Neubau Gemeindehaus Heiligenhaus im Niederbergischen Land

Ein neuer Baustein im Kanon des Ensembles Kirche-Schule-Luthereiche

Angemessen proportioniert in einem architektonischen Höhepunkt der Stadt

MEHR ALS DENKMALPFLEGE. Die Alte Kirche bildet als Ensemble mit der benachbarten Schule und der am Eingang stehenden Luthereiche einen architektonischen Höhepunkt der Stadt Heiligenhaus – nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht. Das ehemalige Gemeindehaus sollte durch ein neues Alten- und Pflegeheim ersetzt werden.

Das zweigeschossige Gebäude an der Hauptstrasse 206 a war nicht in die neue Nutzung zu integrieren. Der bestehende Anbau versperrte zudem die Südostecke des Grundstückes. Durch die Entfernung des Anbaus wurden Wege frei.

NEUE WEGE. Der Baukörper des neuen Gemeindezentrums ist im Süden der Kirche platziert, die Längsseiten von den Giebeln des historischen Baus zurückversetzt. Durch die Form und seine Position gelang eine eindeutige Zuordnung und Gliederung der freiräumlichen Bereiche in der angemessenen Proportion auf besonders unaufwändige Weise.

Alte Wegebeziehungen im Westen konnten belassen und gestützt und neue Wege im Osten geöffnet werden. Neue Adressen wurden mehrfach generiert.

GLÄSERNE OFFENHEIT. Eine besondere, allseitige Herausstellung der Alten Kirche – dem für Heiligenhaus so bedeutenden Denkmal und zukünftigen Zentrum mehrerer Gemeinden – wurde ermöglicht. Ein neuer Baustein ist nun im Kanon des Ensembles Kirche-Schule-Luthereiche eingefügt.

Das neue Gemeindezentrum greift den Gebäudetypus der Alten Kirche in seiner Form auf und wird ergänzt mit großzügig einladender, allseitig gläserner Offenheit im Erdgeschoss. Darüber hinaus werden Materialität und Haptik aus den angrenzenden historischen Bauten abgeleitet und modern mit reduktiven Mitteln interpretiert.

GEMEINSAME DACHFORM. Der neue Baukörper steht in angemessener Distanz zum Kirchhaus. Kirche und Gemeindehaus behalten so ihre Eigenständigkeit im städtebaulichen Kontext und damit ihre jeweilig besondere Stellung für die Gemeinde und in der Gemeinde.

Die gemeinsame Dachform formuliert gleichwohl die Beziehung und Zugehörigkeit beider Häuser. Durch ihre höhere Trauf- und Firsthöhe bleibt die Kirche erstes Haus.

Kastner Pichler Architekten
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MULTIFUNKTIONALES ZENTRUM. Der gläsern geöffnete Saal im Erdgeschoss bildet ein neues multifunktionales Zentrum im Gebäudeensemble in Synergie mit den neu proportionierten Außenräumen. Die kurze bauliche Verbindung zur Kirche bildet die Brücke zum Gemeindehaus und mündet unmittelbar im Foyer. Die erdgeschossigen transparenten Fassaden zeigen zu allen Tageszeiten die Lebendigkeit des Gemeindelebens und laden ein, teilzunehmen.

Zu besonderen Anlässen lässt sich das Foyer durch Verschieben der Trennwände und Öffnen der Säle beliebig vergrößern. Durch zusätzliche Öffnung der Fassaden können Außen- und Innenraum, Säle, Kirchgarten und Kirchplatz zu einem großen bespielbaren Garten umgewandelt und für Feste und Veranstaltungen der Gemeinde ihren Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden. Die im Erdgeschoss angrenzenden und dienenden Funktionen wie Küche und WC können unkompliziert einbezogen werden.

KOSTENGÜNSTIGER RESERVERAUM. Im Obergeschoss ist die Verwaltung funktional eingerichtet. Die Satteldachform erlaubt, im Firstbereich unter dem unausgebauten, belüfteten Regenschutz „Reserveraum“ herzustellen, der im ersten Schritt zu einem geringen Anteil gegebenenfalls Technik beispielsweise für Lüftung oder Solaranlagen aufnehmen kann. Dieser Raum bietet spätere Ausbaumöglichkeiten ohne große Investitionskosten im Erstellungszeitraum.

Der Festraum im Untergeschoss kann von zwei Seiten separat erschlossen werden. Er erhält an der Platzseite im Westen eine mögliche interne Adresse.

Im östlichen Kirchgarten wird zusätzlich eine offene Treppe ergänzt, die gleichzeitig für natürlich Belichtung und Belüftung genutzt werden kann. Durch die Lage neben dem Gemeindehaus ist eine Belichtung von oben zusätzlich denkbar.

SCHMALE, LINEARE LEUCHTEN. Das durchgängige Leitmotiv der Beleuchtung ist eine schmale, lineare Leuchte. Aus dieser linearen Form werden für die unterschiedlichen Räume und Raumfunktionen Lichtlinien gestaltet.

Im Gemeindesaal und im Foyer wechseln sich die Lichtlinien mit den akustisch wirksamen Flächen (Lochung) in der Decke ab. Durch diesen Wechsel und das graphische Zusammenspiel der Elemente entstehen trotz hoher Anforderungen an Licht und Akustik ruhige und leichte Deckenspiegel.

LICHT VON INNEN NACH AUSSEN. In den Flurzonen sitzen die Lichtlinien zum Beispiel – im Vergleich zum Gemeindesaal – bewusst nicht in der Raummitte, sondern asymmetrisch entlang der Deckenkante. Diese peripheren Standorte nehmen die Lichtbänder gestaltend zurück, gleichzeitig strahlt das Gebäude durch den gewählten Standort angenehm nach aussen zur Platzfläche hin.

Die Lichtlinien spenden den Räumen eine offene Helligkeit. Dadurch, dass die Lichtlinien auf die Decke aufgesetzt sind, wird gleichzeitig die Decke aufgehellt.

In der Kapelle sind im Deckenversatz versteckt indirekt abstrahlende Deckenfluter integriert. Ihr Licht fängt sich an der gegenüberliegenden geneigten Decke.

VERSCHIEDENE LICHTSZENARIEN. Alle Leuchten sind in Gruppen schaltbar und regelbar. Im Gemeindesaal können auf diese Weise, und in Kombination mit der zusätzlichen Akzentbeleuchtung, verschiedene Lichtszenarien definiert werden.

In den öffentlichen Bereichen, die sich großzügig zum Tageslicht öffnen, wird die Beleuchtung in Abhängigkeit zum Tageslicht geschaltet und geregelt. Wahlweise kann diese Automatik zu bestimmten Anlässen ausgeschaltet und manuell nach Wahl im Lichtniveau eingestellt werden.

DIVERSE LICHTKOMPONTENTEN AUSSEN. Die Atmosphäre der Beleuchtung im Außenbereich setzt sich aus verschiedenen Lichtkomponenten und Lichtarten zusammen: Der Turm wird mit Licht akzentuiert. Die beiden Haupteingänge des Gemeindezentrums werden durch ein Uplighting markiert und als räumlicher Bereich beleuchtet. Auf der freien Platzfläche stehen zwei Lichtstelen. Ansonsten lebt der abendliche Außenraum von einem Miteinander der Außenbeleuchtung und dem Licht, das von innen nach außen strahlt.

TREFFPUNKT KIRCHVORPLATZ. Die Qualität der Freiräume um das neue Gemeindezentrum stellt sich offen und kommunikativ das Gemeindeleben fördernd dar. Eingefasst von überschaubaren Natursteinmauern und abgeschirmt zur Straße dominiert die vorhandene Luthereiche die Eingangssituation. Dort trifft man sich vor und nach dem Kirchgang, feiert und verabredet sich zu gemeinsamen Aktivitäten.

KONTEMPLATIVER KIRCHGARTEN. Der Kirchgarten ist ein Ort der kontemplativen Entspannung. Im Gegensatz zum Kirchplatz wird er von üppigem Grün in Form von Blütenstauden definiert, deren Charakter zum Schauen und Verweilen einladen.

GROSSZÜGIGER KIRCHPLATZ. Der Kirchplatz ist großzügig und offen gestaltet, so dass ein vielfältiges Miteinander für Feste und Aktivitäten der Gemeinde kultiviert werden kann. Räumlich wird der Platz in grünen Rändern durch eine Baumreihe aus Winterlinden dominiert.

Die notwendigen Besucherstellplätze sind oberirdisch angeordnet. Sie erschließen auf kurzem, barrierefreiem Weg das Gemeindezentrum.

Natursteinmauern definieren den Kirchhof als Platzfläche. Sitzstufen schaffen Aufenthaltsqualität.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


GARTENBAU
ROSENKRANZ GmbH & Co. KG, Velbert
www.rosenkranz-velbert.de

FOTOS
Kastner Pichler

REBENUMRANKTER KIRCHHOF. Als dem historischen Gemeindehaus zugeordneter kleiner Platz entwickelt der laubenumgebene Freiraum eine eigenständige Identität mit Charme. Er bildet mit seinen Möglichkeiten zum Sitzen und Verweilen unter Wein das Entree für den sich anschließenden Kirchgarten.

EINZELNE OBJEKTE INS LICHT GESETZT. Dem Kirchplatz wird eine einzelne Lichtstele zugeordnet. Durch ihre Proportion und harmonische Formensprache in Abstimmung mit der Architektur ist sie gleichzeitig Leuchte als auch gestaltendes Element für den Kirchplatz. Sie spendet ein weiches, räumliches Licht.

In Ableitung von der Gestaltung der Lichtstele des Kirchplatzes wird der Kirchhof mit filigranen, niedrigeren Leuchten bestückt. Das Motiv wiederholt sich an den Eckpunkten im Kirchgarten.

Da die Außenräume in vielerlei Bezug zueinander stehen und auch in der Weitsicht interessant sind, werden einzelne Objekte in Licht gesetzt. Dazu gehören die Hauptfassade der Kirche sowie die Akzentuierung einzelner Bäume. Die Akzentuierung dieser Objekte ist wesentlicher Bestandteil der Lichtatmosphäre am Abend.

NACHTLUFTKÜHLUNG UND WÄRMERÜCKGEWINNUNG. Die Lüftungszentrale ist im Dachraum (Spitzboden) untergebracht. Die Anlage ist in drei Sektionen geteilt, entsprechend der Teilbarkeit des Gemeindesaales in drei Gruppenräume. Sie arbeitet mit Nachtluftkühlung und Wärmerückgewinnung.

Die Lüftung heizt kontrolliert unterstützend zu einer Fußbodenheizung im Saal, die eine Grundtemperatur von 16 Grad Celsius herstellt. Alle anderen Bereiche sind konventionell mit Heizkörpern temperiert.

Die Energie wird durch einen energiesparenden Brennwertkessel erzeugt. Ost- und Westseite werden durch unabhängig voneinander funktionierende Temperaturfühler gesteuert.