Neubau Elbarkaden Hamburg-HafenCity

Integrative Landmarke

Das ganzheitliche Gebäudekonzept mit seiner Planungs-, Gebrauchs- und Umnutzungsflexibilität gewährleistet ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit

URBANER NUTZUNGSHYBRID. Der städtebauliche Kontext und die repräsentative Lage am Wasser bildeten die entwurfsbestimmenden Faktoren für das integrative Gebäude-Ensemble im Osten des Hamburger Stadtteils HafenCity. Prägendes Element für das Erscheinungsbild des lang gestreckten Gebäudekörpers ist die sich zum Wasser hin öffnende Stadtloggia. Sie bildet für den Magdeburger Hafen eine prägnante, nach Westen ausgerichtete Raumkulisse und weckt mit ihren Verknüpfungen von Innen und Außen, Land und Wasser Assoziationen an die historischen Alsterarkaden. Auch mit der Anordnung von Geschäften, Restaurants und Ausstellungen folgen die Elbarkaden dem belebten innerstädtischen Vorbild.

Die drei Hauptnutzer (Greenpeace, Designport sowie rund neunzig Wohnungen) zeichnen sich durch Vorsprünge und Rücksprünge im Gesamtensemble ab. Der markante Kopfbau bildet dabei den Abschluss der mäandrierenden Figur und verstärkt die Identität und den Widererkennungswert des Projektes.

Bob Gysin + Partner BGP
Architekten ETH SIA BSA

Ausstellungsstrasse 24
CH-8021 Zürich
Tel. +41 (0)44 / 2784 0-40
Fax +41 (0)44 / 2784 0-50
info@bgp.ch
www.bgp.ch

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


ALU-FASSADEN, -FENSTER UND -TÜREN
Boetker GmbH & Co. KG

Die Materialisierung in Klinker schafft in der Fernwirkung ein harmonisches Gesamtbild mit den unmittelbar angrenzenden historischen Bauten wie auch den Speichergebäuden im Hintergrund. In der Nahwirkung erzeugen die unterschiedlichen Verlegearten und Farbtöne des Klinkers einen differenzierten Ausdruck, der Erinnerungen an hochwertige traditionelle Handwerkskunst weckt.

BELEBUNG DES QUARTIERS. Durch das Angebot von öffentlichen Nutzungen auf zwei Ebenen, ausgerichtet auf das Wasser und mit Durchgängen zur Hongkongstraße, entstanden einladende Flanierzonen und ein reger Austausch zwischen Gebäude und öffentlichem Raum. In Kombination mit den darüberliegenden Büro- und Wohnflächen agiert das Gebäude als urbaner Nutzungshybrid, der zur Belebung des Quartiers beiträgt.

Die rationelle und flexible Grundstruktur des Entwurfes bildet die Grundlage für ein gesamtheitliches Gebäudekonzept, das alle Bereiche des nachhaltigen Bauens adressiert. Die langfristige Nutzbarkeit wird durch das effiziente Raster und die konsequente Systemtrennung gewährleistet. Eine dreifache Flexibilität ist entstanden: Planungsflexibilität durch eine einfache und modulare Struktur, Gebrauchsflexibilität durch Grundrisslayout und Raumproportionen, Umnutzungsflexibilität durch Statik- und Schachtkonzept.

Im Spannungsfeld von Integration, Flexibilität und Energie wurden auch der Öffnungsanteil und die Öffnungsarten ausbalanciert. Großzügige Einschnitte akzentuieren besondere Innenräume, ansonsten sind die Fassaden ruhig und regelmäßig gestaltet und erlauben im Innern eine freie Raumeinteilung.

STAHLBETON-TREPPEN UND -BALKONE
Betonwerk Ventschow GmbH

BAUÖKOLOGISCH OPTIMIERT. Die Ermittlung der aus bauökologischer Sicht optimalen Konstruktionsprinzipien, Bauteilaufbauten und Materialien wurde mit Hilfe von Variantenvergleichen auf Bauteilebene durchgeführt. Sowohl Büro- wie auch Wohnbereiche wurden als statisch optimierte Skelettkonstruktion mit einheitlicher Raumhöhe geplant. Zusammen mit der nicht tragenden Ausbildung der Fassaden und Innenwände als Leichtbaukonstruktionen wird ein Höchstmaß an Systemtrennung gewährleistet.

Die Dachflächen sind als fünfte Fassade gestaltet und gezielten Nutzungen (Mensch, Tier, ökologischer Ausgleich, Gewinnung von Energie, Retention von Regenwasser etc.) zugewiesen. Durch eine systematische Quanti- und Qualifizierung der Nachhaltigkeitsaspekte konnten so in vielen Bereichen ganzheitlich optimierte Lösungen gefunden werden.

HAFENCITY GOLD UND DGNB GOLD STANDARD. Nach dem Grundsatz „Lieber Energie einsparen als aufwändig erzeugen“ wurden primär Maßnahmen verfolgt, die den Energie- und Ressourcenbedarf in der Erstellung wie auch im Betrieb niedrig halten. Nebst der optimalen Platzierung des Baukörpers auf dem Grundstück und bedarfsreduzierenden energetischen Maßnahmen wurden am Standort vorhandene erneuerbare Energien genutzt und mit dem Volumen und seiner Umgebung zu einer Systemeinheit verschmolzen. Dem Begriff „das Gebäude als Gesamtsystem“ wurde so eine klare Gestalt verliehen und der HafenCity Gold und DGNB Gold Standard erreicht.

FLUTSCHUTZTORE UND –TÜREN
ISH Industrie-, Service-
und Handels-GmbH

Markus-Semmler-Straße 39
D-08301 Bad Schlema
Tel. +49 (0)3771 / 4404 9-5
Fax +49 (0)3771 / 4404 9-6
info@ish-engineering.de
www.ish-engineering.de

FLUTSCHUTZTORE UND -TÜREN
MMH GmbH

(Arbeitsgemeinschaft)

Aufgrund der unterschiedlichen Nutzungen und Bauherrschaften in den einzelnen Baufeldern wurden spezifische Konzepte entwickelt, die sich teilweise von Baufeld zu Baufeld unterscheiden. Im Folgenden werden die wichtigsten Parameter und ihre Funktion erläutert:

Der architektonische Entwurf ermöglicht unter anderem den Betrieb verschiedener Klimazonen im Gebäude. Diese klare Zonierung garantiert einen minimalen Einsatz an Heizwärme.

Die konstruktiven Elemente erfüllen nicht nur die Funktion des Stützens und Tragens. Darüber hinaus sind sie thermisch aktiviert und gewährleisten aufgrund der Speichermasse einen ausgeglichenen, energieeffektiven Betrieb des Gebäudes sowie eine hohe Behaglichkeit über den gesamten Jahresverlauf.

Als Innovation wurde nebst der Nutzung von Erdwärme und Solarenergie für Heiz- und Kühlzwecke auch Windenergie integriert. Dadurch können die natürlichen Schwankungen bei der solaren Stromproduktion im Tages- wie auch im Jahresverlauf kompensiert werden. So wird der Eigendeckungsgrad signifikant erhöht.

DAS GEBÄUDE ALS GESAMTSYSTEM. Um ein Gebäude als Gesamtsystem zu entwickeln, sind eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein konstruktiver Dialog nötig. Eine Decke ist nicht nur ein Element der Primärstruktur, sondern kann thermisch aktiviert und aufgrund der hohen Speichermasse einen ausgeglichenen, energieeffektiven Betrieb des Gebäudes ermöglichen. Die Ausbildung einer differenzierten Schnittlösung mit unterschiedlichen Klimazonen ermöglicht nicht nur die Reduktion des Heizwärmebedarfes, sondern schafft unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten und vielfältige Blickbeziehungen.

Das Gebäude wird als Teil der globalen Stoffkreisläufe verstanden, der Wärme- und Strombedarf ist auf ein absolutes Minimum beschränkt und beruht auf dem Low-Exergie-Ansatz. Statt High Tech stehen passive Maßnahmen, die umfassende Nutzung der lokal verfügbaren regenerativen Energiequellen und optimal aufeinander abgestimmte Systemkomponenten im Vordergrund. Passend dazu wird die Technik als Kreislaufsystem, statt End-of-Pipe-Konzept, verstanden.

MEHR ALS DIE SUMME SEINER EINZELTEILE. Städtebau, Nutzungskonzept, Struktur, Energie und Konstruktion bilden ein ausgeklügeltes Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Die Nachhaltigkeit ist so weder einseitig fokussiert noch technisch appliziert, sondern wird von den Beschäftigten, Bewohnern und Besuchern auf verschiedensten Ebenen gelebt und erlebt. Basis dafür waren der hohe Anspruch der Bauherrschaft, der HafenCity und des Projektteams, eine dialogische und interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie ein kontinuierlicher Optimierungsprozess, bei dem das Gesamtsystem mit seinen Wechselwirkungen austariert wurde.

FOTOS
Hagen Stier, Hamburg

STÄDTEBAULICH NACHHALTIG. Das Gebäude wirkt als integrative Landmarke und kommuniziert die einzelnen Nutzer. Es schafft einen städtebaulichen Fixpunkt und verbessert zugleich die Durchwegung und Vernetzung im Quartier. Durch die hohe Aufenthaltsqualität wirkt es als Treffpunkt im Magdeburger Hafen trägt zur Belebung der HafenCity bei.

ÖKOLOGISCH NACHHALTIG. Das Gebäude ist integral konzipiert unter Einbeziehung regenerativer Energien, grauer Energie, Regenwassernutzung und Ausgleichsflächen für Pflanzen und Tiere. Die baubiologische Materialisierung schont die Umwelt und schafft optimale Arbeits- und Wohnbedingungen.

SOZIAL NACHHALTIG. Die innenräumlichen Konzepte bieten zweiseitig belichtete Arbeitsplätze, differenzierte räumliche Erlebnisse und vielfältige informelle Treffpunkte. Der vielfältige Nutzungsmix, das konsequent öffentliche Erd- und Warftgeschoss, die Stadtloggia sowie die individualisierten Wohnungen schufen ein Gebäude von hohem Identifikationswert.

STRUKTURELL NACHHALTIG. Das kompakte Gebäude hat eine einfache thermische Abwicklung mit sehr gutem Oberflächen-Volumen-Verhältnis. Der Rohbau ist effizient und weist einen großen Wiederholungsfaktor auf. Vorfabrizierte Standardelemente für Fassade und Kerne beschleunigten den Bauablauf. Die konsequente Skelettstruktur sorgt für eine dreifache Flexibilität (Planung, Nutzung und Umnutzung).

WIRTSCHAFTLICH NACHHALTIG. Die problemlose Realteilbarkeit, wirtschaftliche Erstellung, konsequente Systemtrennung, optimale Energieeffizienz, maximale Flexibilität, hohe Arbeitsplatz- und Wohnqualität schufen eine hohe Investorentauglichkeit und Nutzerakzeptanz und gleichzeitig niedrige Betriebskosten.