Neubau Niederösterreich Haus Krems

Neubau Niederösterreich Haus in Krems

Österreichs größtes Büro-Passivhaus

Impulsgeber in der kleinteiligen Altstadt

DAS ERGEBNIS EINES INTERNATIONALEN WETTBEWERBS. Wie es möglich war, das größte Büro-Passivhaus Österreichs in der kleinteiligen Innenstadt von Krems zu errichten und dadurch besondere Qualitäten zu erzielen, zeigt das Ergebnis des internationalen Wettbewerbs für das Niederösterreich Haus in Krems. Bereits im Jahr 2005 war die Arbeitsgemeinschaft aus den Architekturbüros AllesWirdGut, feld72 und FCP daraus als Sieger hervorgegangen, und am 13. Mai 2011 wurde das Gebäude offiziell eröffnet.

Das Niederösterreich Haus Krems (NHK) setzt neue Maßstäbe im ökologischen Bürobau. Bereits beim Bau konnten durch die Verwendung von Öko-Zement mehr als tausend Tonnen CO₂ eingespart werden. Im Betrieb wird der CO₂ –Ausstoß jährlich um hundert Tonnen reduziert – soviel, wie bei der Beheizung von 25 Einfamilienhäusern anfällt!

NEUER „STADTTEIL“ MIT KREMSTYPISCHEN MOTIVEN. Das NHK bietet allerdings nicht nur in Bauweise und Haustechnik nachhaltige Lösungen an. So steht das Amtshaus mit allen Verkehrsmitteln gut erreichbar in einem derzeit noch unbelebten Teil der Kremser Innenstadt, wo es als neuer Impulsgeber wirken kann. Indem es sich in die kleinteilige Parzellenstruktur des Standorts einfügt, wird es in mehrfacher Hinsicht zu einem neuen „Stadtteil“.

Gassen, Überbrückungen, Passagen, Innenhöfe, Dachgärten etc. führen zu kremstypischen Motiven wie in der Altstadt, die für alle Nutzer ein vielfältiges Alltagsumfeld entstehen lassen. Mehrere Ämter werden dort in einem Standort gebündelt. Für die Besucher wird so der Behördenkontakt vereinfacht und für die Mitarbeiter die Kommunikation der Ämter untereinander. Der architektonische Ausdruck des Gebäudes stellt den Passivhausstandard als zeitgenössische Selbstverständlichkeit nicht in den Vordergrund, sondern konzentriert sich darauf, ein seiner Umgebung und Nutzung angemessenes Gebäude zu schaffen.

Bauprojekt Niederösterreich Haus Krems

FOTOS
Rupert Steiner, Wien

VERNETZUNG DER INNENSTADT. Die Bedeutung der städtischen Lage zwischen historischer Altstadt und dem jüngeren Stadtteil mit der unmittelbar angrenzenden Blockrandbebauung entlang des Ringes sowie die Zweiteilung des Grundstückes durch eine öffentliche Straße führten zu einem Gebäudeensemble aus 3 Bauteilen, welches den öffentlichen Raum stark miteinbezieht und die Stadt an dieser Stelle neu vernetzt. Das Einführen einer Passage bzw. einer Wegverbindung über beide Grundstücke hinweg ermöglicht zusammen mit dem neu konzipierten öffentlichen Platz im Bereich der alten Stadtmauer zusätzliche und abwechslungsreiche fußläufige Verbindungen Richtung Altstadt.

Das Projekt setzt damit, unterstützt  durch seine öffentliche Nutzung, einen starken urbanen Impuls zwischen Bahnhof und Altstadt. Vom lokalen städtischen Kontext abgeleitete morphologische Themen wie die kleinteiligen Durchwegungen, Hofstrukturen, Brücken und Terrassierungen, zeitgemäß interpretiert, verweben das neue NHK mit der Stadt.

PERFEKT HINEINMODELLIERT. Die Kubaturen der einzelnen Gebäudeteile gehen auf den unmittelbaren städtischen Bebauungskontext ein. Entlang der Ringstraße und der Drinkweldergasse wird der Blockrand weitgehend geschlossen und vervollständigt. Der nördlichste Bauteil füllt nahezu das gesamte Grundstück aus, wird durch Höfe und Abstufungen gegliedert und entspricht somit noch mehr der sehr kompakten Altstadtstruktur.

Die Höhenentwicklung folgt den angrenzenden Gebäuden und integriert die neuen Baumassen selbstverständlich in die Stadtstruktur. Die, durch das ambitionierte Raumprogramm erforderliche hohe Baumasse wird so auf selbstverständliche und vermittelnde Weise in die Stadt hineinmodelliert und erzeugt sowohl für das Gebäude wie für den umgebenden städtischen Außenraum neue, hohe räumliche Qualitäten.

EINLADENDES ENTRÉE. Die Öffentlichkeit der Institutionen findet ihre Entsprechung in der Einbeziehung des öffentlichen Raumes der Stadt in das Gebäudeensemble. Der öffentliche Raum der Straße und der Passage wird möglichst schwellenlos in das Gebäudeinnere geführt.

Die Eingangs- und Verteilerzone rückt ins Zentrum der Ensembles. Eine klare gemeinsame Adresse im Erdgeschoß des mittleren Bauteils (Haus B) dient als erste Anlaufstelle. Von dort werden die Nutzer in sämtliche Bereiche verteilt. Die innere Erschließung setzt räumlich spannungs- und abwechslungsreich die äußere Durchwegung fort. Die Erschließung nimmt die wichtigen Wartezonen mit auf, wodurch eine räumliche Großzügigkeit erreicht wird, gleichzeitig aber eine effiziente und kurze Wegführung garantiert bleibt.

MARKANTE BELICHTUNG. Die natürliche Belichtung der Mittelzonen über die oberlichtverglasten Büroräume bzw. deren Orientierung auf markante Öffnungen garantieren eine hohe Aufenthaltsqualität und leichte Orientierung innerhalb des Komplexes. Zudem wird jeder Bauteil durch eine besondere Qualität seiner inneren Erschließung geprägt und erhält dadurch seine eigene Identität.

Ein großer atriumartiger Luftraum durchdringt  an der tiefsten Stelle das Gebäudevolumen des höchsten Bauteils (Haus A) direkt am Ring. Licht dringt tief nach unten. Die Sichtbeziehungen über die Geschoße hinweg wie auch der Blick in den Himmel lösen diese Ecksituation räumlich spannend auf. Zum Gang komplett verglaste Besprechungsräume erweitern die Gänge dort zusätzlich visuell.

AllesWirdGut Architektur

ZT GmbH
Josefstädter Straße 74/B
A-1080 Wien
Tel. +43 (0)1 / 9610 437-0
Fax +43 (0)1 / 9610 437-11
awg@alleswirdgut.cc
www.alleswirdgut.cc

feld72 architekten

zt gmbh
Schottenfeldgasse 72
A-1070 Wien
Tel. +43 (0)1 / 924-0499
Fax +43 (0)1 / 924-1033
office@feld72.at
www.feld72.at

FCP Fritsch, Chiari & Partner

ZT GmbH
Diesterweggasse 3
A-1140 Wien
Tel. +43 (0)1 / 9029 2
Fax +43 (0)1 / 9029 2-9000
www.fcp.at

(Arbeitsgemeinschaft NÖHK)

VIELFÄLTIGE PERSPEKTIVEN. Der mittlere Bauteil B verteilt die Besucher in die weiteren Bauteile und wird durch die Anbindung des zentralen Speisesaales und die im letzten Geschoss angeordneten Konferenzräume zum Knotenpunkt. Über die verglasten Brücken, welche als Wegsequenzen besonders  spannungsreich das Thema von Innen- und Außenraum erlebbar machen, werden die drei Baukörper untereinander verbunden. Dort entstehen Aufenthaltsqualitäten, die diese Sequenzen zu Kommunikationsorten aufwerten.

 

Der Bauteil C (mit der Wirtschaftskammer im Erdgeschoss) wird intern von einem um den Hof angelegten Gang erschlossen. Visuell über diesen Patio verbunden, erweitert sich dieser Gang im ersten Obergeschoss auch auf eine großzügige Terrasse.

Eine Vielzahl von weiteren, über das gesamte Ensemble verteilten Terrassen öffnet die kollektiven Flächen der Erschließungs- und Wartezonen in den Freiraum hinaus und macht das Gebäude selbst, seine strukturierenden Zwischenräume der Höfe und Passagen, aber auch die umgebende Stadt und ihr näheres Umland aus verschiedensten Perspektiven immer wieder neu und abwechslungsreich erlebbar.

REDUZIERTE MATERIALWAHL. Die räumliche Gliederung und Abfolge wird durch die bewusst reduzierte Materialwahl subtil unterstrichen. Neben einer ruhigen, neutralen, weißen Innenhülle verbinden wenige hochwertige Materialien den gesamten Komplex. Sie betonen räumliche Atmosphären und unterstützen die Orientierung.

Der Straßenraum wird durch einen dunklen Kunststein-Bodenbelag  in den Innenraum der öffentlichen Erdgeschosszone erweitert. Der Bodenbelag im Rest des Hauses ist aus grünem Linoleum. Es wurde bewusst auf eine Unterscheidung zwischen Gang-  und Bürofläche verzichtet, um äquivalent zu den durchgehenden Decken keine Zonierung zu erzeugen. Diese Gestaltungsmaßnahmen lösen die notwendige Kleinteiligkeit der Bürostruktur in der Raumwahrnehmung zu einem großzügigen Kontinuum auf.


MÖBEL, PFLANZEN, FARBTUPFER. Den Möbeln für die Warte- und Kommunikationszonen kommt eine besondere Bedeutung zu. Aus heller Eiche und dunklen Stahl gefertigt, werden sie als wiedererkennbare Variationen über das gesamte Gebäude verteilt.

 

Pflanzkörper mit unterschiedlichen Kompositionen von Vegetation generieren unterschiedliche Atmosphären und differenzieren so zusätzlich die Wartezonen der einzelnen Bereiche. Pflanzen werden als strukturierende Elemente begriffen und dementsprechend großzügig eingesetzt.

 

Funktionen wie Schirmständer, Müll usw. sind unauffällig integriert und machen somit weitere kleinteilige Accessoires obsolet. Auch das Leitsystem wird Teil des reduzierten Materialkanons und führt auf dunklen Stahlpanelen durch das Haus.

 

Spezielle Bereiche werden mit einer kleinen Auswahl einer Rot-Magenta-Palette farblich akzentuiert. Als Vorhang zur Abschirmung der sonst offenen Besprechungsräume oder als Stoffbezug der Bestuhlung derselben erzeugen die Farbtupfer einen Kontrapunkt zu der sonst sehr neutralen Möblierung in den Büros und unterstützen visuell die Atmosphäre erhöhter Aufmerksamkeit in diesen Bereichen.

 

EIN HAUS FÜR DIE BÜRGER. Die Fassade wird innerhalb des Ensembles zum introvertierten Außenraum. Ihre Gestaltung steht somit auch stark im Zusammenhang mit der Materialwahl und Gestaltung des Innenraums.

Die bronzefarbenen, reliefartigen Fenstermodule strukturieren die Fassade und verleihen ihr unterschiedliche Rhythmen und Dichten.  Zusammen mit der beigefarbenen Struktur des Putzes variiert die Fassade je nach Lichteinfall als subtil wechselnder Hintergrund für die wenigen, aber vitalen Farben im Innenraum.

 

Insgesamt formuliert das Projekt die Themen Synergie und Divergenz auch gestalterisch konsequent zu Ende und generiert Räume und Atmosphären, die einerseits eine hochqualitative Arbeitsumgebung anbieten und andererseits die Schwellen der unterschiedlichen Institutionen untereinander sowie vor allem gegenüber dem Bürger und der Bürgerin als Kunden möglichst auflösen und einen Ort moderner öffentlicher Dienstleistungen in Niederösterreich etablieren. Ein offenes, einladendes Haus, das neue Niederösterreichhaus Krems.