FOTO: WAZ Foto Pool Walter Buchholz

Bauprojekt Park im Universitätsviertel Essen:

Indifferenz zwischen Natur und Technik
inspirierte zur „Parkmaschine“.

Vielfältige Pflanzenverwendung als Kontrast zur technischen Formgebung und Materialwahl.

PRÄGEND FÜR DIE NEUE IDENTITÄT DES QUARTIERS. Das „Universitätsviertel Essen“ wird auf einer seit rund dreißig Jahren brachliegenden Fläche eines ehemaligen Güterbahnhofs in der Essener Innenstadt entwickelt. Durch die Revitalisierung dieses rund 13 Hektar großen Geländes entsteht zurzeit das „Universitätsviertel – grüne Mitte Essen“, ein urbanes Quartier zum Wohnen, Leben und Arbeiten, das unter dem Slogan „Leben. Mitten in der Stadt.“ vermarktet wird.

Die zentrale Parkanlage im Zentrum dieses neuen Quartiers zwischen Innenstadt, Einkaufszentrum Limbecker Platz und Universitätscampus ist der erste sichtbare Baustein dieser Entwicklung und prägt daher entscheidend die neue Identität des Quartiers. Durch eine eigenständige Freiraumgestaltung, die aus der Typologie und Historie des Standorts entwickelte wurde, wird ein markantes Signet dieser neue Identität geschaffen.

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REAKTION AUF DIE VORHERRSCHENDE LEBENSSITUATION. Innovative Konzepte zur Gestaltung von Parkanlagen haben immer auf die vorherrschende Lebenssituation reagiert. In der Geschichte waren diese Parkanlagen meistens idealisierte Gegenwelten zu den realen Lebensumständen.

So erlebten zum Beispiel die Menschen im 18. Jahrhundert eine dramatische Zerstörung der Landschaft durch die beginnende Industrialisierung und entwickelten Parkanlagen im Stil einer arkadischen Welt. Im 21. Jahrhundert erleben wir durch die Gentechnik die Grenzauflösung zwischen Natur und Technik, und gleichzeitig werden in der Bionik biologische Konstruktionsprinzipien in den Ingenieurstechniken nachgeahmt. Diese Indifferenz zwischen Natur und Technik bildete die Inspiration zur landschaftsarchitektonischen Gestaltung des Universitätsviertels.

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Ausgehend von der Geschichte des Quartiers als Wohnstandort der kruppschen Gießereiarbeiter wurden die technischen Rahmenbedingungen der Gusstechnik (Eckradien, Ausbildung von Schrägen und Kreuzungen ohne rechte Winkel, nicht additive Formengebung usw.) zur Entwicklung einer eigenständigen Formensprache genutzt. Diese Formensprache wie auch die Metapher einer integrativen „Parkmaschine“ findet sich in allen Elementen des Parks vom Grundriss bis zu den Details der Möblierung wieder und schafft so die gewünschte Einzigartigkeit der gesamten Anlage.

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RAUMBILDUNG DURCH ZENTRALE PROMENADE. Die städtebauliche Figur gab eine sehr lange, schmale und radiale Grundfläche innerhalb der unmittelbar angrenzenden Wohn- und Dienstleistungsbaufelder zur Realisierung des Parks vor. Wegen dieser besonderen Grundform, der gewünschten Wasserflächen und der vielfältigen Freizeitnutzungen sowie der zu erwartenden hohen Besucherfrequenz der innerstädtischen Anlage liegt in der Platzierung von Angeboten und Wegebeziehungen eine der zentralen Entwurfsaussagen.

Zur Reduzierung der potentiellen Konflikte zwischen Anwohnern und Parknutzern werden entlang der Ränder untergeordnete Wege angeboten, so dass der halböffentliche Charakter dort überwiegt. Die Hauptwegeverbindung sowie die Aufenthalts-, Spiel- und Sportangebote wurden entlang einer Promenade in die offene Mitte der Parkanlage gelegt. Dies hat, neben der verringerten Lärmbelästigung der Anwohner, den grundlegenden Vorteil der Möglichkeit einer zentralen, gut einsehbaren öffentlichen Promenade zwischen dem nördlichen Wasser- und dem südlichen Wiesenpark.


EIN BAND VON WASSERBECKEN. Zur Steigerung der räumlichen Attraktivität der Promenade wird diese nicht auf einer Achse durchgeführt, sondern mehrmals aus der Achse versetzt. Im Bereich der Versätze werden als Zielpunkte die Promenadenorte platziert.

Das Band der Wasserbecken orientiert sich mit einem flachen, betretbaren Ufer als attraktives Parkelement ebenfalls zur Promenade hin und stärkt so die öffentliche Mitte der Anlage. Die zentrale Promenade ist mittels zahlreicher Querwege durch die Wiesen sowie Stege über die Wasserbecken mit den umgebenden Baufeldern verknüpft. Im Schnittpunkt der Promenade mit der fußläufigen Wegeachse Universität-Innenstadt befindet sich eine offene, multifunktionale Veranstaltungsfläche mit großer Freitreppe.

BESONDERE ORTE. Entsprechend der vorhandenen Grundfläche stellt die Funktionszuweisung der Teilräume einen abnehmenden Lärmpegel vom Berliner zum Viehofer Platz dar. Der Auftakt am Berliner Platz wird durch einen städtischen Platz definiert.

Ein lockerer Hain aus Zierobstgehölzen bildet den Übergang in die etwa drei Meter tiefer liegende Parkanlage. Zwischen diesem Hain und der zentralen Veranstaltungsfläche liegt der intensiv nutzbare Parkabschnitt mit seinen Spiel- und Liegewiesen sowie dem Promenaden-Ort „Parkplay“.

Der daran anschließende Parkabschnitt bis zur Talstraße dient mit seinen Wiesen und Wasserflächen sowie dem Promenadenort „Parkgarden“ eher der ruhigen Erholung. Im letzten, sehr schmalen Parkabschnitt bis zum Viehofer Platz werden nur noch Sitzmöglichkeiten angeboten, die im Bereich des Promenadenortes „Parklounge“ auch zum Arbeiten im Schatten der Bäume geeignet sind.

GEBOGENES KONSTRUKTIONSRASTER. In der Formgebung wie auch in der Materialwahl ist der Park bewusst „technisch“ gestaltet. Der gesamte Grundriss wurde in einem gebogenen Konstruktionsraster entwickelt, so dass alle sichtbaren Kanten und Radien sehr einfach mathematisch definiert sind.

Der Eindruck des homogenen Gusselements wurde durch Wegeflächen erreicht, die als homogene Gussasphaltflächen mittels schräger Granitborde aus der Grundfläche herausgehoben sind. Dieses Gestaltungsmerkmal findet sich in den Promenadenorten wieder, die wiederum aus den Wegeflächen herausgehoben sind.

ZWISCHENSPEICHER MIT KLÄRFUNKTION. Die Wasser- und Pflanzen-Klärbecken sind mit Betonelementen eingefasst und mit Asphalt gedichtet, wobei dies nicht nur gestalterisch begründet ist. Aufgrund des vorhandenen altindustriellen Untergrunds ist die Versickerung von Regenwasser auf dem gesamten Standort nicht möglich. Die anfallenden Regenwässer der umliegenden Baufelder werden in die zentralen Wasserbecken eingeleitet und zwischengespeichert.

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Mittels einer zentralen Pumpanlage werden die Wasserbecken kontinuierlich umgewälzt. Dabei werden die Wässer sowohl mechanisch in einem unterirdischen Filter als auch biologisch in den Pflanzenfilterbecken geklärt.

Der Wasserspiegel der Becken wird in einem Pegelschwankungsbereich von zwanzig Zentimetern konstant gehalten. Überschüssige Wässer in einen benachbarten Bach abgeleitet.

EMOTIONALER CHARAKTER. Die Raumbildung und der Charakter der Parkanlage wird durch eine differenzierte Pflanzenverwendung bei möglichst geringem Pflegeaufwand herausgearbeitet. Sie steht im klaren Kontrast zu den technischen Einbauten und trägt entscheidend zu dem in der Öffentlichkeit sehr positiv wahrgenommenen grünen Charakter der Parkanlage bei.

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Zur Erreichung einer größtmöglichen Transparenz und entsprechend gefühlter Sicherheit wurde konsequent auf Strauchpflanzungen verzichtet. Am Berliner Platz bilden vorhandene Platanen die Eingangssituation, der Hain westlich des Berliner Platzes ist aus auffällig blühenden Zierkirschen, -äpfeln und -birnen aufgebaut, die äußeren Baumreihen in Ost-West-Richtung bestehen aus japanischen Schnurbäumen, die Promenade wird von einigen Baummagnolien begleitet, die Orte entlang der Promenade sind durch Solitäre (Blauglockenbaum, Amberbaum, Trompetenbaum) akzentuiert, der Eingang Viehofer Platz ist wieder durch bestehende Platanen geprägt, Rot-Ahorn-Alleen kennzeichnen die Achse Universität-Innenstadt, die nördlichen Parkbereiche sind durch die bepflanzten Filterbecken mit Sumpfarten wie Schilf und Schwertlilien geprägt, in den südlichen Parkbereichen filtert ein gegliedertes Gras- und Staudenband die angrenzenden Nutzungen, und punktuell begleiten attraktive Prachtstauden- und Frühlingsblüherpflanzungen die zentrale Promenade.

SICHERHEIT DURCH BELEUCHTUNG. Unter der Annahme, dass die beiden städtebaulich prägnanten Gebäude am Berliner und Viehofer Platz die nächtliche Landmarkenfunktion für den Park übernehmen können, wurde aufgrund der Nähe zur Wohnbebauung ein zurückhaltendes Beleuchtungskonzept unter Sicherheitsaspekten entwickelt. Analog zur Tagessituation soll die zentrale Promenade auch in der Nacht aus Lärmschutz- und Sicherheitsaspekten die Hauptverkehrsfläche bilden. Dementsprechend wird sie hell, die seitlichen Wege etwas dunkler, jedoch immer noch verkehrssicher ausgeleuchtet.

Die Promenaden-Orte werden mittels gerichteter Scheinwerfer mit unterschiedlichen Beleuchtungswinkeln inszeniert. So erhalten die Räume einen bühnenartigen Charakter, der sie auch Nachts zu attraktiven Orten macht.