Parkerweiterung und Think K Killesberg Stuttgart
FOTO: Raffaella Sirtoli

Parkerweiterung und Think K Killesberg Stuttgart

Neue Raumwahrnehmung als Erfahrung von „Mensch in Landschaft“

Hügelig modellierte Rasenkissen wölben sich zwischen einem engmaschigen Wegenetz – und westlich davon erheben sich die Wohncluster, aufgelockert durch kleine Quartiersplätze

PARKERWEITERUNG KILLESBERG. Unweit der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste und der Weißenhof-Siedlung gelegen sowie dem Gelände der Gartenschau von 1939 unmittelbar benachbart, sollte die ehemalige Messe zu einem neuen Stadtteil mit Schwerpunkt Kreativwirtschaft und Wohnen entwickelt werden – mit einem Stadtteilzentrum, Erweiterungsflächen für die Hochschule, zweihundert Wohnungen, Büros und Atelierwohnungen. Als „Grüne Fuge“ bildet eine große Parkerweiterung des Höhenparks Killesberg das grüne Herz des neuen Quartiers und ergänzt das von mehreren Gartenschauen geprägte Gelände mit einer zeitgemäßen Sprache von Landschaftsgestaltung.

Entwurf und Umsetzung vor Ort für die Parkerweiterung Killesberg wurden durch die Arbeitsgemeinschaft Zukunft Killesberg, Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Pfrommer + Roeder Landschaftsarchitekten, Stuttgart realisiert. Der Entwurf entstand aus der Verwebung zweier Themen, die den Killesberg prägen: weiche, naturnahe Landschaft sowie menschengeprägte Steinbrüche als harte Topografien.

Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH
Von-der-Tann-Straße 7
D-80539 München
Tel. +49 (0)89 / 2025 35-0
Fax +49 (0)89 / 2025 35-80
info@rainerschmidt.com
www.rainerschmidt.com

LP 6–8

Pfrommer + Roeder
Freie Landschaftsarchitekten

Humboldtstraße 6
D-70178 Stuttgart
Tel. +49 (0)711 / 9600 3-0
Fax +49 (0)711 / 9600 3-33
kontakt@pfrommer-roeder.de
www.pfrommer-roeder.de


(Arbeitsgemeinschaft Zukunft Killesberg)

ANHEBUNG DER TOPOGRAFIE. Räumlich wird dieses Thema gestaltet in Form einer Überlagerung der ehemaligen Steinbruchareale und Messeflächen durch eine umfassende Erdanschüttung, die Unebenheiten ausgleicht, und mit einer neuen Topografie von Rasenkissen zwischen Wegesystemen. Die Anlage der Wege greift einerseits die Unregelmäßigkeiten der Steinbrüche auf, sie schmiegt sie andererseits in sanftem Schwung in den Höhenanstieg der Hügel zu beiden Seiten einer querenden Straße und verbindet diese Seiten durch die Homogenität des neuen Landschaftsbildes.

Es entstand eine Landschaft, die eine neue Geschichte erzählt. Die Gestaltung lebt von der Verfremdung der Wahrnehmung menschlicher Körpermaße durch die Anhebung der Topografie und dazwischengelegte Wege, die eine neue Raumwahrnehmung als Erfahrung von „Mensch in Landschaft“ hervorrufen. Hügelig modellierte Rasenkissen, durchzogen von einem engmaschigen Wegenetz, laden zu dieser Erfahrung ein.

HÖHENPARK VON 1939. Die Erweiterung des Höhenparks Killesberg wurde möglich durch den Abriss des Messegeländes, das diesen bislang nach Süden begrenzte. Der Höhenpark war 1939 als Reichsgartenschaugelände auf dem Areal eines aufgelassenen Steinbruchs angelegt worden.

Von Hermann Mattern konzipiert, gilt der Park bis heute als einziges gut erhaltenes Beispiel für die Gartenbaukunst der 1930er Jahre. Das fünfzig Hektar große Gelände ist abwechslungsreich mit Blumenrabatten, Kinderspielplätzen, einer Tierwiese, einem Freibad, Ruhebereichen und Cafés gestaltet und ist beliebt als familienfreundlicher Naherholungsort.

FOTO: Raffaella Sirtoli

ABGERUNDETE LANDSCHAFT. An diesen Park grenzt der erste Bauabschnitt der Parkerweiterung, die „Grüne Fuge“. Der Entwurf ging von dem Bild aus, dass gebrochenes Material des früheren Steinbruchs zu einer abgerundeten Landschaft aus Erde und Grün geformt wird. Diese ist mit Rasen überzogen. Es entstand eine Topografie aus Wiesenkissen, die sich auf Feuerbacher Heide, Grüne Fuge und Park vor der Roten Wand ausdehnt und diese Teilräume harmonisch zusammenfügt.

NACHHALTIG UND ÖKOLOGISCH. Alle Teilräume verbindet das Thema der nachhaltigen und ökologischen Entwicklung als Leitthema. Die anfallenden Dachwasser werden an den neu angelegten See abgeführt und in den Wasserkreislauf wieder eingespeist.

Die Wiesenkissen der Parks bilden – mit ihren unterschiedlichen kleinklimatischen Bedingungen – Lebensräume für unterschiedliche Flora und Fauna. Eine nur zweimal im Jahr notwendige Mahd senkt die Unterhaltskosten.

Die Wiesen laufen in die Teilräume hinein. Sie schaffen für Anwohner und Besucher ein direkt erlebbares Stück Natur.

GRÜNE FUGE. Die Grüne Fuge bildet ein starkes, verbindendes Element, das sich von den angrenzenden, verdichteten Baugebieten abhebt und eine Leitbildfunktion für die Vernetzung der Grünräume übernimmt. Dieses Projekt entstand in einem partizipatorischen Prozess mit dem zuständigen Amt und den Bürgern und Anwohnern.

Es war der Anspruch des Büros Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten + Stadtplaner, eine Lösung zu finden, die deutlich über die „normale Amtslösung“ hinausgeht. Dafür entstand eine Vielzahl von Varianten und Überarbeitungen, um in den Beteiligungsveranstaltungen eine nachvollziehbare Herleitung der Entwurfsidee und überzeugende Grundlagen für nachfolgende Entscheidungen zu bieten.

Die Untersuchung unterschiedlicher Gestaltungsansätze, die eine klare Trennung und Differenzierung der Bereiche Killesberg, Grüne Fuge, Park vor der Roten Wand und Feuerbacher Heide verfolgten, zeigten, dass eine weiche Verwebung der unterschiedlichen Grünräume zu einem homogenen Gesamtbild sinnvoll ist. Die bewegte Topografie sowie versenkt angelegte Wege lassen beim Durchwandern des Parks eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven entstehen.

FOTO: Raffaella Sirtoli
FOTO: Stefan Müller, Fürst Developments GmbH

THINK K KILLESBERG. Westlich der Parkanlage „Grüne Fuge“ ist das neue Stadtquartier Think K entstanden, ein neues hochwertiges Wohngebiet mit Dienstleistungsbereichen. Innerhalb einer ruhigen, homogenen städtebaulichen Grundstruktur erzeugt die vielfältige und individuelle Gestaltung der einzelnen Wohnquartiere eine hohe Nutzungsqualität.

Die Bebauungen gruppieren sich um einen grünen Gartenhof. Stichwege verbinden von dort aus das Quartier zum westlich angrenzenden Killesbergpark und der „Grünen Fuge“. Die freistehenden Gebäude öffnen den Raum zum Park und lassen das Grün bis in die Mitte des Stadtquartiers eindringen.

ARCHITEKTUR WOHNHÄUSER

Ortner & Ortner Baukunst
Leibnizstraße 60
D-10629 Berlin
Tel. +49 (0)30 / 2848 86-0
Fax +49 (0)30 / 2848 86-60
mail@ortner-ortner.com
www.ortner-ortner.com

KCAP Architects&Planners
Wasserwerkstrasse 129
CH-8037 Zürich
Tel. +41 (0)44 / 3501 65-1
Fax +41 (0)44 / 3501 65-2
zuerich@kcap.eu
www.kcap.eu

Baumschlager Eberle Lochau
ZT GmbH

Lindauer Straße 31
A-6911 Lochau
Tel. +43 (0)5574 / 4307 9-0
Fax +43 (0)5574 / 4307 9-30
office@be-lochau.com
www.baumschlager-eberle.com

David Chipperfield Architects
Gesellschaft v. Architekten mbH

Joachimstraße 11
D-10119 Berlin
Tel. +49 (0)30 / 2801 70-0
Fax +49 (0)30 / 2801 70-15
info@davidchipperfield.de
www.davidchipperfield.co.uk

FOTO: Stefan Müller, Fürst Developments GmbH

RASENPARTERRE MIT OBSTBAUMHAIN. Als durchgängiges Thema des Quartiers überbrücken niedrige Einfassungen die unterschiedlichen Niveaus und tragen zum ganzheitlichen Erscheinungsbild der Anlage bei. Der Gartenhof wird geprägt durch ein Rasenparterre aus drei Feldern, die mit einem Dach aus geschnittenen alten Obstsorten überstellt sind.

Im Frühling wird der Obstbaumhain zur großen Blütenwolke, im Herbst kann gemeinschaftlich geerntet werden. Im heißen Sommer kann man besonders dort den kühlen Schatten genießen und verweilen. Auf dem Rasenparterre befinden sich unterschiedliche Spielgeräte, und im Süden bildet eine Kiesfläche zur Nutzung für Außenbewirtschaftung den Übergang zum Stadtteilzentrum.

PRÄGENDE CHARAKTERE. Jeder Wohncluster erhält über individuelle Heckeneinfassungen und Beläge seinen eigenen prägenden Charakter. Kleine Quartiersplätze dienen als Mitte und gemeinschaftlicher Kommunikationsraum der Cluster. Großzügige Gartenbereiche mit Terrassen stärken die wohnliche Atmosphäre und sorgen für eine hohe Aufenthalts- und Lebensqualität.

FOTO: Stefan Müller, Fürst Developments GmbH