Bauprojekt Kirche St. Heinrich in Kaufungen

Bauprojekt Kirche St. Heinrich Kaufungen

Neuordnung der liturgischen Orte

Klare Positionierung in wirksamem Umfeld

ASKESE DES INNEREN KIRCHENRAUMS. Die Innenraumgestaltung und Neuordnung der liturgischen Orte in der Kirche St. Heinrich in Kaufungen ließ einen klar strukturierten Gesamtraum entstehen. Er weist den einzelnen Elementen ihre Positionen zu und setzt sie in ein wirksames Umfeld.

Der Kirchenraum wurde einheitlich weiß gestrichen, während die Bereiche beidseitig vom Chor und die komplette Kapelle ultramarinblau angelegt sind. Angestrebt war eine dem Licht geweihte Klarheit, Strenge und Askese des inneren Kirchenraumes.

GESTÄRKTE VERTIKALE. Die Säulen zu den Seiten wurden aufgedoppelt und liegen bündig zum oberen Wandverbund – dies stärkt die Vertikale. Vorkragende Gesimse im Orgelbereich wurden entfernt.

Die Empore wurde zum Kirchenschiff geschlossen. Drei Schlitze halten die Sichtverbindung – proportional ähnlich wie die drei Obergadenfenster der übrigen Wandachsen.

Ladleif Architekten
Harzweg 1
D-34134 Kassel
Tel. +49 (0)561 / 3169 0440
Fax +49 (0)561 / 3164 699
info@ladleif-architekten.de
www.ladleif-architekten.de

KONZENTRATION AUF DIE MITTE. Der Raum konzentriert sich auf die Mitte. Die Mittelachse ist ein stark entwickeltes Rückrat im Bezug auf die an ihr neu orientierten liturgischen Orte: Weihwasserbecken, Altar und Chor.

In der Mitte rückt die Gemeinde um den Altar. Der Chor wird optisch durch eine Raumkontur aus einem weißen, 14 mal 14 Zentimeter starken Stahlprofil mit dem Altarpodest verknüpft.

DAS PODEST WIRKT LEICHT UND SCHWEBEND. Das neue Altarpodest ist 35 Zentimeter höher als der Kirchraum. Als Holzkonstruktion eingestellt, besteht das Podest aus einer großflächigen, kreuzverleimten, dreischichtigen, 28 Millimeter starken Massivholzplatte aus Ahorn, weiß gekalkt.
Podest und Stufe erhielten im Randbereich einen starken Unterschnitt, 8 Zentimeter hoch und 12 Zentimeter tief. Dadurch wirkt die Podestkonstruktion leicht und schwebend. Das Podest verbindet sich höhengleich mit der zweiten Stufe der bestehenden Treppenanlage.

ALTAR UND BODEN ALS SKULPTURALE EINHEIT. Der Altartisch im Format 90 mal 125 Zentimeter, ebenfalls aus Ahorn gebaut, ist seitlich flächig geschlossen. Er verbindet sich mit dem Podest. So entsteht volumenmäßig eine Einheit aus Tisch und Boden.

Der Altartisch weist zur Gemeinde und zum Chor einen Unterschnitt auf. Zur Gemeinde wurde ein Ahornrelief künstlerisch entworfen und integriert.

Altar und Boden bilden eine skulpturale Einheit, ähnlich wie Pfeiler und Pfeilerfuß. Der Ambo ist filigran gestaltet: ein dünnes Metalltraggestell mit einer Buchablage aus Ahorn.

SEDILIEN UND AMBOKÖRPER. Die Sedilien legen sich als massive Ahornbank für maximal vier Personen linear über zwei Steinstufen zum Chor. Sie werden seitlich gefasst und begrenzt durch die ehemaligen, jetzt wieder 60 Zentimeter erhöhten Ambopodeste.

Die geschlossenen Brüstungen der beiden Ambokörper wurden aus Ahornholz wieder hergestellt. Sie schaffen ein Rückrat für die beiden seitlichen Bankreihen. Gleichzeitig geben sie dem Altartisch räumlich Halt.

Die seitliche erste Bankreihe am Altar besteht aus einer zweiteiligen einfachen Holzbank, die flexibel umgestellt werden kann. Auf diese Weise ist der Raum um den Altar je nach liturgischem Erfordernis erweiterbar.

LITURGISCHE ORTE IM CHOR. Im Chor wurden beidseitig der Mittelachse der  Tabernakel und das Taufbecken platziert. Eine helle, rechteckige Naturstein-Stele bildet einen angemessenen neuen Sockel. Das ewige Licht ist als filigrane Stahlsäule seitlich beigestellt.

Am Ende der Achsen der Seitenschnitte, zum Chor hin, kam das Kreuz und die Marienfigur zur Aufstellung. Das Bronzekreuz steht frei und kann nun beidseitig betrachtet werden.

LICHT VON OSTEN. In die konkave Chorrückwand wurde ein Fenster eingebaut, ein schmaler Lichtschlitz im Format 22 mal 150 Zentimeter, mit Flachstahl präzise gefasst. Dadurch wird die Achse mit den liturgischen Orten aufgewertet, und die Gemeinde erblickt Licht von Osten und den Himmel über dem Altar.

In die Chornische wurde eine gebogene Bank integriert, als Sitzgelegenheit für Sänger, Ministranten und Meditationsgruppen. Die ehemaligen Bänke sind durch Stühle ersetzt.

LICHT VON NORDEN UND WESTEN. Zwischen Holzwand und Gestühl entstand ein 4 Meter breiter Raum, in dem sich das Weihwasserbecken befindet. Seitlich strömt durch das Fenster stimmungsvolles Nordlicht herein.

Die Kapelle im Turm ist neu gestaltet. Sie erhielt einen blauen Wandanstrich. Vor der Treppe wurde der Kerzenständer als Stahlkonstruktion aufgestellt, an der Wand eine Heiligenfigur und gegenüber eine Andachtsbank – alles im Licht des nach Westen gelegenen Fensters.

140 SITZPLÄTZE. Insgesamt stehen jetzt 140 Sitzplätze zur Verfügung. Der Raumgewinn kommt dem Altarbereich und dem Eingangsbereich zu Gute. Im Eingangsbereich ist der Raum erweitert zum Ankommen, Eingewöhnen und zur Einstimmung auf die Liturgie.

In diesem Raum steht – zentral auf einer Grundfläche von 80 mal 600 Zentimetern – ein 115 Zentimeter hohes, massiv wirkendes Ahornmöbel – eine Abschirmung des Eingangs und eine Beschirmung des Weihwasserbeckens. Dieses kraftvolle, entschiedene Möbel dient der Kommunikation: Es ist Sitzbank, Stehtheke und Lager für Gebetbücher.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:

SCHREINERARBEITEN
Komm-Bau GmbH

FOTOS
Ladleif Architekten

Der Beichtstuhl vor der Kapelle wurde entfernt: Dort in der Nische – zum Eingangsbereich zentral gelegen – fand der Informationsstand der Gemeinde seinen Platz. Der Bereich für Beichtgespräche wurde im Obergeschoss auf der Empore eingerichtet.