Neubau Pöstenhof Lemgo

Neubau Pöstenhof Lemgo

Wohngruppenprojekt mit prozesshafter Entwicklung

Die durchmischte Mieterstruktur stellt eine besondere Form des Miteinanderlebens dar

GEBEN UND NEHMEN. Der Pöstenhof Lemgo besteht aus zwei sich gegenüberliegenden dreigeschossigen Riegeln mit Lauben- gangerschließung. Durch Vor- und Rücksprünge sowie die verschiedenen Breiten übereinanderliegender Wohnungen wird der Baukörper in seiner Länge aufgeteilt und orientiert sich an der kleingliedrigen Stadtstruktur der historisch gewachsenen Hansestadt Lemgo.

Das übergeordnete Symbol dieses Wohngruppenprojektes ist das Geben und Nehmen, welches sich subtil in der Fassaden- und Baukörpergestalt wiederfindet. Wie Glieder einer Kette halten die Bewohner aneinander fest und zusammen.

SOZIALES NETZWERK. Anders als bei anderen Wohngruppenprojekten hatte der Bauherr sowohl das Grundstück als auch das Ziel, ein solches Projekt zu organisieren. Damit gibt es eine Reaktion mit Wohnverdichtung in den Städten der ländlichen Regionen.

Es werden neue soziale Strukturen geschaffen. Die Entsiedelung der umliegenden Dörfer wandelt sich um in eine neue Form sozialer Netzwerke in der Stadt.

NAHE DER INNENSTADT. Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt von Lemgo. Das Zentrum ist fußläufig in zehn Minuten erreichbar.

Das Projekt ist eingebettet in ein Wohnquartier der Wohnbau Lemgo eG. Es setzt sich zusammen aus Wohnungen unterschiedlicher Größe sowie einem Familien- bzw. Nachbarschaftszentrum.

h.s.d.architekten
Slavertorwall 15
D-32657 Lemgo
Tel. +49 (0)5261 / 7777-0
Fax +49 (0)5261 / 7777-29
info@hsd-architekten.de
www.hsd-architekten.de

PRIVAT UND GEMEINSCHAFTLICH. Der private Außenbereich wird gebildet durch Vorzonen mit Terrassen und großzügigen Loggien. Daneben liegt der gemeinschaftliche Außenbereich.

Der gemeinschaftliche Außenbereich gliedert sich in drei Teile: einen öffentlichen Stadtplatz, eine gemeinschaftliche private Innenhoffläche und die Wohnungsvorzonen, die Laubengänge. Der öffentliche Platz wird genutzt für Veranstaltungen, Feste und Flohmärkte.

UNTERSCHIEDLICHE MIETWOHNUNGEN. Es gibt ausschließlich Mietwohnungen. Sie sind von unterschiedlicher Größe, von Ein-Zimmer-Wohnungen bis zu Fünf-Zimmer-Maisonettes.

Darunter befinden sich auch öffentlich geförderte Wohnungen. Insgesamt umfasst das Wohngruppenprojekt 33 Wohnungen, einschließlich einer Gästewohnung.

UNTERSCHIEDLICHE BEWOHNER. Die Mieterstruktur ist durchmischt. Die Altersstruktur reicht von Kleinkindern bis zu Senioren.

Die Gruppenstruktur umfasst Familien, Pärchen und Singles. In der sozialen Einkommensstruktur schließlich sind Unternehmer und Handwerker ebenso vertreten wie Rentner.

NACHBARSCHAFTSFÖRDERNDE ZONEN. Kommunikationszonen mit Sitzflächen gibt es im Außenbereich in verschiedenen Zonen sowie im Laubengang. Der Laubengang wird als interner, aber öffentlicher Bürgersteig verstanden.

Durch die Vor- und Rücksprünge der Wohnungen entwickelt sich ein Spiel zwischen Verengung und Ausweitung. Ein Gemeinschaftsraum am öffentlichen Platz ist nachbarschaftsfördernd und fungiert als Schnittstelle zur Öffentlichkeit.

KLEINE DORFGEMEINSCHAFT. Die Mischung der Altersstrukturen und die Mischung unterschiedlicher Statuten, Eigenschaften und Fertigkeiten der einzelnen Bewohner ist kennzeichnend für das Projekt. Sie stellt die besondere Form des Zusammen- und Miteinanderlebens dar.

Es entsteht eine kleine Dorfgemeinschaft innerhalb einer gewachsenen Siedlungsstruktur. Eine Tagespflegeeinrichtung im Gebäude ist Teil des sozialen Gefüges.

ORTSANSÄSSIGE HANDWERKSBETRIEBE. Es gibt eine Stellplatzanlage mit teilweise überdachten Stellplätzen. Aus Schallemissionsgründen befindet sie sich im rückwärtigen, abgewandten Bereich der Wohnanlage.

Die Beauftragung erfolgte über Einzelausschreibungen mit dem Ziel, die Bauaufgaben ortansässigen Handwerksbetrieben zu übertragen. Die Planung wurde direkt vergeben.

FOTOS
Christian Eblenkamp, Rietberg
www.christian-eblenkamp.de

EFFEKTIVER LÄRMSCHUTZ. Auf Emissionsschutz hinsichtlich des nächtlichen Schalls, beispielsweise durch zuschlagende Autotüren auf den Stellplätzen, legte die Stadt besonderes Augenmerk. Reagiert wurde darauf mit akustischen Bekleidungen und einer großflächigen Carportanlage.

Bisher besitzt einer der Bewohner ein Elektroauto und betankt es mit Strom innerhalb der Carportanlage. Auf Grund der unmittelbaren Nähe zur Innenstadt und der Anbindung an das Stadtbussystem schwindet der Bedarf an eigener Mobilität, während das Interesse an einem Carsharing-Modell steigt.

MASSIV GEBAUT. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Massivbau. Er verfügt über Stahlbetondecken und Mauerwerk aus Ziegelsteinen.

Stahlstützen sind als tragende Konstruktionsteile eingesetzt. Für die Fenster wurden Kunststoffprofile verwendet.

GEMEINSAME PLANUNG. Die prozesshafte Entwicklung ist ein besonderes Merkmal dieses Projektes. Dazu gehört das Finden der Bewohner, das Zusammenwachsen und das intensive Kennenlernen vor dem Einzug.

Eine weitere Entwicklungsstufe während der Planungsphase war das Einbinden der Bewohner in den Planungsprozess. Die Mitgestaltung der Wohnungsgrundrisse und Mitbestimmung in der Auswahl der Böden und der sanitären Objekte war Teil der wachsenden Identifikation.