Renovierung Zentrum der Paul-Gerhardt-Gemeinde Frankfurt-Niederrad

Renovierung Zentrum der Paul-Gerhardt-Gemeinde Frankfurt-Niederrad:

Der weiße Riese strahlt wieder.

Der imposante Bau wurde behutsam renoviert und heutigen Bedürfnissen angepasst.

EINFACH, AUFRECHT, STARK. Seht, wie der weiße Riese wieder strahlt. Diesen liebevollen Spitznamen trägt das 1930 eingeweihte Zentrum der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad. Doch der imposante, schnörkelose und weiß verputze Bau an der Gerauer Straße war in die Jahre gekommen. Jetzt wurde er von hgp Architekten Frankfurt ebenso behutsam renoviert wie den heutigen Bedürfnissen angepasst. Innen wie außen. Mit Fingerspitzengefühl und modernen Materialien. Und ganz im Sinne von Gustav Schaupp, von dem der ursprüngliche Entwurf stammt.

Er war Architekt des Neuen Frankfurt, Mitglied im Planungsteam des legendären Stadtbaurats Ernst May und schrieb zur Grundsteinlegung, sein für das aufstrebende Niederrad konzipierter Bau solle „Einfachheit im Inneren und Äußeren“ ausstrahlen, „aufrecht, stark und fest“ sein. Dies ist das Gemeindezentrum nun in jeder Hinsicht.

hgp. Architekten
Zeppelinallee 77 a
D-60487 Frankfurt am Main
Tel. +49 (0)69 / 9624 451-0
Fax +49 (0)69 / 9624 451-29
info@hgp-architekten.de
www.hgp-architekten.de

LICHTDURCHFLUTETES MITTELSCHIFF. Herz bleibt das dank der freigelegten Fenster wieder lichtdurchflutete riesige Mittelschiff. Einst für eine große Gemeinde ausgelegt, war es gleichzeitig Sakralraum wie weltlicher Versammlungsort. Je nach Sitzrichtung. So befindet sich gen Westen der Altar. Wer seinen Stuhl um 180 Grad drehte, blickte auf eine kleine Bühne für Theater- und Musikaufführungen. Die Fläche dahinter wird heute als Medienwand für Film und Bild-Vorführungen genutzt.

Der im ersten Oberschoss gelegene Kirchensaal mit seinen langgestreckten Emporen ist durch Treppenhäuser auf beiden Seiten erreichbar. Sie präsentieren sich im klassischen Bauhausstil. Ihr Farbkonzept wurde im Zuge der Bausanierung und einer restauratorischen Voruntersuchung gesichert und wiederhergestellt. Das gilt auch für das Foyer, die Fenster und Türen. An ihnen wurden zudem die historischen und so typischen Beschläge, Griffe und Drücker erhalten. Die Emporen mit jeweils drei Klappstuhlreihen verbindet jetzt eine unauffällige, fast leichte Brücke an der Westwand. Ihr nachträglicher Einbau ist dem aktuellen Brandschutz geschuldet. Den barrierefreien Zugang garantiert ein im Rahmen der Sanierung und Ertüchtigung eingebauter Personenaufzug. Anspruchsvoll auch die Betonsanierung der Rippendecke im Gemeindesaal und die Sanierung des pilzbefallenen Dachstuhls.

MULTIFUNKTIONALER UNTERBAU. Doch was ist eine Kirche ohne ihren Unterbau, das Fundament – nicht nur im baustatischen Sinne? So beherbergt das Erdgeschoss auf Straßenniveau jetzt das großzügige Gemeindebüro, drei Gruppenräume, Technik, Toiletten, Küche, Archiv und noch einen kleinen Saal. Der bis dato dort untergebrachte Hort zog in das benachbarte Gemeindehaus um. Es stammt übrigens auch von hgp Frankfurt, wurde bereits 1964 errichtet und vor rund sechs Jahren von der nächsten Generation hgp Architekten umfassend saniert sowie mit einem neuen Raumkonzept bedacht.

FOTOS
© Thomas Ott hgp Architekten

Das wurde auch für das Geschoss unter der Kirche erdacht. Modern und mulitfunktional, klar in den Linien und transparent nach außen präsentiert es sich dem Besucher. Das vierzig Quadratmeter große Büro ist die Schaltzentrale der Gemeindearbeit. Vom mehr als doppelt so großen Saal wird es durch eine überaus praktische Trennwand aus 65 verschließbaren Staufächern abgeteilt.

Die Fensterelemente reichen bis auf den Boden. Mit einem ausgeklügelten System von sich um die Vertikale drehenden Sichtblenden kann der Saal bei Bedarf abgedunkelt und abgeschottet werden. Dies gilt auch für einen kleinen, sich zum Stadtteil hin öffnenden Ausstellungsraum, der unterhalb der monumentalen Treppenaufgänge und des himmelwärts strebenden Säulenportals liegt. Manchmal braucht auch ein weißer Riese etwas Ruhe.