Neubau Tricolore Freiburg im Breisgau

Ein ökonomisch, ökologisch und sozial
nachhaltiges Gebäude

Die Kooperation zwischen einer privaten Baugruppe
und der städtischen Wohnungsgesellschaft
fördert die soziale Durchmischung

FOTO: W. Kuhs

EIGENTUMS- UND MIETWOHNUNGEN. Im Stadtteil Vauban wurde das größte neu errichtete Passiv-Wohngebäude in Freiburg im Breisgau fertiggestellt. Erstmals hatte unter Federführung von kuhs architekten eine private Baugruppe mit der Freiburger Stadtbau (FSB) kooperiert.

Die Verbindung von Wohneigentum und sozialem Mietwohnungs-Neubau fördert die gute soziale Durchmischung im Stadtteil. Das Gebäude Tricolore in der Lise-Meitner-Straße 19-21 verfügt über 38 öffentlich geförderte Zwei-, Vier- und Fünf-Zimmer-Mietwohnungen sowie 16 Eigentumswohnungen der privaten Baugruppe.

kuhs architekten
Rosastraße 21
D-79098 Freiburg
Tel. +49 (0)761 / 287-800
Fax +49 (0)761 / 287-900
kuhs@kuhs-architekten.de
www.kuhs-architekten.de

Neubau Tricolore Freiburg
FOTO: W. Kuhs
FOTO: W. Kuhs

3 TRAKTE – 3 FARBEN. Um den Leitgedanken konkret umzusetzen, legten kuhs architekten ein schlüssiges Fassadenkonzept vor: Das Gebäude Tricolore präsentiert sich zur Straße hin selbstbewusst und klar in drei Abschnitte strukturiert.

Der östliche, blaue Abschnitt entspricht der Baugruppe, in der Mitte und im Westen befinden sich die beiden Flügel des geförderten Mietwohnungsbaus. Ein zentrales Treppenhaus, das elegant den abgewinkelten Straßenverlauf ausgleicht, verbindet wie ein Gelenk den mittleren mit dem westlichen Abschnitt.

Die drei Gebäudeteile sind auf der Vorderseite farbig voneinander abgesetzt, wodurch sich jeder Bewohner mit „seinem“ Trakt gut identifizieren kann. Dennoch lassen die durchgehende horizontale Gliederung in den natursteinverkleideten Sockelbereich, drei weiß gehaltene Obergeschosse und der zurückgesetzte Attikabereich das Haus als Einheit wahrnehmen.

HOCHWERTIG UND BEZAHLBAR. Die Grundidee des Architekten lag darin, Menschen mit geringem bis mittlerem Einkommen qualitativ hochwertigen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum in einem Stadtteil anzubieten, der über ein relativ hohes Mietpreisniveau verfügt. Durch das Landeswohnraumförderungsprogramm werden die Mietwohnungen in der Lise-Meitner-Straße an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermietet. Der Mietpreis liegt drei Euro pro Quadratmeter unter der ortsüblichen Durchschnittskaltmiete. Die Käufer der Eigentumswohnungen hatten die Möglichkeit, bei der Landeskreditanstalt zinsgünstige Kredite für den Erwerb von Wohneigentum zu erhalten.

„Das Projekt Lise-Meitner-Straße ist ein gutes Beispiel für soziale Integration in Stadtteilen mit wenig geförderten Mietwohnungen. Die Kooperation mit der privaten Baugruppe hat dank der guten Koordination von kuhs architekten sehr gut funktioniert, und die FSB würde sich freuen, wieder Projekte mit privaten Baugruppen zu realisieren“, sagt FSB-Geschäftsführer Ralf Klausmann.

FOTO: W. Kuhs
FOTO: W. Kuhs

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:

BRANDSCHUTZDECKEN
Bährle Gipsergeschäft GmbH

UNKOMPLIZIERTES NEBENEINANDER. Auf der nach Süden orientierten Rückseite prägen fein strukturierte gläserne Balkonbrüstungen und dahinter changierende Farben das Bild, so dass es auch dort nicht ablesbar sein wird, an welcher Stelle Wohnungsbesitzer und an welcher Stelle Mieter ihr Zuhause gefunden haben. Dort gehen die Farbfelder von einem Abschnitt in den nächsten langsam ineinander über und symbolisieren somit die Durchmischung der unterschiedlichen Lebenssituationen.

FOTO: W. Kuhs
Foto: N. C. Bosse

Fast alle Wohnungen sind barrierefrei erreichbar. Einzelne Einheiten wurden behindertengerecht konzipiert. Die Mischung von kleinen und großen Wohneinheiten und ein optimierter Schallschutz garantieren  ein unkompliziertes Nebeneinander aller Generationen und Familiensituationen.

ENERGIESPAREND UND WARTUNGSARM. Das Gebäude wurde in Passivhausbauweise errichtet. Es ist das derzeit größte neu errichtete Passivhaus in Freiburg.

Das Thema Nachhaltigkeit wurde einerseits durch das Energiekonzept und andererseits durch Produkte mit langfristig geringer Wartung umgesetzt. Als Passivhauskomponenten sind unter anderem Dreifachisolierglas, optimierte Grundrisse, gute Wärmedämmung und eine Lüftungsanlage mit hoher Wärmerückgewinnung eingebaut worden. Das Dach der Tricolore ziert eine großflächige Photovoltaikanlage, und auf dem Dach der Baugruppe Blau unterstützt eine Solarthermie-Anlage für Warmwasserbereitung die Haustechnik.

FOTO: W. Kuhs
FOTO: W. Kuhs

OPTIMALER SCHALLSCHUTZ. Die Lärmemission der nördlich direkt angrenzenden Güterbahnlinie wird durch den durchgehenden Gebäuderiegel, Schallschutzfenster und die Ausrichtung der Grundrisse aufgefangen: Die Erschließung der einzelnen Wohnungen erfolgt, die Bahnlinie im Norden berücksichtigend, über Laubengänge im Norden, so dass die Grundrisse sich mit großen Fensterflächen und großzügigen Balkonen nach Süden zur Sonne und dem Gemeinschaftsgarten hin öffnen. Fast alle Schlaf- und Kinderzimmer sind auf der von der Bahnlinie abgewandten Seite angeordnet.

Die freundliche und lebendige Fassadengestaltung führt zu einer hohen Identifikation der Bewohner mit dem Gebäude und ist auch für die Nachbarn ein angenehmer Anblick. Obwohl die gesamte Nordfassade des fünfgeschossigen Gebäudes 130 Meter misst, behält es durch die geschickte Gliederung, die differenzierte Gestaltung und den Schwung der Fassade einen menschlichen Maßstab. Der auf dem Grundstück vorhandene Baumbestand und in die Fassade integrierte Nistkästen für Mauersegler laden weitere Lebensformen ein.

So ist es gelungen, auf einem ungünstig geschnittenen und lärmbelasteten Grundstück ein ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltiges Gebäude zu errichten. Das Haus garantiert hohe Wohnqualität für die Bewohner und stellt darüber hinaus ein gestalterisches Highlight im Freiburger Stadtteil Vauban dar.