Neubau Instituts- und Laborgebäude für Maschinen- und Energietechnik der HTWK Leipzig – Nieper-Bau

Neubau Instituts- und Laborgebäude für Maschinen- und Energietechnik der HTWK Leipzig - Nieper-Bau

Campuserweiterung im städtebaulichen Kontext

Das Grundrisskonzept ermöglicht sehr unterschiedliche Raumgrößen mit differenzierten Anforderungen hinsichtlich Nutzung, Ausstattung und technischer Konditionierung

KONZENTRATION DER FACHBEREICHE. Die langfristige Konzeption der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig sieht eine Konzentration der Fachbereiche im Campus an der Karl-Liebknecht-Straße vor. Diese Zusammenführung optimiert die Lehre und das Studium sowie die Nutzung der Ressourcen der Hochschule.

Mit der Verlagerung der Fakultät Maschinenbau und Energietechnik von seinem jetzigen Standort in Markkleeberg soll die Konzentration der Fachbereiche abgeschlossen werden. Damit bildet der Neubau den Schlussstein für den Campus der HTWK.

KLARER, KOMPAKTER BAUKÖRPER. Der Neubau des Instituts- und Laborgebäudes für Maschinenbau und Energietechnik ergänzt die Fakultäten am Campus der HTWK Leipzig an der Karl–Liebknecht-Straße. Der klare kompakte Baukörper führt als Gegenüber zur dominanten Kubatur des Lipsius-Baus die städtebauliche Kante an der Karl–Liebknecht–Straße in der sich auflösenden gründerzeitlichen Blockstruktur der Umgebung fort.

Mit seinem Haupteingang öffnet sich das Gebäude an der Ostseite zur Karl–Liebknecht–Straße und tritt so in Wechselbeziehung zu den anderen Fakultätsgebäuden am Campus. Der fünfgeschossige Baukörper mit einer Gebäudetiefe von 22 m nimmt die Traufhöhen der umgebenden Gebäude auf. Durch den relativ schlanken rechteckigen Baukörper wurde die zur Verfügung stehende Grundstückfläche minimal überbaut.

AWB ARCHITEKTEN
Blasewitzer Straße 78
D-01307 Dresden
Tel. +49 (0)351 / 4970 9-0
Fax +49 (0)351 / 4970 9-20
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AUFTRAGGEBER
Sächsisches Immobilien-
und Baumanagement
Niederlassung Leipzig II

Tieckstraße 2
D-04275 Leipzig
www.sib.sachsen.de

ERSCHLIESSUNG. Die Zufahrt für die Ver- und Entsorgung erfolgt in Höhe der gegenüberliegenden Gustav-Freytag-Straße über eine neu geschaffene Zufahrt auf das rückwärtige Gelände. Die Ausfahrt erfolgt über die Eichendorffstraße.

Damit ist eine auch für die zukünftige Nutzung  des Gebäudes sinnvolle Umfahrung möglich, ohne auf dem ohnehin schmalen rückwärtigen Gelände Wendemöglichkeiten vorsehen zu müssen. Auf diese Weise ist die direkte Andienung der erdgeschossigen Versuchshallen, der Fachbereichswerkstatt Bauwesen und des Lastenaufzuges möglich.

Die innere Erschließung erfolgt vorrangig über das mittlere Treppenhaus, das vom Foyer im EG ausgehend alle Geschosse gleichrangig bedient und die innere Kommunikation wesentlich unterstützt. Für die vertikale Erschließung in unmittelbarer Nähe zum Hauptfoyer sorgen weiterhin zwei Personenaufzüge und ein Lastenaufzug zur Bestückung von Versuchsaufbauten in allen Geschossen und auf dem Dach.

BARRIEREFREIER ZUGANG. Fußläufig ist das Gebäude von der Karl-Liebknecht-Straße aus erschlossen. Der Zugang erfolgt über doppelflügelige Windfangtüren und eine behindertengerechte Tür in das Foyer des Erdgeschosses.

Behinderten-Stellplätze befinden sich auf der Hofseite des Gebäudes. Von hier erfolgt der ebenerdige Zugang über die mittig im Gebäude angeordnete Zugangstür in das Foyer.

Die Haupttreppe und 2 Personenaufzüge führen vom Foyer an zentraler Stelle in alle Etagen. Im Erdgeschoss und 3. Obergeschoss sind Behinderten-WCs an zentraler Stelle in Nähe der Aufzüge angeordnet.

OPTIMIERTES A/V-VERHÄLTNIS. Mit dem Grundrisskonzept wurde das Ziel verfolgt, die sehr unterschiedlichen Raumgrößen mit differenzierten Anforderungen hinsichtlich der Nutzung, Ausstattung und technischen Konditionierung innerhalb der vorgegebenen Geometrie zu ordnen.

Durch die „Schichtung der Funktionen“ und Zusammenfassung von Bereichen mit ähnlichen technischen und räumlichen Anforderungen wird eine Optimierung der Kubatur, Baukonstruktion und technischen Ausstattung erreicht. Der kompakte Baukörper weißt ein optimiertes Verhältnis von Oberfläche zu Volumen auf.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


BESCHICHTUNGSARBEITEN TREPPEN
Bausanierung Günter Seidel
Kärrnerstraße 10
D-08261 Schöneck im Vogtland
Tel. +49 (0)3746 4 / 8822 5
Fax +49 (0)3746 4 / 8391 5
BauSeidel@aol.com
www.bausanierung-seidel.de

VERSUCHSHALLEN IM EG. Im Erdgeschoss und in Teilen des Untergeschosses konzentrieren sich die Versuchshallen mit der geforderten lichten Höhe von mindestens 4 m und den besonderen Anforderungen an technische Ausstattungen und die mögliche Andienung von außen.

ZENTRALE RÄUME IM 1.OG. Im ersten Obergeschoss sind die zentralen Räume der Fakultät untergebracht (Dekanat / Seminarräume). Das Dekanat mit den zugehörigen Büroräumen ist separat erschließbar. Dieser Ebene sind weiterhin die CAD Arbeitsplätze für den Maschinenbau als eher ruhige Raumbereiche zugeordnet.

FACHGEBIETE IM 2.-4. OG. Im zweiten bis vierten Obergeschoss befinden sich die Fachgebiete mit ihren Büros, Praktikumsräumen und Kabinetten. Weiterhin nimmt das 4. OG auch die geforderte Dachfläche zur Aufstellung von Technik zur Nutzung regenerativer Energien auf.

VERSUCHSSTÄNDE VOM 1.-4.OG. Die Versuchsstände „Funktionsmodell Heizungsanlage“ und „Abwasserturm“ erstrecken sich übereinander ab dem 1. Obergeschoss bis zum 4. Obergeschoss, eingeordnet am Nordostgiebel über die gesamte Gebäudehöhe. Damit wird auch eine Zusammenschaltung bzw. Nutzung für Funktionsmodelle über eine Höhe von über 16 m möglich.

ERSCHLIESSUNGSZONE IN LÄNGSRICHTUNG. In Längsrichtung wird der Baukörper durch eine Kernzone mit allen Erschließungs-, Nebenräumen und Technikschächten gegliedert. Die Flure werden durch Aufweitungen mit Kontakt zur Fassade gebrochen und bieten so gezielte Ausblicke in die Umgebung und die benachbarte Grünfläche.

Die Kernzone trägt dabei wesentlich zur akustischen Trennung der Räume für Praktika von den Arbeitsräumen der Mitarbeiter bei. Die gewählte Gebäudetiefe ermöglicht sowohl die Einordnung der großen Versuchshallen als Zweispänner im EG, wie auch die Anordnung von Büroräumen und Kabinetten mit unterschiedlichen Raumtiefen in den Obergeschossen durch Bildung eines Dreispänners.

Die straßenabgewandte Freifläche gliedert sich in eine befestigte Fläche für die wasserbauliche Versuchsanlage und spezielle Montagearbeiten sowie studentische Pausenflächen, welche sich südlich mit dem Ausblick in die benachbarten Grünflächen des Grundstückblocks großzügig erweitern.

FASSADE AUS METALLPANELEN. Als Teil der innerstädtischen Bebauung reagiert das Gebäude in seiner Kubatur auf die angrenzende Umgebung. Um diesen Eindruck mit der Gestaltung der Fassadenflächen zu stärken, wurde eine homogene Gebäudehülle aus Metallpanelen umgesetzt.

SONNENSCHUTZ DURCH MANIPULATOREN. Die integrierten Fensterflächen wurden mit perforierten Vertikallamellen - sogenannten Manipulatoren - ausgerüstet. Sie gewährleisten den erforderlichen Sonnenschutz und erzeugen durch stufenlose Verstellung ein wechselndes Fassadenbild oder definieren im geschlossenen Zustand deutlich den Charakter des einheitlichen Baukörpers.

HOCHWÄRMEGEDÄMMTE KONSTRUKTION. Mit den Fensterbändern reagiert die Fassade in einfacher Weise auf die unterschiedlichen Raumgrößen, deren Trennwände im Raster von 1.35m unterschiedlich an die Außenwand Stoßen. Die hinterlüftete Vorhangfassade unterstreicht den technischen Charakter des Gebäudes.

GLASFASSADEN UND LICHTGITTERROSTE. Die Einschnitte im EG und DG werden durch teilweise geschossübergreifende Glasfassaden mit reduzierten Profilansichten definiert. Die Fassaden- und Fensterflächen der Versuchshallen und Werkstätten prägen mit einer vorgelagerten Metallstruktur von Lichtgitterrosten den Straßenraum und erhalten dadurch Sicht- und Blendschutz.

Nord- und Südseite werden als Enden des ca. 100 Meter langen Gebäuderiegels durch großzügige Verglasungen gegliedert. Damit können Treppenhäuser, Flure, Besprechungsräume sowie der Abwasserturm sinnvoll belichtet werden. Diese zurückgesetzten Verglasungen wirken durch geschossübergreifende Metallgitter in der Fassadenebene optisch geschlossen und sind wiederkehrendes Motiv zu den Vergitterungen der unteren Ebenen.

FERNWÄRME UND FREIE KÜHLUNG. Heizungstechnisch wird das Gebäude über die in der Eichendorffstraße anliegende Fernwärmetrasse versorgt. Die geforderte Kühlung von rund zwanzig Prozent der Räume erfolgt durch freie Kühlung in Verbindung mit einer Kompressionskältemaschine für Spitzenlasten.

Die Stromversorgung erfolgt über eine Mittelspanungseinspeisung und einen am Nachbargiebel an der Eichendorffstraße errichteten Transformator. Von dort erfolgte die unterirdische Einspeisung in das Gebäude.

Auf dem Grundstück anfallendes Regenwasser wird in einer als wasserbauliche Versuchsanlage ausgeformten Zisterne gesammelt und für die Toilettenspülung im Gebäude genutzt. Überschüssiges Wasser wird in Richtung Eichendorfstraße abgeleitet.

Das Gebäude besitzt eine Glasfaseranbindung an das Campusnetz. Die Ausführung erfolgte im geschlossenen Rohrvortrieb sternförmig zu den Nachbargebäuden des Campus.

HLS-PLANUNG
Günther Ingenieure
Gesellschaft Beratender Ingenieure mbH
Enderstraße 94
D-01277 Dresden
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TECHNIKZENTRALEN IM UG. Alle Technik-Zentralen befinden sich im Untergeschoss. Lüftungsanlagen sind nördlich und südlich direkt unter den Schächten aufgestellt, Elektro- und Sanitärzentralen sind in Gebäudemitte angeordnet, um ebenfalls kurze Installationswege zu bieten.

AKTIVIERUNG SPEICHERWIRKSAMER BAUWERKSMASSE. Hinsichtlich des Wärmeschutzes wurde das Gebäude nach dem zum Zeitpunkt der Planung geltenden Standard der EnEV 2009 ausgelegt. Nach Fertigstellung wurde eine 38-prozentige Unterschreitung des Primärenergiebedarfs ermittelt. Damit erfüllt das Gebäude ebenfalls die Anforderungen der EnEV 2014.

Sommerlicher Wärmeschutz wird zum einen durch einen wirksamen und an den Bedarf anzupassenden äußeren Sonnenschutz erreicht. Weiterhin wurden die massiven Wände und Decken nach Möglichkeit nicht durch Beplankungen etc. verstellt, um die speicherwirksame Bauwerksmasse in den Räume aktivieren zu können.

WIRKSAMER SCHALLSCHUTZ. Erhöhte Schallschutzanforderungen bestehen insbesondere zur Karl-Liebknecht-Straße. Die hier eingesetzten Fassadenkonstruktionen wurden deshalb in Schallschutzklasse IV ausgebildet. Rückwärtige und Fassaden ohne angrenzende Nutzung (Flure) erhielten auf Schallschutzklasse II ausgelegte Konstruktionen.

Raumakustische Anforderungen bestehen aufgrund der Hörsaalnutzung im EG sowie seminaristischer Nutzung im EG und 1. OG. Die Räume erhielten entsprechend wirksame Elemente zur Schalllenkung bzw. Absorberflächen. Besprechungsräume sowie Büros erhielten die notwendigen, in die Unterhangdecken integrierten, Absorberflächen. Räume unterschiedlicher Nutzung – insbesondere Maschinenräume wie Werkstätten und Prüfräume – wurden untereinander und zu Nachbarräumen besonders geschützt.

ANGEMESSENES KONSTRUKTIONSRASTER. Dem Gebäude liegt ein Konstruktionsraster von 5,40 m in Querrichtung zugrunde. In Längsrichtung wurden für die Praktikaräume auf der Westseite 8,10 m angesetzt und für Büros zuzüglich Flure auf der Ostseite 6,75 m.

Beide Platten kragen jeweils zur Gebäudemitte hin aus. Die Auflager wurden linienförmig als Unter-/Überzüge ausgebildet, um einem Durchstanzen entgegenzuwirken.

EFFIZIENTE TRAGSYSTEME. Damit ließen sich wirtschaftlich funktionierende Tragsysteme erstellen, die zugleich hinreichend Flexibilität in der Teilung der Räume bieten. Die resultierenden Deckenstärken wurden auf eine reguläre Verkehrslast von 5 kN/m² berechnet.

Notwendige Lasterhöhungen in Teilbereichen werden über Spannglieder in den Decken aufgenommen. Damit kann eine schlanke Konstruktion über alle Bereiche geführt werden.

Das Gebäude wird als monolithische Stahlbeton-Konstruktion ausgeführt. Die Gründung erfolgt als Flachgründung durch eine im Mittel ca. einen Meter starke Bodenplatte. Ausgesteift wird das Gebäude über Aufzugskerne, Mittelzone und Fluchttreppenhäuser.

FOTOS
Michael Moser Images, Leipzig
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WIRTSCHAFTLICHE GRUNDRISSE. Im gesamten Gebäude wurde ein Ausbauraster von 1,35 m (ganzer Teiler des Konstruktionsrasters von 5,40) zugrunde gelegt. Für die Büroflächen ergeben sich mit der gewählten Raumtiefe von 4,60 m wirtschaftliche, an die Bedarfsflächen angepasste Grundrisse. Die Praktikaräume und Kabinette können im genannten Raster flexibel entsprechend den Flächenanforderungen geteilt werden.

Wände im Keller und EG sind durchgängig massiv hergestellt. Notwendige Öffnungen werden durch großzügige Türelemente in Stahl-Glas-Bauweise definiert, um auch auf spätere Anforderungen reagieren zu können.

In den Obergeschossen wurden flurbegleitend mit Schichtstoffoberflächen bekleidete Ausbaukonstruktionen zwischen den Stahlbetonstützen eingesetzt. Damit können für den späteren Betrieb unempfindliche und dauerhafte Oberflächen gewährleistet werden. Für Einblicke in die Nutzungsbereiche sorgen wandbündige, raumhohe Verglasungen. Sie dienen gleichzeitig der Flurbelichtung und stärken den atmosphärisch lichten Charakter im Gebäude.

Die Trennungen zwischen den Räumen wurden als Ständerwandkonstruktionen ausgeführt. Hier können teils umfangreiche Leitungsinstallationen realisiert werden.

WERKSTEINBELAG UND INDUSTRIEPARKETT IM EG. Die Böden im Erdgeschoss erhielten im südlichen Teil aus Gründen der Verschleißfestigkeit und Dauerhaftigkeit sowie der besonders im Bereich des hinteren Zugangs zu erwartenden regelmäßigen Anlieferungen mit Hubwagen usw. einen Werksteinbelag. Die Werkstätten sind mit Holzpflaster ausgestattet. Dieses zeichnet sich durch seine hohe Robustheit aus, ist langfristig als das kratzerverträglichste Material einzustufen und reagiert damit optimal auf eine Werkstattnutzung.

WEICHBELÄGE IN NUTZRÄUMEN. Alle Böden im Kellergeschoss und in den Obergeschossen erhielten Linoleumbeläge zur Schaffung einer gesunden Arbeitsumgebung. Damit kann auf die Anforderungen von Praktika und administrativer Nutzung gleichermaßen reagiert werden. Der so geschaffene, gebäudeweit einheitliche, Charakter fasst die unterschiedlichen im Gebäude angesiedelten Nutzungen zusammen.

In Büros, Seminarbereichen und Hörsälen wurden einheitlich Unterdecken aus Trockenbau, anteilig als Akustikdecken hergestellt. Alle technischen Einbauteile wurden soweit möglich oberflächenbündig integriert. Praktika und Kabinette bzw. Labore erhalten freie Installationen.

BÄNKE UND HOCKER IN FRISCHEM FARBTON. Zur Umsetzung eines Mindestangebots an Kommunikationsmöglichkeiten wurden geschossweise wandbegleitende Sitzbänke und Hocker mit festen Oberflächen und frischem Farbton angeordnet. Die Anordnung erfolgte innerhalb von Flurnischen der geplanten Verkehrswege.