebracht.

Ursprünglich war die neue Hauptverwaltung als Zellenbüro geplant. Während der Projektierung stieß man auf die vielen Vorteile des sogenannten Funktionsbaus für die Menschen und das Unternehmen.

Die – für die damalige Zeit – fortschrittliche Idee des Großraumbüros für REHAU war geboren und wurde innerhalb von nur zwölf Monaten Bauzeit umgesetzt. Trotz der zahlreichen Umzüge und Veränderungen hat das Rheniumhaus auch 45 Jahre später seinen eigenständigen Charakter und seine Ausstrahlung bewahrt.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:

OBJEKTMÖBEL UND INNENAUSBAU
Arnold Möbelmanufaktur
GmbH & Co. KG

Planstraße 20
D-92706 Luhe-Wildenau
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Fax +49 (0)9607 / 8219 98-99
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www.arnold-moebelmanufaktur.com

DAS NEUE RHENIUMHAUS. Das generalsanierte Corporate Head Office der REHAU AG bietet Raum für 220 Mitarbeiter des Geschäftsfelds Industrie und ist zugleich das Empfangsgebäude am Standort Rehau sowie das Konferenz- und Schulungszentrum des Unternehmens. Mit jährlich 4.000 externen Besuchern und etwa 1.000 Schulungen ist das Rheniumhaus ein Zentrum der REHAU Welt.

Zahlreiche Mitarbeiter der REHAU AG, gleich aus welchem Winkel der Erde, absolvieren dort Seminare. Der Vielfalt an Menschen und Aufgaben wird im neuen Rheniumhaus mit einer Vielfalt an Räumen und Atmosphären begegnet.

Ein respektvoller Umgang mit dem Ort und die Wahrung der Identität des Gebäudes spielt eine wichtige Rolle bei der Schaffung einer Arbeitswelt mit starker Ausstrahlung. Auf 7.200 Quadratmetern Grundrissfläche und mehr als 3.000 Quadratmetern Garten wirbt das Gebäude, und damit das Unternehmen, mit qualitätsvollen Begegnungs- und Rückzugsmöglichkeiten um Kunden und Mitarbeiter.

INTEGRALE PLANUNG VON ATMOSPHÄREN. Im Gegensatz zu 1967 wurden weite Teile der Fassaden des Erdgeschosses geöffnet, so dass eine starke Verzahnung zwischen Innen und Außen erfolgte. Unterstützt wird diese Verzahnung durch die neue Freiflächengestaltung, die großen Wert auf differenzierte Außenraumqualitäten legt und höhen- und materialgleiche Ein- und Ausgänge schafft.

 

Im Inneren wird das starke Motiv der Fassade in der Decke des Foyers fortgeführt. Im Bereich der Schulungsräume wird die Material- und Farbgestaltung durch die topographische Einbettung des Bauwerks in den Hang aus Schiefer bestimmt.

Das Gebäude ist Innen wie Aussen ein lebendiger und abwechslungsreicher Kosmos. Ähnlich einer Stadt, entstehen öffentliche, private und auch halböffentliche Räume. All diese Räume bringen verschiedene Atmosphären und unterschiedlichen Stimmungen hervor und fördern die Agilität.

FOTOS
Stefan Meyer, Berlin

MÖBEL
Vitra AG

GESTALTUNG VON BEGEGNUNGSQUALITÄTEN. Im Open Space des Rheniumhauses gibt es eine Abfolge an „öffentlichen Plätzen“. Im Zentrum dieses offenen Bereichs befindet sich eine Espressobar. Begleitet wird die Bar von einem Empfangsbereich und der Lounge. Längst sind diese Bereiche wichtige Elemente für die informelle Kommunikation der Mitarbeiter und damit für den Erfolg des Unternehmens.

Der Open Space ist gekennzeichnet von Offenheit, Weite und Grosszügigkeit. Die einzelnen Elemente sind bewußt extrovertiert gestaltet und bauen keinerlei Schwellen für deren Benutzung auf. Geprägt wird dieser Bereich von einer frischen, im Wesentlichen von der Lamellendecke und dem indirekten Licht getragenen Atmosphäre. Ergänzt wird der Charakter des Raums von anspruchsvollen Möbeln aus europäischen Hölzern und lokal hergestelltem Leder sowie dem sandgestrahlten Granit aus einem örtlichen Steinbruch.

INTERMEDIÄRE ORTE. Die halböffentlichen Bereiche sind intermediäre Orte und liegen zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten. Sie sind weniger einsehbar und weniger extrovertiert als die öffentlichen Zonen, aber auch weniger geschützt und ruhig als die privaten Orte.

Die halböffentlichen Flächen vermitteln ein Gefühl der Zurückgezogenheit, nicht jedoch der Abgeschiedenheit. Sie dienen dem formellen, temporären Austausch mit Kollegen und Besuchern. Anders als in den öffentlichen Bereichen wird aufgrund der Gestaltung dieser Bereiche keine spontane oder zufällige Kommunikation motiviert. Gezielte Störungen werden bewußt zu Gunsten der konzentrierten Arbeit im offenen Raum minimiert. In Bezug auf Oberflächen ist der Bereich ähnlich dem Open Space gestaltet, liefert aber aufgrund der Lage im Gebäude und der Ausgestaltung der Möbel und ihrer Bezeichnung eine räumliche Abgrenzung gegenüber der öffentlichen Zone.

DAS BEDÜRFNIS NACH RUHE. Der private Ort im Rheniumhaus ist der sogenannte Enclosed Space. Dieser bietet Räume an, die für Konferenzen und Schulungen genutzt werden. Ergänzt wird das Raumangebot durch lange und kurze Sitzbänke in Nischen des Gebäudes.

Bezogen auf Materialien, Farben- und Oberflächen ist dieser Bereich komplementär zu den öffentlichen und halböffentlichen Bereichen. Den Ursprung findet die Struktur und Farbigkeit in der topografischen Situation vor Ort.

Der Enclosed Space ist Teil des aus grüngelbem Schiefergestein bestehenden Hangs. Weiche Teppiche, alcantarabespannte Türen und Wände, bronzefarbenes Glas und eine matte Deckenlandschaft vermitteln ein Ambiente von Ruhe und Rückzug.

Dieser Bereich ist sozusagen das Wohnzimmer des Gebäudes. Dort wird man nicht unvermittelt gestört, sondern genießt die Vertrautheit der Umgebung und der Personen.

BEKENNTNIS ZUR NACHHALTIGKEIT. Der Umbau des Rheniumhauses bildete den Startschuss für ein neues Energiekonzept am Standort. Im Gegensatz zu früher werden heute zwei Drittel der benötigten Energie aus regenerativen Energiequellen erzeugt.

Kernstück der neuen Energieversorgung ist ein Blockheizkraftwerk, welches künftig mit Biogas versorgt wird. Die zweite Energiesäule bildet das Geothermiefeld. Dreißig Geothermiesonden mit einer Tiefe von je 130 Metern steuern über drei Wärmepumpen nahezu eine Million Kilowattstunden bei.

Viele Komponenten, die einen Beitrag zur energetischen Sanierung leisten, kommen aus dem Hause REHAU: die Freiflächenheizung zur Eis- und Schneefreihaltung des Hauptzugangs, das Fassadensystem mit einer 3-fach-Verglasung für den optimalen Wärmeschutz, die Geothermiesonden und die Wärmepumpen, die über die REHAU Flächenheizung und die Akustik-Kühldeckensysteme für eine optimale thermische Behaglichkeit im Gebäude sorgen.

WERTSCHÄTZUNG GEGENÜBER DEN MITARBEITERN. Alle offenen Gruppenarbeitsplätze des Geschäftsfelds Industrie befinden sich trotz des 48 m tiefen Grundrisses des Rheniumhauses entlang der Fassaden im Einzugsbereich des Tageslichts. Erreicht wird dies mittels der Anordnung der Einzel- und Besprechungszimmer rund um den Kern des Gebäudes.

Durch die Anordnung der Einzelräume ist auch die Erschliessung in die einzelnen Gruppenbereiche geschützt. Neben Gruppenarbeitsplätzen, Einzel- und Besprechungsräumen werden auch in diesen beiden Etagen interne Sonderarbeitsflächen und Erholungsbereiche angeboten, welche die zufällige Begegnung der Mitarbeiter motivieren. Damit wird das weithin bekannte Störpotenzial von den individuellen Arbeitsplätzen fern gehalten und in die informellen Bereiche gelegt.

IM KERN ÖKOLOGISCH. Neben dem Erhalt der Identität des Bestands steht die energetische Sanierung im Mittelpunkt. Der Einsatz modernster Technologie im Bereich der regenerativen Energiegewinnung und -nutzung sowie eine ökologisch sinnvolle Materialwahl machen das Verwaltungsgebäude zu einem „grünen“ Gebäude.

Mit der Generalsanierung des Rheniumhauses konnte der CO₂-Ausstoß damit um 2.500 Tonnen jährlich gesenkt werden. Die Investition in das neue Energiekonzept hat eine Amortisationszeit von sieben Jahren. Damit wird beispielhaft gezeigt, wie ein stadtbildprägendes Gebäude aus den 60er Jahren unter der Maßgabe höchster Energieeffizienz im Einklang mit der historischen Substanz und Identität zu einem attraktiven und aussergewöhnlichen Arbeitsumfeld saniert und umgebaut werden kann.