Neubau Raucher-Unterstand EURONICS XXL Tuttlingen:

Die einfache Geometrie spiegelt eine
menschliche Dimension.

Es geht nicht darum, durch Modernität einen Kontrast zu bilden oder so zu tun,
als wäre das Bauwerk ein halbes Jahrhundert alt.

AUFSPÜREN BESTEHENDER STRUKTUREN. Die Leitidee und die Konzeption entstanden aus der Frage des Umgangs mit der kleinen Entwurfsaufgabe – Neubau des Pausendachs bzw. Raucher-Unterstands bei EURONICS XXL in Tuttlingen – im vorgegeben Kontext verschiedener Bewegungsräume am Rande industrieller Tagesabläufe. Dabei interessierte und beschäftigte die Architekten die Frage, ob in diesem Fall die Funktion oder/und die Gestalt im Vordergrund steht und sich dem Betrachter stellt oder sogar offeriert.

Die  Architekten denken, dass sich die Baulichkeit über die gegebene Grundstücksfläche definiert, die Materialität aus dem Gegebenen aufgenommen wird und durch den Inhalt der Planungsaufgabe ein Stück Modernität das Bild des Bauherrn widerspiegeln soll. Dies bedeutete bei der Planung, die grundlegenden Strukturen des Bestehenden aufzuspüren, die den Ort bestimmen.

SYNERGIE MIT DEM UMFELD. Es geht für die Architekten um den Bezug des Einzelnen zum Ganzen und somit den Verbund Aller, die das Gefüge definieren. So soll eine Synergie mit dem Umfeld entstehen mit dem Anspruch der Entwicklung des Formbildes aus der Identität des Ortes.

Das Geplante muss sich nach Ansicht der Architekten der Diskussion entziehen, ob es durch Modernität einen Kontrast bildet oder so tut, als wäre es ein halbes Jahrhundert alt. Es ist neu, konzipiert aus der dreiecksförmigen Geometrie des Grundstücks, in guter handwerklicher Qualität, mit vertrauten, einfachen Materialien und schönen Fügungen im Zusammenspiel derer. Eine einfache Geometrie, den Kindheitstraum eines Jeden über die Form einer Zeltdachkonstruktion ansprechend, spiegelt eine menschliche Dimension im Anspruch an Kommunikationsfähigkeit und auch Ruhe an diesem Ort wider.

MUFFLER ARCHITEKTEN
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DER RAUM AUS DER FLÄCHE. Das bestehende dreiecksförmige Grundstück in Form einer kleine Wiese definiert sich mit dem im Rücken angrenzenden Schiebetor und dem Wirtschaftshof mit dem die Anlieferung umschließenden Zaun einerseits und den auf der anderen Seite angrenzenden Garagen. Diese gegebene Fläche bestimmt wie selbstredend die Raumform und bildet den Zugang aus der bestehenden asphaltierten Abstandsfläche der Garagen.

Direkt angrenzend und wie selbstverständlich überleitend, gliedert sich eine die Dreiecksform aufnehmende, in Stahlbeton ausgebildete Bodenfläche mit einer die natürliche Struktur des Betons zeigenden geglätteten Oberfläche. Verzinkte, dünne Stahlbleche als Randabschalung trennen diese, den Raum des Zeltdaches bildende Fläche von der „Außenfläche“, die sich wie ein städtischer Platz mit Pflastersteinen artikuliert.

Die Pflastersteine sind in der Sprache des kleinen Grundstückes, die den Bewegungsraum der Anlieferung in Form eines leichten Bogens bildet, in einem Passé-Verband verlegt, anthrazitfarbig im Maß 8/10 cm. Sie bilden das Pendant zu den glatten, scharfkantigen Oberflächen des Betons und des Stahls der Zeltdachkonstruktion.

FOTOS
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SCHWEBENDE KONSTRUKTION. Die den Raum erzeugende Struktur wird gebildet aus drei Flachstahlplatten, 15 mm stark in schwarzer Farbe, unbehandelter Rohstahl. Vor Ort verschweißt, ist er mit pigmentiertem Rostschutz vorbehandelt und mit wetterbeständigem silbernen Eisenglimmerlack beschichtet.

Die eine, das Grundstück zum Zaun und zur Straße begrenzende Fläche wird gebildet in Form eines sich leicht zum Hof neigenden Trapezes. Es hat die Maße von 3,60 m x 3,20 m (l x b) und eine Höhe von 2,10 m aufsteigend zu 2,50 m am höchsten Punkt.

Die anderen beiden Flächen sind konzipiert als zwei gleichschenklige Dreiecke mit den Maßen 3,00 m x 3,00 m. Sie bilden einerseits eine zum Hof aufsteigende Dachfläche und andererseits eine zur Anlieferung angrenzende, schützende Wandfläche, die sich über eine Ecke der Dreiecksform in den Boden ableitet.

In der Erscheinung fast materiallos, nur mit dem Berührungspunkt der Spitze am Boden, wird die Kraft über ein 15 mm starkes Rundrohr aus Edelstahl auf eine quadratische Edelstahlplatte im Boden übergeleitet. Für den Betrachter scheint die Konstruktion zu schweben.

Eine Sitzbank aus einem massiven Weißtanne- Stamm mit den Maßen 1,90 m x 0,40 m x 0.,40 m mit leicht pigmentierter matter Lackfarbe und vier Edelstahl-Rundrohren als Bodenabstand rundet das Gesamtbild ab und erzeugt Maßtäblickeit. Zwei bodenbündig eingelegte Strahler beleuchten die Dachfläche von innen und bestreichen die hinter der Sitzbank situierte Wand. Ein großer zylindrischer Abfallbehälter aus anthrazitfarbenem Stahl dient zur Aufnahme und Definition des Ortes – eines Ortes mit eigener Identität.