Neubau Rems-Murr-Kliniken Winnenden
FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

Neubau Rems-Murr-Kliniken Winnenden:

Schon von außen wirkt die Klinik freundlich und vitalisierend.

Pavillonartige Baukörper gruppieren sich um eine Piazza.

KLINIK IM GRÜNEN. Das neue Klinikum am südlichen Rand von Winnenden vereint die ehemaligen Krankenhäuser in Waiblingen und Backnang an einem Ort und ist für die medizinische Versorgung von etwa 400.000 Bewohnern verantwortlich. Es bildet gemeinsam mit dem bestehenden Zentrum für Psychiatrie ein weitläufiges Klinikareal und formt mit dem neuen Ärztehaus und der Klinikverwaltung ein städtebauliches Ensemble aus fünf Pavillons, das sich um eine „Piazza“ gruppiert.

An der Grenze zwischen Wohnbebauung und Landschaftsraum gelegen, sind die Rems-Murr-Kliniken in die Wiesenlandschaften des Zipfelbachs und die sanften Hügel der angrenzenden Weinberge eingebettet. Diese abwechslungsreiche Auenlandschaft war für das Entwurfskonzept bestimmend.

EIN SOCKEL VERBINDET DIE BAUTEN. In drei, locker angeordnete, pavillonartige Baukörper gegliedert, die über einen flachen ein- bis zweigeschossigen Sockel miteinander verbunden sind, fügt sich der Klinikneubau trotz seiner funktionsbedingten Größe harmonisch in die Landschaft ein. Gleichzeitig erhält der Gebäudekomplex durch die Gliederung in Sockel- und Obergeschosse sowie in „einzelne“, drei- bis fünfgeschossige Häuser eine Kleinteiligkeit und eine am Menschen orientierte Maßstäblichkeit.

Historische Klinikkonzepte, die – einer kleinen Stadt ähnlich – aus einem Ensemble von Einzelhäuser bestanden, standen Pate für diese Gebäudetypologie. Der Entwurf greift das historische Konzept auf, passt es in der Grundrissgestalt den modernen, funktionalen Erfordernissen an und übersetzt es in eine zeitgemäße Architektursprache. Es war wesentliches Entwurfsziel, dass trotz eines gewaltigen Raumprogramms und der großen Baumasse an diesem Ort keine unüberschaubare „Klinikmaschine“ entsteht, sondern dass sich dem Besucher eine maßstabsgerechte und menschliche Anlage einladend öffnet.

Die kubischen, schlichten Baukörper der Pavillons entwickeln sich über annähernd quadratischen Grundrissen mit Kantenlängen zwischen 55 und 60 Metern. Dem eingerückten, verglasten Sockelgeschoss sind quadratische Stahlbetonstützen vorgelagert, die die oberen Geschosse tragen.

Ein umlaufendes Glasband bildet den Übergang vom Sockelgeschoss zu den aufgehenden Baukörpern, die sich durch den Wechsel von einer geschlossenen Kubatur mit ringförmigem Grundriss zu einer offenen Kubatur mit U-förmigem Grundriss nach oben hin auflösen.

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Monnerjan Kast Walter Architekten
Düsseldorf

(Arbeitsgemeinschaft)

EIN PLATZ ALS MITTELPUNKT. Zwei weitere Pavillons, die die Klinikverwaltung und ein Ärtzehaus beherbergen, komplettieren das Ensemble rund um die neue, langgestreckte Platzanlage. Als neues Zentrum des Quartiers ist sie sowohl Erschließung als auch Aufenthaltsfläche.

Die Piazza ist mit Bänken, Wasserflächen, Grünstreifen und Bäumen gestaltet. Im Zusammenspiel mit der Außenterrasse des Casinos, dem Kinderspielplatz, der therapeutisch genutzten Gangschule und dem anschließenden Patientengarten entstehen unterschiedlich gestaltete Aufenthaltsflächen im Grünen, die fließend in den natürlichen Landschaftsraum übergehen.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

KONTEMPLATIVER PATIENTENGARTEN. Der Patientengarten ist in Anlehnung an die Vegetation und Topographie der Talauen als naturnaher Landschaftsgarten mit sanft modellierten Wiesenhängen, Baumgruppen und Teichen gestaltet. Schmale, geschlungene Wege, Plätze und verborgene Sitzgelegenheiten fügen sich unauffällig in die Flora und Fauna. Sie laden zum Verweilen ein und bieten Raum für eine kontemplative Erholung.

Begrünte Dachterrassen und Innenhöfe ergänzen die Aufenthaltsflächen im Freien. Sie sind ein besonderes Merkmal des Gebäudekomplexes und wesentliches architektonisches Element des Entwurfs.

RHYTHMISIERENDE INNENHÖFE. Eine Vielzahl differenziert gestalteter Innenhöfe unterschiedlicher Größe durchdringen die Gebäudestruktur und lockern sie auf. In den Pavillons sind die Räume ring- oder U-förmig um je zwei Innenhöfe herum angeordnet – einen kleineren Hof, um den sich die Nebenräume gruppieren, und einen größeren Hof für die Pflegezimmer, der mit zunehmender Geschosshöhe größer wird, so dass zusätzliche individuelle Dachterrassen entstehen.

Während die Bettenhäuser in den Pavillons einer einfachen und klaren Grundrissstruktur folgen, übernimmt der 180 Meter lange und 70 Meter breite, zweigeschossige Sockel mit seinem klaren Wegenetz und den vielzähligen Höfen die klinischen Funktionseinheiten. Die Höfe bringen Licht, Luft und Aufenthaltsqualität in die Flure und Räume. Als seitlich einfallendes Streiflicht belichten und rhythmisieren sie die langen Flure, mit großflächigen Verglasungen ausgestattet begleiten sie die Wartebereiche und lassen interne Blickbezüge zu.

Gleichzeitig erweitern die begrünten Höfe die Warte- und Therapiebereiche der Patienten sowie die Aufenthaltsräume des Personals. Hochbeete, mit Holzbänken ausgestattet, und bodennahe Bepflanzungen, die in ihrer Farbigkeit auf die Grundtöne des jeweiligen Pavillons abgestimmt sind, beleben diese Aufenthaltshöfe.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin
FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

DIALOG MIT DEM AUSSENRAUM. Der Therapiehof ergänzt mit seinen Klettergeräten und der „Gangschule“ den physiotherapeutischen Bereich. Auf der Spielterrasse können die stationär untergebrachten Kinder an Spielgeräten an der frischen Luft ihrem Bewegungsdrang folgen.

Die Gebäudestruktur des Klinikums mit ihren geschlossenen und offenen Höfen, Dachterrassen und pavillonartigen Baukörpern löst sich auf unterschiedliche Weise auf, um in einen Dialog mit dem Außenraum zu treten. Die gestalteten Außenflächen gehen fließend in den angrenzenden Landschaftsraum der Talaue und in den Klinikpark der Psychiatrie über, so dass sich der Neubau mit der Umgebung verzahnt.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

KAMMERARTIG ORGANISIERTE ERSCHLIESSUNGSSTRASSE. Um einen störungsfreien und reibungslosen Ablauf der notfallbedingten medizinischen Versorgung gewährleisten zu können, ist die Trennung von Patienten-, Personal- und Besucherwegen mit der zusätzlichen Unterscheidung von liegenden und laufenden Patienten bei der Planung einer Klinik von zentraler Bedeutung.

Im Außenraum verteilt eine kammartig organisierte Erschließungsstraße die unterschiedlichen Verkehrsströme zu den diversen Eingängen des Gebäudekomplexes. Während die Mitarbeiter und die Rettungswagen im Westen zum Nordeingang des Klinikums geleitet werden, gelangen die Besucher und Tagespatienten im Süden über die Piazza zum Haupteingang.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

RINGFÖRMIG ORGANISIERTE FLURE. Das innere Erschließungssystem basiert auf ringförmig organisierten Fluren, die über ein lineares Gangsystem miteinander verbunden sind. Im Eingangsgeschoss wird einer dieser Verbindungsflure als 180 Meter lange, zweigeschossige Magistrale erlebbar.

Zentrum der Magistrale ist die großzügige zweigeschossige Eingangshalle, die sich über raumhohe großflächige Verglasungen zu dem Platz öffnet. Dort befinden sich der Informationstresen, frei möblierte, offene Wartebereiche und Treffpunkte. Die Magistrale verbindet die einzelnen Stationen des Krankenhauses sowie die Pavillons miteinander und ist gleichzeitig Schnittstelle zwischen dem öffentlichen Besucher- und Patientenbereich im Süden und dem operativen klinikinternen Bereichen im Norden.

Im Erdgeschoss wird eine Raumschicht aus Wartezimmern, Anmeldungen, Nebenräumen und Erschließungskernen entlang der Magistrale zum Filter zwischen diesen konträren Klinikbereichen: Sie trennt die Untersuchungsräume der Ambulanzen und der Notaufnahme von der Haupterschließung.

Die Ambulanzen sind mit dem Gefäßzentrum, dem Traumazentrum mit Notaufnahme und dem Bauchzentrum in drei Kompetenzzentren gegliedert und werden durch die Radiologie, die von allen Abteilungen genutzt wird, ergänzt. Jedes Zentrum besteht aus Büros, Nebenräumen, Untersuchungszimmern und Behandlungsräumen, die als einfache Eingriffsräume oder kleine Operationssäle ausgestattet sind. Je nach Bedarf sind die Räume um oder entlang von Innenhöfen so angeordnet, dass die Arbeitsräume trotz der kompakten Anordnung, die aus der Notwendigkeit der kurzen Wege resultiert, natürlich belichtet und belüftet werden.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

NÖRDLICHER UND SÜDLICHER RING. Die ringförmig organisierten Zentren gliedern sich jeweils in einen nördlichen und südlichen Ring, wobei der Norden der Versorgung schwerer Notfälle vorbehalten ist und dementsprechend besonderen Zutritts- und Schutzmaßnahmen unterliegt. Über den langen Nordflur, an den ebenfalls der Zugang für die Rettungswagen angebunden ist, können alle Kompetenzzentren direkt und auf kürzestem Wege erreicht werden. Als Pendant zum Nordflur erstreckt sich spiegelbildlich der Südflur über die gesamte Länge des Sockels – er führt die ambulanten Patienten Tag und Nacht in die Untersuchungszimmer der jeweiligen Zentren.

Zwischen diesen beiden internen, linearen Erschließungsachsen spannen sich die ringförmigen Wege auf. Die Zugangsberechtigung und damit die Richtung des Bewegungsflusses in den Ringen ist divers – sie folgt einem komplexen Bewegungsablauf (Mehrflursystem).

Im oberen Sockelgeschoss verbindet die Magistrale als offener Gang, der sich zum zweigeschossigen Luftraum der Eingangshalle orientiert und über Freitreppen von der Eingangshalle aus zu erreichen ist, die Intensivstation mit der Entbindungsstation und den Operationssälen. Über dem Sockel erheben sich die Bettenhäuser in den drei Pavillons, die im Wechsel südlich und nördlich der Haupterschließung angeordnet sind – sie werden über drei Erschließungskerne mit Aufzügen und Treppenhäusern von der Magistrale aus erschlossen.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin
FOTO: Svenja Bockhop, Berlin
FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

NATÜRLICHE BELICHTUNG UND BELÜFTUNG. Die Grundrisse sind U-förmig um offene Innenhöfe herum organisiert, so dass in jedem Pflegeraum der Bezug zur grünen Umgebung erlebbar ist. Dieses Prinzip setzt sich in den Fluren fort: Sie führen an großflächig verglasten Fassaden entlang oder erhalten an ihren Enden großzügige Fassadenöffnungen, so dass die Verkehrswege natürlich belichtet und belüftet werden.

In den oberen Geschossen wurden die Flure mit dem weiten Blick über die Landschaft zu einem attraktiven Aufenthaltsort – zu diesem Zweck sind die Brüstungen als tiefe Sitzbank ausgebildet. Der Ausblick ins Freie oder in die
gestalteten Innenhöfe erhöht nicht nur die Aufenthaltsqualität der Wege, sondern ermöglicht gleichzeitig auch eine schnelle Orientierung.

Durch das Erschließungskonzept, das ringförmige und lineare Strukturen miteinander verknüpft, werden zum einen kurze Wege geschaffen, die einen wirtschaftlichen und effizienten Krankenhausbetrieb gewährleisten und gleichzeitig einen konfliktfreien Ablauf des Betriebs garantieren.

FASSADEN IN 3 GRÜNTÖNEN. Das äußere Erscheinungsbild des Neubaus wird wesentlich durch die farbigen Sonnenschutz-Schiebeläden der Pavillons geprägt. Sie ermöglichen eine komplette Verschattung des gesamten Baukörpers und reduzieren so maßgeblich die sommerlichen solaren Energieeinträge.

Drei Grüntöne bestimmen das Fassadenbild. Sie sind in einem willkürlichen, unregelmäßigen Wechsel angeordnet und werden durch die punktuelle Anordnung orangefarbener Felder rhythmisiert. Die bewaldete, hügelige Landschaft der Umgebung mit ihren grünen Wiesen und orangefarbenem Laub stand Pate bei der Farbgebung der Fassade.

ELOXIERTE SONNENSCHUTZ-SCHIEBELÄDEN. Die geschosshohen, 1,25 Meter breiten Sonnenschutzelemente aus eloxiertem Streckmetall sind der Hauptfassade vorgelagert. Sie spannen sich zwischen schmalen Metallbändern, die auf der Höhe der Geschossdecken die Kontur der Pavillons nachzeichnen und die Fassaden horizontal gliedern.

Als dreiläufiges System ausgebildet, ist jedes dritte Element unbeweglich und markiert die Parkposition der Schiebeläden. In Abhängigkeit von Sonnenstand, Wetterbedingungen, Tageszeit und individuellen Vorlieben der Patienten verändert sich das Fassadenbild: Sind die Läden geschlossen, entsteht durch die Tiefenstaffelung der Sonnenschutzelemente ein unregelmäßiges Schattenspiel auf der Fassade, das die Farb- und Fassadengestaltung unterstützt und die vielzähligen, einzelnen Elemente lesbar macht. Befinden sich die Schiebeläden in ihrer Parkposition hinter den feststehenden Elementen, erhält die Fassade eine regelmäßige, vertikale Gliederung, so dass die farbigen Fassadenelemente im Wechsel mit den Verglasungen der Hauptfassaden einem gleichmäßigen Rhythmus folgen. Die farbigen Öffnungsflügel, die die schlichte Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Leichtmetall pointieren, korrespondieren mit der Farbigkeit der Sonnenschutzelemente im Vordergrund.

1 M TIEFES FASSADENSYSTEM. Die Hauptfassade folgt ebenfalls einem 1,25-Meter-Raster und setzt sich aus transparenten und opaken Fassadenfeldern zusammen. Gemeinsam mit der Sonnenschutzebene bildet sie ein etwa einen Meter tiefes Fassadensystem, das die Innenräume einerseits um den 75 Zentimeter breiten Fassadenzwischenraum optisch erweitert und andererseits bei Bedarf durch die vorgelagerte zweite Fassadenebene eine Filterschicht ausbildet, die sich zwischen die Außen- und Innenwelt legt. Im Deckenbereich mit Stahlgitterrosten ausgestattet, wird der Fassadenzwischenraum als Wartungs- und Reinigungsgang genutzt.

Die Gliederung der Baukörper in Sockel- und Obergeschosse ist in der Fassadengestaltung umgesetzt, indem die um etwa 3,50 Meter eingerückten Sockelfassaden mit anthrazitfarbenen Lamellenraffstores als Sonnenschutz ausgestattet wurden. Auf diese Weise setzt sich das dunkel erscheinende Sockelgeschoss mit seinen raumhohen transparenten oder opaken Verglasungen von den farbigen Obergeschossen ab.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin
FOTO: Rainer Hascher, Berg

FÖRDERUNG DES WOHLBEFINDENS. Das Wohlbefinden der Patienten hat einen großen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Olfaktorische, haptische, akustische und visuelle Faktoren, die positive Assoziationen hervorrufen, haben dementsprechend eine wesentliche Bedeutung für den Genesungsprozess. Neben den Lichtverhältnissen in den Räumen und den visuellen Bezügen zum Naturraum der Umgebung beeinflussen die Farbe, das Material und die Oberflächen der mittelbaren und unmittelbaren Umgebung das Wohlbefinden.

Das Farbkonzept der Fassaden und der Innenausstattung orientiert sich an den Farben der landschaftlichen Umgebung. Nicht nur, dass die Natur und „Natürlichkeit“ positiv konnotiert sind und ein Gegenbild zu der hochtechnisierten, sterilen Welt der Behandlungsräume darstellen.

ANREGENDE FARBEN. Auf der symbolischen Ebene stehen die Farben Grün, Gelb und Orange für Harmonie, Hoffnung und Erneuerung. Sie haben auf den Menschen eine ausgleichende Wirkung und werden als freundlich, geistig anregend und körperlich vitalisierend empfunden. „Neutralen“ Farben wie Weiß, Silber und Anthrazit gegenübergestellt, erhöht sich durch den Kontrast die Wirkung dieser Farben. Oberflächen aus Holz an Mobiliar, Einbauten, Türen und Verkleidungen ergänzen das Farbkonzept – das natürliche Material wird von den Menschen als warm, behaglich und hochwertig empfunden.

Während das Außenbild der Fassaden von dem Wechselspiel der Farben Gelb, Grün und Orange geprägt ist, wurde bei der Innenraumgestaltung je eine der drei Farben einem Pavillon zugeordnet. Dies unterstützt die Identifikation der Patienten mit ihrer Station. Die jeweils anderen beiden Farben akzentuieren den basierenden Grundton.

POSITIVE ASSOZIATIONEN. Die Pflegezimmer – der Hauptaufenthaltsort der Patienten und Besucher – sind als privat anmutende, lichte Räume wohnlich gestaltet. Holzgemaserte Oberflächen der Einbauschränke, Stühle, Tische und Fensterbänke akzentuieren die ruhigen Zweibettzimmer.

Farbige Vorhänge und Schiebeläden sowie raumhohe Farbfelder an den Wänden und Panoramafotos mit Landschaften des Rems-Murr-Kreises den Betten gegenüber bieten Abwechslung und wecken positive Assoziationen. Die großflächigen Verglasungen, die sich über die gesamte Breite der Räume erstrecken, und die niedrigen Brüstungen, die als Sitzbank ausgebildet sind, geben den Patienten selbst im Liegen den Blick auf die grüne Auenlandschaft frei.

FOTO: m42 Katja Zern, Thomas Frank

PRIVATE ANMUTUNG. Positive Assoziationen spielten auch bei der Gestaltung der Flure mit Holztüren und Farbfeldern eine wichtige Rolle. Farbige Deckenstreifen, die asymmetrisch nur eine Wandseite begleiten, werden von einem Deckenlichtband angestrahlt.

Die Asymmetrie ergibt eine ungleichmäßige Ausleuchtung der Flure mit hellen und weniger hellen Zonen. In Kombination mit der warmen Lichtfarbe entstehen Lichtsituationen, die der Ausleuchtung privater Räume ähneln.

BESONDERE GESTALTUNGSELEMENTE. Die Sonderbereiche des Krankenhauses, wie die Magistrale und die Eingangshalle, das Casino, der Andachtsraum und die Abschiedsräume wurden besonders gestaltet. Ein 180 Meter langes Wandbild empfängt den Besucher bei dem Betreten des Hauses und unterstützt die räumliche Präsenz der zweigeschossigen Magistrale.

Holztresen durchbrechen als eingestellte Möbel in regelmäßigen Abständen die künstlerisch gestaltete Wand und markieren die Eingänge und Wartebereiche zu den Ambulanzen. Die Pavillonfassaden setzen sich im Inneren der Magistrale fort, so dass Innenraum und Außenraum miteinander verschränkt sind.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

STRENGE GEOMETRIEN. Die Entscheidung für die strengen Geometrien gründet auf der Vermeidung jeglicher geschwungener Linien und organischer Formen, die pathologische Assoziationen hervorrufen könnten. Dabei folgen die Sequenzen – der Wechsel der Farben – dem menschlichen Schritt, ohne dessen Regelmäßigkeit widerzuspiegeln. Der Rhythmus der schreitenden Besucher und Patienten korrespondiert mit dem Farbrhythmus der Farbwand.

Der Farbverlauf mit einem Anfang und einem Ende sowie die Anbindung an den menschlichen Schritt thematisiert das Motiv der Bewegung – und ist damit ein abstrahiertes Bild der Magistrale als Weg, aber auch Symbol des Heilungs- und Bewusstseinsprozesses. Jenseits der Abstraktion und des Symbolischen unterstützt die Farbwand die Identifikation mit dem Klinikum.

Eine weitere Erlebnisdimension ist die Kunstbetrachtung des Wandgemäldes. Dabei „spricht“ sie auf zwei Ebenen: „Den Menschen, die täglich und zahlreich die Magistrale hin- und hergehen, gibt sie positive Signale und verändert das Erleben des Raumes. Den Menschen, die die Farbwand als Gemälde betrachten, öffnet sie eine Tiefe und in diesem Fall eine epische Dimension.“

2-GESCHOSSIGES WANDBILD. Entsprechend des vorgegebenen architektonischen Farbkonzepts entwickelte der Künstler Burghard Müller-Dannhausen entlang der Magistrale ein 180 Meter langes, zweigeschossiges Wandbild. Korrespondierend mit den Farben der Pavillons zeigt das übergeordnete Wandbild einen Farbverlauf von Gelb über Grün nach Orange, der sich aus einer Sequenz aus aneinandergereihten Farbflächen ergibt.

Schmale, strichartige Flächen und vertikale oder schräge Rechtecke und Trapeze in je fünfzehn Farbtönen der Grundfarben ergeben ein abstraktes, lebendiges Bild. Dieser Wechsel von senkrechten und schrägen Linien und Flächen erzeugt den Eindruck eines Vorhangs in Bewegung oder von Gras und Schilf im Wind.

Die Farben transportieren zudem das Frische, Lebendige, Heitere und Positive. Türen, Fenster, Durchgänge, Träger und Stützen sind in das System eingebunden und folgen mit ihren Beschichtungen dem Farbkonzept.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin
FOTO: Rems-Murr-Kliniken gGmbH, Winnenden