Bauprojekt NuOffice München

Bürogebäude schafft Weltrekord

Ausgezeichnet vom U.S. Green Building Council:
LEED Platin Award mit weltbester Punktzahl

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AUF DEM STAND DES JAHRES 2100. Bei der Konzeption des Bürogebäudes NuOffice München durch das Architekturbüro Falk von Tettenborn für den Projektentwickler Hubert Haupt standen drei grundlegende Prinzipien im Vordergrund: Funktionalität, Gestaltung und hervorragende Energieeffizienz, um bereits heute künftigen Anforderungen an Bürobauten zu genügen. Durch eine hochwärmedämmende Gebäudehülle und ein außergewöhnliches Haustechnik-Konzept, welches Grundwasser, Fernwärme und die Sonne als Energiequellen nutzt, konnte der Primärenergiebedarf so deutlich gesenkt werden (32,7 kWh/m²a), dass NuOffice als erstes Bürogebäude weltweit das Gütesiegel LEED Platin des U.S. Green Building Council für nachhaltiges Bauen mit 94 Punkten erhält. Darüber hinaus erfüllt das Gebäude sogar jetzt schon die Anforderungen der 2000-Watt-Gesellschaft, welche sich die Bundesregierung für das Jahr 2100 zum Ziel gesetzt hat.

FALK VON TETTENBORN
ARCHITEKTURBÜRO
Grüntenstraße 22
D-80686 München
Tel. +49 (0)89 / 5177 71-0
Fax +49 (0)89 / 5177 71-25
post@tettenborn.net
www.tettenborn.net

Bauprojekt NuOffice München
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KEIN „SYSTEM VON DER STANGE“. Es wurden weder von Seiten der Architektur noch von Seiten der Haustechnik Standardlösungen akzeptiert. Jedes im Gebäude verwendete Bauteil wurde neben der Eignung für die LEED-Zertifizierung intensiv auf Optimierungspotential, Effizienz und Sinnhaftigkeit geprüft und verifiziert.

Bereits im Vorfeld wurden die Weichen für den Erfolg bei der ressortübergreifenden Konzeptionierung des Gebäudes gestellt. So wurden schon in einer frühen Planungsphase die Experten des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik und die Nachhaltigkeitsberater von Intep Integrale Planung hinzugezogen.

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AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:

HYDROGEOLOGISCHES GUTACHTEN
Dr. Blasy - Dr. Øverland GmbH & Co. KG

ALLES KAM AUF DEN PRÜFSTAND. Zum Beispiel wurde beim Thema Beleuchtung bedarfsgerecht mit Beleuchtungszonierungen, effizienten Leuchtmitteln sowie Präsens- und Tageslichtsensorik auch in den Mietflächen gearbeitet. Denn der Stromverbrauch spielt bei diesem hocheffizienten Gebäude eine entscheidende Rolle.

Der ideale Fensterflächenanteil für eine optimale natürliche Belichtung trotz minimaler Wärmeverluste im Winter bzw. Wärmeeinträge im Sommer wurde für jede Gebäudeseite separat über eine exakte Gebäudesimulation ermittelt. Auch die Gebäudetiefe wurde auf Flexibilität in der Nutzung und auf Flächeneffizienz geprüft und optimiert und dadurch zwar großzügig dimensioniert, aber niemals verschwenderisch, denn das verbietet sich bei einem Bürogebäude mit diesem zukunftsweisenden Effizienz-Standard.

Beim Haustechnik-Konzept wurden ebenfalls keine Standardlösungen übernommen. Neben einer Baukerntemperierung, die heute fast schon zum Standard gehört, wird bei diesem Gebäude Grundwasser als Energiequelle genutzt und über eine eigens für das Projekt konstruierte Absorptions-Kältemaschine, welche durch Fernwärme betrieben wird (kein Strom!) für die Heizung und Kühlung eingesetzt. Dadurch werden herausragende primärenergetische Werte erreicht.

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FOTO: AvT
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ELEGANTE ABSTUFUNG. Vier um einen Innenhof angeordnete Gebäudeflügel wurden, dem städtebaulichen Kontext entsprechend, in ihrer Höhenentwicklung abgestuft: entlang der Domagkstrasse fünfgeschossig, im Osten und Westen im Umfeld zu bestehenden bzw. geplanten Bürogebäuden viergeschossig und im Süden als Bindeglied zur Wohnbebauung dreigeschossig mit einem zweigeschossigen, verglasten Baukörper. Breite, zweigeschossige Durchgänge im Norden und Süden machen das Gebäude „durchlässig“ und schaffen eine räumliche Verbindung des Innenhofs mit seiner Umgebung.

Der an der Domagkstrasse gelegene Hauptzugang zu Gebäude und Innenhof ist durch eine zurückgesetzte, verglaste Fassade signifikant gekennzeichnet und bildet das repräsentatives Entree. Drei weitere, über den Innenhof erschlossene und zurückversetzte Gebäudezugänge bieten klare Orientierung und leiten den Besucher wettergeschützt über gerundete Wände ins Gebäudeinnere. Der öffentlich zugängliche Innenhof dient gleichermaßen als Verteiler und Treffpunkt sowie als Ruheoase.

Die gute Verkehrsanbindung mit schneller Erreichbarkeit der Innenstadt, der Messe und des Flughafens sowie die Nachbarschaft mit vielen internationalen Firmen bietet ein attraktives Umfeld. Kein Wunder also, dass Unternehmen wie Estée Lauder und Georgio Armani als Mieter gewonnen werden konnten.

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Visualisierung 2. Bauabschnitt: Rendeffect GmbH
FOTO: Katzer
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Visualisierung 2. Bauabschnitt: Rendeffect GmbH
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KOMPLETTE GEBÄUDESIMULATION. Die Gebäudehülle wurde geplant als verputzte Lochfassade mit einer bewegten Abfolge von ein-, zwei- und dreiachsigen Fensterelementen. Durch die „Bänder“ aus Aluminium-Sandwich-Paneelen werden die einzelnen Fassadenflächen strukturiert und zu einer Einheit verbunden. Dabei spannen sich diese Bänder um abgerundete Ecken und ziehen sich durch bis in den Innenhof.

Auch bei der Planung der Fassade wurde nichts dem Zufall überlassen. Im Zuge der Entwurfsplanung wurde eine komplette Gebäudesimulation durch das Fraunhofer Institut für Bauphysik durchgeführt. Diese ermöglichte neben einer exakten Abstimmung der Gebäudetechnik auf die örtlichen Begebenheiten unter anderem auch die Ermittlung des idealen Anteils der Fensterflächen in der Fassade.

HINTERLÜFTETE FASSADE. Um bei einer durch das Energiekonzept geforderten Dämmstärke von 30 Zentimetern eine langlebige, auf Dauer mängelfreie und auch nachhaltige Fassade zu gewährleisten, wurde für diese eine komplett hinterlüftete Konstruktion gewählt. Die Mehrkosten wurden zugunsten der Qualität in Kauf genommen.

Für die Putzflächen kam dabei ein System mit einer Unterkonstruktion aus Aluminium zu Einsatz. Für die Bänder in Holzoptik wurden Aluminium-Sandwichpaneele ebenfalls auf einer Aluminium-Unterkonstruktion verwendet.

Die Fenster und Glasfassaden sind mit einer Dreischeiben-Isolierverglasung (Ug=0,6 W/m²K) ausgeführt und mit in die Fassadenkonstruktion integrierten außenliegenden Raffstoreanlagen ausgestattet. Diese gewährleisten einen funktionierenden Sonnenschutz und transportieren gleichzeitig durch Lichtlenklamellen im oberen Teil des Raffstores das Tageslicht ins Gebäudeinnere. In Bereichen, in denen aus funktionalen Gründen keine Raffstoren verwendet werden konnten, wurden die Fensterelemente mit elektrochromen Scheiben versehen.

EINGEBAUTE RÜCKBAUBARKEIT. Größtes Augenmerk wurde auf die Langlebigkeit der gewählten Konstruktionen sowie der verwendeten Materialien gelegt. So kam bei der Gebäudehülle an Stelle eines klassischen Wärmedämm-Verbundsystems eine hochwertige vorgehängt-hinterlüftete Fassadenkonstruktion zum Einsatz. Die Fenster sind als Holz-Alu-Kombination gefertigt.

Darüber hinaus wurden alle verwendeten Materialien und Konstruktionen auf ihre Rückbaubarkeit und auf Möglichkeiten zum Recycling untersucht. So sind nicht nur Fassadenkonstruktion und Fensterlemente später leicht zu trennen und zu recyceln. Selbst der Hersteller des Teppichbelags bietet eine spezielles Rücknahme- und Recyclingprogramm für seine Produkte an.

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OPTIMIERT BIS INS DETAIL. Bei der Planung und Umsetzung von zukunftsweisenden Projekten dürfen herkömmliche Systeme und Prinzipien nicht ungeprüft übernommen werden. Das Optimierungspotential eines jeden verwendeten Elements muss voll ausgeschöpft werden.

TROCKENBAU, INNENTÜREN, UNTERBÖDEN
Unternehmensgruppe Gruber
Innenausbau und Baumanagement

Es ist konsequent, nach innovativen Lösungsansätzen zu suchen, immer in Abstimmung mit dem jeweiligen Kontext. Das Gebäudekonzept des NuOffice verbindet Ökologie, Ökonomie und Optik in zukunftsweisender Form und erreicht eine Energieeffizienz, die bei Bürobauten ihresgleichen sucht.

Interior Design Susanne Brückner - FOTO: Haupt Immobilien