Bauprojekt Maisonettes in Hamburg-Ottensen

Bauprojekt Maisonettes in Hamburg-Ottensen

Passivhausgekrönter Altbestand

Eine „warme Mütze“ verbessert die Ökobilanz des Gesamtgebäudes

johannes WALTHER architekt
Sternstraße 67
D-20357 Hamburg
Tel. +49 (0)40 / 2093 1465-0
Fax +49 (0)40 / 2093 1465-9
info@architekt-walther.com
www.architekt-walther.com

LEICHTE HOLZ-HYBRIDBAUWEISE. Eine Junge Bauherrengemeinschaft aus Schauspielern und einem Architekten entschied sich für ein innovatives Wohnkonzept im gründerzeitlich geprägten Stadtbild von Hamburg Ottensen. „Als sich für uns die Gelegenheit ergab, mit Freunden zusammen ein Dachgeschoss zu erwerben, zögerten wir nicht lange“, so der Architekt und Mitbauherr Dipl.-Ing. Johannes Walther. „Mir war als zertifiziertem  Passivhaus-Planer von vornherein klar, dass wir bei unserem Projekt einen sehr hohen energetischen Standard erreichen wollten.“

Da das Baurecht noch ein weiters Geschoss zuließ, wurde das in den 80er Jahren rudimentär ausgebaute Dachgeschoss des Gründerzeithauses in Hamburg-Ottensen vollständig abgetragen und durch eine Aufstockung um ein Voll- sowie ein Staffelgeschoss ersetzt. Die beiden so entstandenen Wohnungen wurden aufgrund der hohen thermischen- und brandschutztechnischen Anforderungen in Holz-Hybridbauweise errichtet. Das heißt, für die Außenwände wurde eine Holzständer-Konstruktion gewählt, während die Zwischendecke aus Spannbeton-Fertigteilen errichtet wurde. Aufgrund der verhältnismäßig leichten Bauweise konnte auf eine aufwändige Verstärkung der Fundamente im Keller verzichtet werden.

20-FACH GERINGERER HEIZWÄRME-BEDARF IM VERGLEICH ZUM BESTAND. Durch die sehr gute Dämmung wurde der Heizwärme-Bedarf der beiden 110 Quadratmeter großen Maisonettwohnungen gegenüber dem Bestand um das 18- bis 20-fache verringert. Darüber hinaus konnte durch die Baumaßnahme der Wärmebedarf der darunter liegenden Wohnungen ebenfalls spürbar reduziert werden.

„Dem Gebäude wurde quasi eine warme Mütze aufgesetzt“, so der Architekt. Im Gebäude sind passivhaustypische Haustechnik-Elemente verbaut: Neben der kontrollierten Wohnraum-Lüftung durch einen sehr guten Wärmetauscher mit einem Wirkungsgrad von mehr als 92 Prozent gemäß Passivhausinstitut wird für die Warmwasser-Bereitung und -Erzeugung der Heizwärme eine Gasbrennwert-Heizung verwendet.

FOTOS
johannes WALTHER architekt

SELBST BEI ABGESCHALTETER HEIZUNG UND –8° C AUSSENTEMPERATUR INNEN +18° C. „Wir waren selbst überrascht, dass sich schon in der Bauphase, als weder Lüftung noch Heizung betriebsbereit waren, bei –8° C Außentemperatur eine Raumtemperatur von +17° bis +18° C einstellte“. Der Architekt führt das unter anderem auf die speziellen Scheiben zurück, welche wegen ihres sehr klaren Glases und der damit einhergehenden hohen Lichttransmission einen deutlich besseren solaren Ertrag erzielen als herkömmliche Dreifach-Verglasungen.

Auch nach dem Einzug blieb die Heizung überwiegend ausgeschaltet. In der kalten Jahreszeit wird lediglich die Fußbodenheizung in den Bädern über zeitgesteuerte Thermostate morgens für kurze Zeit aktiviert. Zur Reduzierung der thermischen Trägheit wurde die Fußbodenheizung im Trockenestrich verlegt und dessen Oberfläche anstelle einer Fliese lediglich verspachtelt.

Die auf dem Flachdach installierten Sonnenkollektoren sorgen für warmes Wasser im Sommer und in der Übergangszeit. Das Dach bietet auch noch genügend Fläche, um die neuen Wohnungen durch die nachträgliche Installation einer Photovoltaikanlage zum Null- bzw. Plusenergiehaus aufzurüsten.