Revitalisierung IC-Komplex der Universität Bochum

Zukunftsorientierte Forschungsgebäude
für 5.000 Studenten und Wissenschaftler

Technisch bestausgestattet,
funktional einwandfrei,
architektonisch ausgewogen

FLACHBAUTEN UND HOCHHAUSRIEGEL. Die 1965–1970 errichtete Ruhr-Universität Bochum zeichnet sich durch ihre klare Gebäudestruktur aus. Das einheitliche Aussehen und die Funktionalität spiegeln die damaligen architektonischen Ideologien wider. Der Entwurf der Architekten HPP umfasst die 13 Institutsgebäude der Fakultäten Medizin-, Natur-, Geistes- und Ingenieurwissenschaften, die auf einem einheitlichen Raster aufgebaut sind, sowie die fakultätsübergreifenden und administrativen Bereiche im Zentrum des Komplexes.

Am nordöstlichen Rand des Areals befindet sich die I-Reihe, die von den Ingenieurswissenschaften genutzt wird. Der durch HOCHTIEF von Gerber Architekten revitalisierte IC-Komplex ist Teil dieser Gebäudereihe und setzt sich aus den dreigeschossigen Flachbauten ICFW und ICFO sowie dem darauf aufgelagerten Hochhausriegel IC zusammen.

Gerber Architekten
Tönnishof 9–13
D-44149 Dortmund
Tel. +49 (0)231 / 9065-0
Fax +49 (0)231 / 9065-111
kontakt@gerberarchitekten.de
www.gerberarchitekten.de

GENERALUNTERNEHMEN
HOCHTIEF
Opernplatz 2
45128 Essen

Revitalisierung IC-Komplex der Universität Bochum

2 MAGISTRALEN. Das städtebauliche Ziel von Gerber Architekten war es, die als Funktionsschwäche identifizierte, fehlende innere Erschließung durch den Gesamtkomplex zu schaffen und für eine intuitive Orientierung zu sorgen. Für den IC-Komplex wurden zwei neue Erschließungsachsen angelegt: die Nord-Süd-Magistrale innerhalb des IC-Hochhauses und die Ost-West-Magistrale, die den gesamten Ingenieurskomplex IA bis ID miteinander verbindet.

Ein weiterer, neuer Haupteingang befindet sich im Norden und ist über die Nord-Süd-Magistrale mit dem Bestandseingang verbunden. Der Besucher gelangt von dem neuen Nordeingang über eine inszenierte, offene Kaskadentreppe zum vorhandenen Südeingang, der sich zwei Etagen darüber befindet. Gezielte Blickbeziehungen in die Bibliothek – das Herzstück des Gebäudes – und den grünen Innenhof verleihen dieser Achse eine zusätzliche Qualität.

Die Ost-West-Magistrale beginnt am südlichen Bestandseingang des IC-Hochhauses und ermöglicht die innere Erschließung – einerseits Richtung Neubau ID und andererseits bis zum Hochhausriegel IA. Die neuen dreigeschossigen Freitreppen wurden in Form von galerieartigen gläsernen Vorbauten innerhalb der Höfe ergänzt. Somit ist jede Ebene der unterschiedlich hohen Gebäudeteile über diese Magistrale direkt erreichbar.

GALERIEEBENEN UND INNENHÖFE. Die Galerieebenen werden als Kommunikationszonen genutzt. Sie erhalten durch die Lufträume und den direkten Blick in die drei Innenhöfe eine zusätzliche Aufenthaltsqualität.

Die Innenhöfe wurden nach den Originalentwürfen der Gartenarchitekten Georg und Rosemarie Penker rekonstruiert. Die Bestandsmaterialien wurden dafür weitestgehend restauriert und teilweise ersetzt.

NEUES INNENRAUM- UND FASSADENKONZEPT. Der Baukörperkomplex der Ruhr-Universität Bochum erfüllte die in den 1970er Jahren benötigte Funktionalität eines universitären Hochhausbaus, wurde jedoch den heutigen Ansprüchen an Forschung und Lehre nicht mehr gerecht. Die bestehenden Gebäuderessourcen sind dennoch im Sinne der Nachhaltigkeit erhaltenswert, so dass man sich für eine Revitalisierung der gesamten Anlage entschied.

Der Entwurf des I-Komplexes von Gerber Architekten berücksichtigt grundsätzlich die vorgegebene Gebäudetypologie der Bestandsbauten. Die Gesamtkubatur, aber auch die funktionale Gebäudestruktur, blieben erhalten und wurden mit einem neuen Innenraum- und Fassadenkonzept modernisiert. Zudem ist der gesamte Komplex barrierefrei ausgelegt. Zwei Hörsäle mit jeweils 340 Plätzen, 57 Labore und zahlreiche Seminar- und Büroräume bieten rund 5.000 Studierenden und Wissenschaftlern die Möglichkeit, in einer technisch bestausgestatteten und funktional einwandfreien Umgebund zu studieren und zu forschen.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


BRANDSCHUTZPLANUNG
IfBW
Ingenieurbüro für Brandschutz
Wuppertal GmbH

Friedrich-Ebert-Straße 90
D-42103 Wuppertal
Tel. +49 (0)202 / 2647 04-10
Fax +49 (0)202 / 2647 04-40
mail.wuppertal@ifbw-gmbh.de
www.ifbw-gmbh.de

LABORNOTDUSCHEN
Franke Aquarotter GmbH
Water Systems

Parkstraße 1–5
D-14974 Ludwigsfelde
Tel. +49 (0)3378 / 818-0
Fax +49 (0)3378 / 818-100
ws-info.de@franke.com
www.franke.de

LABORPLANUNG
dr. heinekamp
Labor- und Institutsplanung GmbH

Gaußstraße 12
D-85757 Karlsfeld bei München
Tel. +49 (0)8131 / 3841-0
Fax +49 (0)8131 / 3841-41
laborplanung@heinekamp.com
www.heinekamp.com

EIN GEBÄUDE FÜR 2 FAKULTÄTEN. Zwischen den beiden Fakultäten Maschinenbau sowie Bau- und Umweltingenieurwissenschaften gibt es eine deutliche räumliche Trennung innerhalb des Gebäudes. Während sich die Räume der Maschinenbauer im Wesentlichen in den östlichen Flachbauten und den drei unteren Hochhausebenen befinden, erstrecken sich die Räume der Bau- und Umweltingenieurwissenschaften im westlichen Flachbau und in den drei oberen Hochhausebenen.

Die zentralen Bereiche – wie die Bibliothek, CIP-Inseln (Pools vernetzter Arbeitsplatz-Rechner mit Internet-Zugang aus dem Computer-Investitions-Programm), Fachschaften, Dekanate und Verwaltung – liegen im Kernbereich der Flachbauten unterhalb des Hochhauses. Fakultätsübergreifende und stark frequentierte Bereiche sind direkt an der Nord-Süd-Magistrale angeordnet.

EIGENSTÄNDIGER BAUSTEIN. Die beiden Hörsäle und die Seminarräume werden von allen Fakultäten genutzt und sind im südlichen Bereich der Flachbauten situiert. Das Interdisciplinary Centre For Advancet Materials Simulation (ICAMS) ist ebenfalls an dieser präsenten Lage angeordnet und als eigenständiger „Baustein“ in der Gebäudestruktur des IC-Komplexes ablesbar.

Die Grundrisse in den Standardgeschossen des Hochhauses folgen einer klassischen Dreibundstruktur mit außenliegenden Büro- und Seminarräumen und einer Versorgungs- und Erschließungsstruktur mit geschlossenen Besprechungsbereichen in der Mittelzone. Sämtliche ständigen Arbeitsplätze können somit natürlich belichtet und belüftet werden.

HOHE AUFENTHALTSQUALITÄT. Die studentischen Arbeitsplätze sind ebenfalls in den Regelgeschossen angeordnet und bieten einen Ausblick in den Innenhof und in die grüne Umgebund des Standorts. Für diese Zonen sahen Gerber Architekten spezielle studentische Arbeitsplätze mit großer Aufenthaltsqualität sowie hohem Kommunikationspotential zwischen den Lehrveranstaltungen vor.

Die Ebenen entlang der Magistraltreppe sind nach dem Prinzip des Marktplatzes konzipiert. So entstanden Treff-, Aufenthalts- und Kommunikationspunkte für das tägliche Miteinander im IC-Komplex.

FLÄCHENEFFIZIENT UND FLEXIBEL. Moderne, zukunftsfähige Labore sollten flächeneffizient nutzbar und flexibel anpassbar sein, um auf die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Fachbereiche eingehen zu können. Besonders bei den technischen Fakultäten Maschinenbau sowie Bau- und Umweltwissenschaften werden – aufgrund der heterogenen Forschungsausrichtung – Einzellabore für Großgeräte benötigt, in denen die Raumkondition und die Medienanbindung individuell geregelt werden kann.

Die vorgegebene Raumstruktur der Flachbauten des IC-Komplexes bot die ideale Voraussetzung, um diese nutzungsoptimierten Labore zu realisieren. Die Laborgrößen innerhalb des vorgegebenen Rasters konnten größtenteils beibehalten werden und bieten nun eine individuelle Nutzungsstruktur, ohne die Flexibilität für eine künftige Umnutzung zu verlieren.

LEICHTE TRENNWÄNDE. Das IC-Gebäude ist – wie die gesamte Anlage der Ruhr-Universität Bochum – durch eine industrielle Bauweise der 1960er Jahre geprägt. Die bestehende Rohbaustruktur basiert auf einem Stützenraster von 7,50 Metern auf 7,50 Meter. Aufgrund der großen Gebäudetiefe von 22,50 Metern wurden die Räume im Dreibund organisiert.

Diese Geometrie und die kleinteilige Fassadenstruktur ermöglichen eine hohe Flexibilität im Grundriss. Somit ist das Institutsgebäude durch den Einsatz leichter Trennwände auch in Zukunft an die sich verändernden Forschungsanforderungen problemlos anpassbar.

7-PUNKTE-PLAN. Die vorhandene Typologie des IC-Gebäudes wurde unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte beibehalten, um die Silhouette und die architektonische Charakteristik der Gesamtanlage zu erhalten. Dafür wurde der eigens für die Ruhr-Universität Bochum aufgesetze Sieben-Punkte-Plan berücksichtigt, da das Gebäude offiziell noch nicht unter Denkmalschutz steht.

Das Gebäude wurde bis in den Rohbauzustand rückgebaut. Alle Materialschäden und Schadstoffe – unter anderem Asbest und PCB – wurden beseitigt und im Zuge der schlüsselfertigen Sanierung energetisch und ökologisch ertüchtigt.

Das gesamte Gebäude wurde zudem im Sinne der Nachhaltigkeit umgeplant. „Wir bauen Dinge, die auch in fünfzig Jahren noch der gleichen Bestimmung gerecht werden können. Je weniger dafür in der Zukunft verändert werden muss, desto preiswerter und nachhaltiger sind die Gebäude. Und zudem ist es für uns als Architekten schöner, da das Projekt so erhalten beiben kann, wie es von uns geplant wurde“, bekräftigt Prof. Eckhard Gerber seine Entwurfsintention.

FOTOS
Hans-Jürgen Landes, Dortmund

BEIBEHALTUNG DER BALKONE. Das Erscheinungsbild der alten Fassade des IC-Hochhauses war geprägt durch Fensterbänder und die umlaufenden Fluchtbalkone. Aus brandschutztechnischen Gründen werden die Balkone nach der Sanierung nicht mehr benötigt. Dennoch entschlossen sich Gerber Architekten in Anlehnung an den Sieben-Punkte-Plan der Denkmalpflege dazu, mit der Sanierung neue Balkone zu errichten: Einerseits unterstützen die Balkone den Sonnenschutz in den Büros, andererseits erleichtern Sie die Reinigung der Fassade.

Die neuen Fassadenelemente und Balkone fügen sich in das Gesamterscheinungsbild ein und verleihen dem Gebäude eine neue Identität. Sie bestehen aus einer leichten Stahlkonstruktion, deren Brüstungen teilweise mit einer geschlossenen Aluminiumblechverkleidung ausgebildet und teilweise aufgelöst werden. Sowohl die Balkone als auch die horizontale Bandstruktur und die vertikalen Stützenverkleidungen, die das Tragwerkraster von 7,50 Metern aufnehmen, berücksichtigen den städtebaulichen Zusammenhang des Areals sowie den Denkmalschutz.

GESTALTERISCH AUFGELOCKERT. Als gestalterische Auflockerung der ansonsten sehr stringenten Fassadengestaltung wurde – an den Längsseiten des Gebäudes zueinander versetzt – ein dreigeschossiger Bereich geschaffen. Er bietet einerseits einen größtmöglichen Ausblick in die grüne Umgebung der Ruhr-Universität Bochum und macht andererseits durch den gestalterischen Bruch die interne Institutstrennung nach außen sichtbar. In diesen räumlich sehr hochwertigen Kommunikationszonen befinden sich die Arbeitsplätze für Studenten.

Die Glastreppenhäuser entlang der Ost-West-Magistrale wurden additiv in das Gebäude integriert. Dadurch konnte die erforderliche Breite der Erschließungswege garantiert werden, ohne dass in die Bestandsstatik des Gebäudes eingegriffen werden musste.

Um den Sonnen- und Wärmeeintrag in den neuen Gang- und Treppenbereichen zu minimieren, wurden die Dachflächen entlang der Höfe mit massiven Bauteilen geschlossen. Die neuen Fassaden werden den modernsten energetischen und ökologischen Ansprüchen gerecht und erhalten zudem eine gestalterisch ansprechende Optik.