Neubau Montforthaus Feldkirch
FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

Neubau Montforthaus Feldkirch

Wie ein Kieselstein im Flussbett

Der organisch geschwungene Baukörper ist harmonisch in die mittelalterliche Stadtstruktur eingefügt

OPEN HOUSE. Das neue Montforthaus ist ein universales Haus der Kultur für die Bürger der Stadt und der Region Feldkirch. Dort finden Kongresse, Bälle, Messen, klassische Konzerte, Pop-Veranstaltungen und Theateraufführungen statt.

Während Konzerthäuser und Theater außerhalb von Veranstaltungen für gewöhnlich geschlossen sind, versteht sich das neue Montforthaus als „Open House“. Es beherbergt auch den info point für den Feldkirch-Tourismus und den Vorarlberg-Kartenverkauf.

Der Sommergarten auf dem Dach des Gebäudes ist als naheliegende Ergänzung des Raumprogramms zu verstehen. Dort befindet sich, hoch über der Platzebene, ein vielfältig nutzbares Restaurant, das einen beeindruckenden Blick über die Stadt und die schluchtartige Kulturlandschaft „Felsenau“ bietet. Von dort aus ergeben sich vielfältige Blickbeziehungen zur höher liegenden Schattenburg.

MODERNE FORM, TRADITIONELLES MATERIAL. Das Montforthaus ist harmonisch in die historisch gewachsene, mittelalterliche Stadtstruktur von Feldkirch eingebettet. Seine moderne Formensprache steht dabei in einem bewussten dialektischen Gegensatz zu dem ausgewählten traditionellen Material des Juramarmors für die Außenhaut. So wird das eigenständige Neue behutsam mit dem Bestand verwoben.

Der organisch geschwungene Baukörper löst sich von der kleinteiligen und heterogen gewachsenen Stadtstruktur und behauptet sich als Solitär im innerstädtischen Gefüge. Während der Vorgängerbau aus den 1970er Jahren direkt an den umliegenden Bestand anschloss, positioniert sich das neue Montforthaus freistehend ohne Vorder- und Rückansicht, sondern mit umlaufend gleichwertig attraktiven Seiten.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

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Mitiska Wäger Architekten
Bludenz

(Arbeitsgemeinschaft)

FOTO: Benjamin Marte, Bludenz

PERFEKT EINGEPASST IN DIE ALTSTADT. Erst das Drehen des Foyers aus der Bühnen-Saal-Achse ließ zu, dass sich die große Kubatur in die historische Altstadt perfekt einpasst. Die Gebäudekontur orientiert sich an den umgebenden Platzkanten und der angrenzenden Bebauung. So gelingt die Gewichtung der umliegenden Stadträume ausgewogen und gleichwertig.

Wie ein Kieselstein im Flussbett wird das neue Kulturhaus von den drei angrenzenden Plätzen „umspült“. Dadurch verschmelzen diese zu einem großflächigen Außenraum, der den Stadtpark mit der Altstadt verbindet.

Ebenso selbstverständlich und fließend wird der Besucher in das Gebäude und von dort über eine frei geformte, viergeschossige Foyerlandschaft mit offenen Galerien unter einem verglasten, taghellen Atriumdach weitergeführt. Über barock schwingende Treppen gelangt man spiralförmig empor zu den Sälen oder in die Bar auf der Dachterrasse, wo der Blick auf die geschichtsträchtige Schattenburg und den Rösslepark freigegeben ist. Das Haus inszeniert im Zentrum der Altstadt eine Bühne des gesellschaftlichen Lebens.

WEITUNG DES STADTRAUMS. Durch das Zurücksetzen des Gebäudes vom Rössleplatz entsteht eine der neuen Wegeachsen. Die Stadt scheint dort nicht mehr ihr Ende zu haben wie zuvor, sondern geht jetzt nahtlos in den anschließenden Rösslepark über. Spaziergänger dieses Stadtparks werden durch die Weitung des Stadtraums in die Altstadt eingeladen.

Die zuvor beengte urbane Situation wurde aufgelöst, und die denkmalgeschützte, sieben Meter hohe Stadtmauer konnte erhalten und freigestellt werden. Durch eine Neuorganisation des Straßenraums mit Querverbindungen in die schönen Altstadtgassen wurde Raum geschaffen.

Der neu gestaltete Montfortplatz erstreckt sich über 3.500 Quadratmeter. Er wurde mit Bauminseln, der altstadttypischen Granitpflasterung und einem neuen Brunnen ausgestattet.

Auch in der vertikalen Staffelung der Traufhöhen nimmt der Bau auf umliegende Bauten Rücksicht: Für den Bühnenturm und die LKW-Zufahrt wird der Niveauunterschied zum tiefer gelegenen Gymnasiumhof genutzt. Die Räume der Gastronomie binden den Bühnenturm selbstverständlich in die Dachlandschaft ein.

UNGEHINDERTE SICHTBEZÜGE. Der Haupteingang liegt zum Rösslepark hin orientiert und lädt mit transparenter Geste in das Montforthaus ein. Er führt direkt in eine fast 15 Meter hohe Foyerlandschaft, die sich für den Besucher licht und offen präsentiert.

Der fließende Charakter des voll verglasten Foyers zieht die umliegenden Plätze in das Haus hinein und schafft ein weites Raumgefühl im Inneren. Dies wird durch ungehinderte Sichtbezüge in das äußere Umfeld der Plätze bis hin zur historischen Stadtmauer unterstützt. Die Stadt wird zur umlaufenden Kulisse.

Seitlich vom Haupteingang befindet sich der Empfang, mit Information und Service. Ebenengleich wird der Große Saal zweiseitig erschlossen.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

4-GESCHOSSIGE FOYER-LANDSCHAFT. Eine großzügige Treppenskulptur führt den Besucher vom Haupteingang durch das Haus auf die Galerieebenen, zum Kleinen Saal, den Seminarbereichen und in weiterer Folge bis zur Dachterrasse. Die freien Durchblicke ermöglichen bereits bei Betreten des Gebäudes die Wahrnehmung des Ganzen und erleichtern damit für die Besucher die Orientierung. Damit wird auf selbstverständliche Weise das Foyer mit den Mehrzweckflächen und der Dachterrasse zu einem Eventbereich verknüpft.

Das über alle Geschosse zusammenhängende Raumkontinuum mit seinen Galerien und vielfältigen Blickbeziehungen ist insbesondere für große Veranstaltungen hervorragend geeignet. Flexibel zuschaltbare Mehrzweckflächen ermöglichen eine große Bandbreite an Bespielungsvarianten, die über die großzügige Oberlichtverglasung natürlich belichtet werden.

Die direkte Anbindung über den Treppenweg des Atriums macht die Dachgastronomie auch für kulturelle Veranstaltungen am Abend gut nutzbar. Gleichzeitig kann diese auch über ein gesondertes Treppenhaus mit Aufzug unabhängig erschlossen werden.

GROSSZÜGIGE TREPPENSKULPTUR. Die frei geschwungene Treppe wird in ihrer plastischen Wirkung durch weiße Umwehrungen betont, gestaltet mit weißer Kalkglätte – einer abwaschbaren Spachtelung aus gebranntem Kalk, Olivenöl und Seife. Sie ist wesentlicher Bestandteil der Gebäudestruktur und verleiht dem Bauwerk auch im Inneren einen kraftvollen, einprägsamen Ausdruck mit hohem Wiedererkennungswert. Lichtbänder, die dem Verlauf der Umwehrungen jeweils deckenunterseitig folgen, unterstreichen die formale Bedeutung der Treppenskulptur.

Die Anlieferung ist zum Gymnasiumhof orientiert. Nebeneingänge für Künstler und Personal befinden sich nord- bzw. ostseitig.

Die öffentliche Parkgarage liegt direkt unter dem Montforthaus. Die Anbindung an den Leonhardsplatz erfolgt über eine Liftanlage, die Anbindung an den Stadtkern über eine Treppen- und Liftanlage in einem eigenständigen Glas-Baukörper auf dem Gymnasiumhof. Diese Aufgänge sind öffentlich nutzbar.

Zur internen Erschließung des Montforthauses wurde ein nicht öffentlicher Aufgang im Bereich Ziegelhofgasse errichtet. Darüber hinaus sind der Anlieferungs- und Bühnenbereich direkt über einen Lastenaufzug angebunden.

FUNKTIONELLE GEBÄUDESTRUKTUR. Jenseits des öffentlichen Bereiches entwickelt sich die übersichtliche Abfolge der für den Betrieb des Hauses notwendigen Funktionen. Die Verwaltungsebene mit ihren natürlich belichteten und belüfteten Arbeitsräumen und attraktiven Ausblicken liegt offen am Luftraum des Foyers angeordnet, ist dem Besucher aber nicht zugänglich.

Der Bühnenturm orientiert sich zum Gymnasiumhof, darunter befindet sich baulich abgeschirmt die Anlieferung. Der Große Saal wird von dem darunter liegenden Stuhllager mit Hilfe der Hubbühne, welche den Orchestergraben auf Saalniveau anheben kann, angedient. So sind schnelle und flexible Umbaumaßnahmen in kürzester Zeit möglich. Der Große Saal kann sowohl über die Hubbühne als auch über den großen Lastenaufzug direkt von der Anlieferung angedient werden.

Der Zugang für die Künstler zu den Garderoben befindet sich auf der Ostseite des Gebäudes auf Höhe der Ziegelhofgasse. Die Erschließung aller Künstlergarderoben funktioniert unabhängig vom Besucherverkehr. Alle Garderoben können natürlich belichtet und belüftet werden. Zwei Garderoben befinden sich auf Bühnenniveau.

Die Anlieferung versorgt direkt den Bühnen-, Lager- und Gastronomiebereich, ohne die Wege der Künstler und Gäste zu tangieren. Der nordöstliche Hof zwischen Montforthaus und Entenbachgasse bietet genügend Platz für die Aufstellflächen von Sattelaufliegern, Tourneebussen und Übertragungswagen und schirmt diese baulich von den anderen öffentlichen Plätzen ab.

Je ein geräumiger Lastenaufzug bedient die Säle aus den Lagern und die Bühne direkt aus der Anlieferung. Die beiden zentral angeordneten Speisenlifte versorgen die Schankräume der Säle, das Bistro sowie die Mehrzweckflächen direkt aus der Küche. Auch die Küchenräume erhalten Tageslicht.

Mit dem städtischen Haus wurden insgesamt 12.700 Quadratmeter Brutto-Grundfläche geschaffen. Die funktionalen Kernelemente des Hauses – der Große Saal, der Kleine Saal, der Mehrzwecksaal und der Seminarbereich – befinden sich auf kurzem Weg um das Foyer verteilt und sind flexibel schaltbar angebunden.

Die zusammenhängende, offene Foyerzone bildet eine großzügige Vorfläche zum Großen Saal aus. Großer und Kleiner Saal sowie Mehrzweckräume sind formal zu einem organischen Körper zusammengefügt, auch von außen ablesbar.

Die benachbarte Anordnung der drei Säle ermöglicht das Zusammenschalten zu einem weitläufigen Raum, der auch für Großveranstaltungen gut geeignet ist. Zusammen mit dem Foyer entsteht so eine maximal ausgedehnte Veranstaltungsfläche, beispielsweise für Ausstellungen und Messen. Mobile Trennwände zwischen den Sälen ermöglichen auch den gleichzeitigen Betrieb. Mobile Podeste, Stufen auf der Galerie sowie temporäre Podestelemente im Kleinen Saal gewähren von allen Plätzen aus den freien Blick auf die Bühne.

Auch die Seminarbereiche im ersten Obergeschoss und im Untergeschoss bieten hohe Flexibilität in der Nutzung und ermöglichen unterschiedlichste Raumbelegungen. Die autarke Nutzung ist durch separate Erschließungen sichergestellt.

Die direkte Anbindung des Dachgeschosses über den Treppenweg sowie den zentralen Aufzug machen den Sommergarten mit dem Café dort oben auch für kulturelle Veranstaltungen am Abend ideal nutzbar. Die öffentlich zugänglichen Bereiche des Montforthauses sind für Körper-, Seh- und Hörbehinderte mit entsprechenden Hilfseinrichtungen ausgestattet und barrierefrei erschlossen.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin
FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

MODIFIZIERBARE RAUMAKUSTIK. Das Ziel, im Montforthaus eine Akustik zu schaffen, die es den Musikerinnen und Musikern eines Orchesters sowie den Besuchern eines klassischen Konzertes ermöglicht, ein Hörempfinden zu erleben, wie es sonst nur in einem Konzerthaus der Fall ist, war eine große Herausforderung. Neben der orchestralen Nutzung des Montforthauses finden aber auch viele Veranstaltungen statt, bei denen Sprache eine wichtige Rolle spielt. Die raumakustische Auslegung eines Saals erfolgt auch gemäß dieser zweiten vorgesehenen Nutzung mit der besonderen Herausforderung, dass sich die jeweils dazu passenden raumakustischen Anforderungen widersprechen.

Dem Schwerpunkt der orchestralen Nutzung konnte durch den hölzernen Ausbau sowie durch die Raumgröße sehr gut entsprochen werden. Um aber auch für Sprache ein Optimum erreichen zu können, haben die Planer nach konstruktiven Lösungen gesucht, um durch variable Oberflächen die akustische Eigenschaften ändern zu können. So konnten mehr als 300 Quadratmeter variable Oberflächen geschaffen werden, wie zum Beispiel sechs bewegliche Schallsegel in der Decke des Saals.

Die diversen Elemente werden zum Teil motorisch, zum Teil mechanisch – je nach Nutzung des Saals – akustisch aktiviert oder deaktiviert. Damit kann die Nachhallzeit optimal an die jeweilige Anforderung angepasst werden. Der Betreiber des Montforthauses ist so in der Lage, die erforderliche Raumakustik passend zur vorgesehenen Nutzung einzustellen.

Zur Verbesserung der Akustik im Konzertfall kann auf der Bühne ein Orchesterzimmer eingerichtet werden. Das Orchesterzimmer besteht aus verfahrbaren, ineinander schiebbaren Seitenteilen mit akustisch hochwertiger Reflexionsschicht. Fünf in ihrer Neigung verstellbare Schallsegel schliessen das Orchesterzimmer zum Bühnenturm nach oben hin ab und garantieren eine optimale Schallreflexion.

Der für 1.100 bis 3.000 Personen nutzbare Große Saal ist innen wie außen mit Birnenholz verkleidet. Der im Galeriebereich zuschaltbare Kleine Saal für 270 Gäste ist golden, der erdgeschossige Mehrzweckraum bronzefarben. Vier Seminarräume können jeweils 60 bis 100 Personen aufnehmen. Der Bodenbelag in diesen Räumlichkeiten ist einheitlich weiß geöltes Eichen-Stabparkett.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

MULTIFUNKTIONALE BÜHNENTECHNIK. Wie auch im Hinblick auf die Akustik mussten die Planer bei der technischen Ausstattung den Spagat zwischen den sehr unterschiedlichen Nutzungen von Konzerten, Kongressen, Bällen etc. bewältigen. Alle diese Bespielformen haben Nutzungsinhalte mit unterschiedlichen technischen Ansprüchen, die sich teilweise widersprechen. So wurden bestimmte Bauteile multifunktional entwickelt.

Der Wunsch, szenische Verwandlungen möglich zu machen, schien wegen der städtebaulichen Höhenbegrenzung auf den ersten Blick unmöglich erfüllbar. Benötigt man dazu doch die fast dreifache Höhe der Bühnenportalöffnung.

Der Bühnenturm wurde daher in Segmente mit Schnürboden – sogenannte Technikstege – und Segmente ohne Schnürboden aufgeteilt. Eine solche Anordnung wurde bisher nirgends in dieser Form angewandt, ist also eine Novation für die hier geforderten Zwecke.

Die Decke ist von allen Stellen her für die Wartung erreichbar und hat die nötige Höhe, um Dekorationen für die Augen des Betrachters komplett verschwinden zu lassen. Kettenzüge ermöglichen die Befestigung von Requisiten, auch z.B. zusätzlicher Riggs.

Die Bühne hat eine Hauptspielfläche von 15 mal 12 Metern. Das vor der Hauptbühne angeordnete Orchester- und Transportpodium kann mit einer Fläche von rund 48 Quadratmetern vom Bühnenniveau über das Saalniveau zu den Lager- und Andienungsflächen in den Untergeschossen in einer Hubhöhe von ca. 8,50 Metern verfahren werden und dabei eine dynamische Last von vier Tonnen bewegen. Das Podium mit Schubkettenantrieb dient somit zum Transport von großen Dekorationsteilen, der Andienung der Stuhl- und Tischlager sowie wahlweise als Saalfläche oder Vorbühnenerweiterung.

Der, im Grundausbau ohne Steigung gehaltene, Saal kann bei Konzert- und Theaterveranstaltungen mittels einer fahrbaren Tribüne mit neun Sitzstufen bestückt werden. Die zusammengefahrenen Podestteile werden mittels Luftkissen bewegt und können in den untergeschossigen Lagern verräumt werden.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

LICHT MIT VARIIERBARER FARBTEMPERATUR. Neben den erwähnten Besonderheiten der Bühnentechnik sind auch die Beleuchtung im Saal und im Foyer bemerkenswert. Das Lichtplanungsbüro entwarf eine Lichtgestaltung, welche dem architektonischen Grundgedanken des Hauses folgt.

Das durch die großen Glasflächen einfallende Tageslicht wird im Innenraum weitergeführt und erzeugt eine gleichmäßige und selbstverständliche Lichtwirkung im gesamten Foyer. Durch die Möglichkeit, die Farbtemperatur der Leuchten zu variieren, kann je nach Anlass und Tageszeit die gewünschte Stimmung erzeugt werden.

Um die Formensprache des Baus hervorzuheben, tritt die Lichtquelle in den Hintergrund – die Idee der Architektur mit ihren fließenden, geschwungenen Formen wird durch indirekt hinterleuchtete Vouten erlebbar gemacht.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

INNOVATIVE LEUCHTE FÜR JEDE RAUMHÖHE. Für die variierende Raumhöhe von 2,40 bis 10 Meter wurde eine Leuchte entwickelt, die durch divergierende Abstrahlwinkel und Wattagen durchgehend im gesamten Haus eingesetzt werden kann. Die Lichtplaner entwickelten in Zusammenarbeit mit dem Leuchtenhersteller eine LED-Sonderleuchte, deren Farbtemperatur von tageslichtähnlichem Weiß (für Messen und Kongresse) stufenlos in ein festliches Warmweiß verändert werden kann und somit völlig variabel ist. Verbunden mit einer kameratauglichen „flickerfree“ Dimmtechnologie, die der Hersteller im Vorfeld gemeinsam mit dem ORF getestet hat, ist dies eine Innovation auf dem Markt der Architekturbeleuchtung.

Für eine hohe Energieeffizienz sorgt das optimierte Thermomanagement der Leuchte. Eine passive Kühlung gewährleistet die maximale Lichtausbeute und senkt damit den Energieverbrauch. Hohe Energieeffizienz und die besonders langen Wartungsintervalle der Leuchte sind kostensparend und entsprechen der Anforderungen der Stadt Feldkirch als eine der führenden Umweltstädte Österreichs.

ZEITGEMÄSSER LÜSTER. Die installierten farbigen Lichtquellen bedienen vor allem die Pop-Veranstaltungen und Bälle im Montforthaus. Mittelpunkt des Foyers ist die moderne Interpretation eines Lüsters, der in der Formensprache der Architektur in einer organischen Dreiecksform den gläsern überdachten Foyerbereich definiert und ausleuchtet. Wie alle Leuchten der öffentlichen Bereiche des Gebäudes kann auch der Lüster in seiner Farbtemperatur dem jeweiligen Nutzungsanlass angepasst werden.

TRANSPARENTE FASSADENBÄNDER. Horizontale, geschosshohe Fassadenbänder treten aus der amorphen Kubatur hervor oder springen hinter die Fassadenebene zurück. Als transparente Fassaden ausgebildet, stellen sie den Dialog zwischen Innen und Außen her.

So wird einerseits das Herz des Hauses – der Große Saal – von außen sichtbar und das „Innenleben“ für die Passanten erlebbar. Andererseits wird das Stadtpanorama zur Kulisse.

HELLER JURAKALKSTEIN. Nach langen Studien zu den opaken Fassadenanteilen des Hauses verzichteten die Architekten bewusst auf beispielsweise weiß durchgefärbten Beton oder emaillierte Gläser. Stattdessen entschieden sie sich für den Naturstein, weil er sich hervorragend in die Altstadt einfügt. Der Blick über das Felsenau-Tal verdeutlicht die Integration und zeigt, wie sehr eines der ältesten Gebäude, die Schattenburg, und das neueste Gebäude im Tal in ihrer Farbigkeit und Körnung harmonieren.

Die vertikal gegliederte Natursteinfassade aus hellem Jurakalkstein, die ohne gerundete Oberflächen auskommt, unterstreicht die skulpturale Wirkung des Baukörpers und verleiht dem Haus eine noble Zurückhaltung. Das von den umliegenden Höhen einsehbare Dach erhielt überwiegend eine Begrünung mit begehbaren Terrassenflächen sowie bereichsweise in die Dachkonstruktion integrierte Photovoltaik-Lamellen. Auf einer Fläche von 2.150 Quadratmetern wurde der Jurakalkstein in teilweise über zwei Meter langen, nur 30 Zentimeter schmalen und vier Zentimeter starken Natursteinplatten angebracht.

WIE WELLEN EINES VORHANGS. An den Längskanten erhielten die Platten präzise gefräste Falze, dank welcher die Elemente überlappend und ohne Zwischenräume hinterlüftet montiert werden konnten. Zur Akzentuierung und Gliederung der Fassade erhielten die Platten mittig einen weiteren „optischen“ Falz.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

Die variierenden Fugen strukturieren die Fassade wie Wellen eines Vorhangs. 1.880 Nummern wurden für diese vergeben und mittels genauem Fassadenplan versetzt. Das Gewicht einer einzelnen Platte beträgt rund 60 Kilogramm.

FOTO: Svenja Bockhop, Berlin

GREEN & SMART BUILDING. Das Montforthaus wurde nach den Maßgaben von „Green & Smart Building“ geplant. Es entspricht der Energieeffizienzklasse A. In allen Stadien der Planung wurden systematisch Synergieeffekte von Architektur, Haustechnik und Bauphysik entwickelt.

Das integrale LifeCycle-Konzept reduziert sowohl Betriebs- als auch Investitionskosten. So wurde für die Bauteile von vornherein ein doppelt so hohes wie gesetzlich vorgeschriebenes Wärmeschutzniveau festgelegt.

INTEGRALES LIFECYCLE-KONZEPT. Die Wärme- und Kälteversorgung wird über eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe gesteuert, während die Lüftungsanlage an eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung gekoppelt ist. Umfangreiche dynamische Gebäudesimulationen sowie Tageslichtsimulationen konnten darüber hinaus zur Optimierung des Sonnenschutzes und zur Minimierung der Heiz- und Kühllasten wesentliche Beiträge leisten.

Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage installiert. Stellplätze für Elektrofahrräder und Elektroauto-Tankstellen gehören ebenfalls zur Ausstattung des Gebäudes.

Die Bremsenergie, die bei herkömmlichen Aufzügen in Wärme umgewandelt wird, wird im Montforthaus mittels eines erweiterten Frequenzumleiters in elektrische Energie gewandelt. Diese wird ins Hausnetz eingespeist.

NACHHALTIGE MATERIALWAHL. Es wurde kein neues Bebauungsgebiet erschlossen, sondern auf der Grundfläche des alten Hauses gebaut. Lack, Farbe und Dämmstoffe wie auch die Fassade wurden nach Umweltkriterien ausgewählt und verwendet. Der Jurakalkstein der Fassade kommt aus Süddeutschland, und die Wandverkleidungen im Inneren wurden größtenteils in heimischer Birne ausgeführt.

Selbst die Gastronomie im Obergeschoss bietet vorrangig regionale Produkte an. Der Eigentümer trägt das nachhaltige Gebäudekonzept vorbehaltlos mit und ließ sich mit dem Österreichischen Umweltzeichen als „Veranstaltungsort für green meetings und green events“ zertifizieren.