Neubau Fraunhofer IWM MicroTribologie Centrum µTC Karlsruhe

Neubau Fraunhofer IWM MicroTribologie Centrum Karlsruhe

Reibung und Rauten für die Tribologie

kister scheithauer gross architekten gestalteten Forschungsgebäude in Karlsruhe

BRONZEFARBENE FASSADE. Tribologie befasst sich mit Reibung, mit wechselwirkenden Oberflächen in Bewegung. Eine Definition, die kister scheithauer gross (ksg) als Grundlage für die Fassadengestaltung des Neubaus diente. Bronzefarben eloxierte Rauten umspannen das Gebäude und überzeugten Bauherr und zukünftige Nutzer.

Von Seiten der Fraunhofer-Gesellschaft wurde das VOF-Verfahren für den Bau eines Prüfstandgebäudes für das MikroTribologie Centrum µTC (Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg) am Standort Mackensen-Kaserne ausgeschrieben und an kister scheithauer gross vergeben. Das MikroTribologie Centrum µTC Karlsruhe erforscht Reibungs- und Verschleißmechanismen auf der Mikro- und Nanoskala von Werkstoffen und erarbeitet Lösungen, um Reibung und Verschleiß in technischen Systemen wie Antrieben oder Werkzeugen zu verringern und einzustellen.

kister scheithauer gross
architekten und stadtplaner
GmbH

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4 FUNKTIONEN AUF 1.650 M². Das zweigeschossige Prüfstandsgebäude fasst auf 1.650 Quadratmetern im Wesentlichen vier Funktionen. Als Herzstück wurden im Erdgeschoss der Prüfstands- und Radionuklidbereich sowie dessen Werkstatt- und Lagerräume errichtet. Die Büroräume der Wissenschaftler mit Besprechungsraum und Pausenbereich sowie die zum Betrieb notwendigen Technikräume befinden sich im Obergeschoss.

Der nahezu quadratische Baukörper (30 m x 27 m) ist in die Tiefe des Grundstücks nochmals um das gleiche Volumen erweiterbar. Er wurde als Solitär geplant und ist als solcher mit einer einheitlichen Fassade versehen.

GEKANTERTE ALUMINIUMPLATTEN. Ziel der Außengestaltung war es, die hochtechnisierte Funktion der Labore einschließlich der „Reibungs“-Versuche auch äußerlich in der Fassadengestaltung ablesbar zu machen. „Insgesamt hat die Fassade die Darstellung der Reibung zweier Körper gegeneinander zum Thema“, erläutert Frau Prof. Susanne Gross den Entwurf, „jedoch ist die Einheit des Gesamtvolumens dadurch nicht in Frage gestellt“.

Aus diesem Grund wurde – gestalterisch angelehnt an zwei stilisierte Zahnräder, die aufeinander verlaufen – eine Fassadenrastersystematik entworfen, bei der die vorgehängte, bronzefarbene Fassade aus gekanteten Aluminiumplatten zusammengesetzt ist. Das so entstandene rautenförmige Muster bildet Vertiefungen und verläuft umlaufend über die Gebäudeecken hinweg.

FOTOS
Yohan Zerdoun

FUNKTIONAL BIS WOHNLICH. Das Innere des Gebäudes ist streng funktional und klar strukturiert. Die Grundrisse der beiden Geschosse sind jeweils um ein kommunikatives Zentrum herum organisiert. So sortieren sich die Laborräume im Erdgeschoss um einen Erschließungsraum in der Mitte des Gebäudes, im Zentrum der Büroräume im Obergeschoss dient der Pausenbereich als Treffpunkt für die Wissenschaftler.

Trotz der klaren und zurückhaltenden Gestaltung im gesamten Gebäude, welche bewusst gewählt wurde, um nicht in Konkurrenz zu den Forschungsinhalten zu treten, ist das Innere weit mehr als ein steriles Laborgebäude. So entstehen an verschiedenen Stellen des Gebäudes (Treppenhaus, Besprechungsraum, Pausenbereich) durch Oberlichter besondere Lichtsituationen mit sakralem Charakter. Im Obergeschoss erzeugen die Holz-Deckensegel eine warme, wohnliche Atmosphäre.