Neubau Kirche am Meer in Wangerland-Horumersiel-Schillig

Neubau Kirche am Meer Wangerland-Horumersiel-Schillig

Lebendige Lichtmodulation
im Tages- und Jahresverlauf

Die Festigkeit und Schwere dunklen Ziegels verbindet sich mit der
Dynamik und Leichtigkeit der geschwungenen Form

Königs Architekten
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D-50670 Köln
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TRANSZENDENZ IM KONTEXT. Eine Kirche soll eine besondere Ausstrahlung haben, eine besondere Stimmung ermöglichen. Die Wirkungskraft eines Gotteshauses soll sich der Alltäglichkeit unserer Wahrnehmungen entziehen.

Für die Kirche am Meer am UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer haben Königs Architekten eine Konzeption gewählt, die diese Wirkungskraft in ein Spannungsfeld zwischen kontextueller Bezugnahme einerseits und transzendentaler Ausrichtung andererseits einbindet. Die Festigkeit und Schwere des dunklen Ziegels verbindet sich mit der Dynamik und Leichtigkeit der geschwungene Form.

Im Inneren wechselt die Materialität, der Raum befördert durch eine Konzentration auf das Wesentliche die angestrebte Transzendenzerfahrung. Durch die Geometrie des Baukörpers wird das einfallende Licht auf dem inneren Wandverlauf wellenartig moduliert und verändert im Tages- und Jahresverlauf ständig seine Erscheinungsform. Letztendlich ist ein würdevoller Ort entstanden – kyriakon – dem Herrn gehörig.

EINGEBUNDEN UND HERVORGEHOBEN. Der Sockelbau fügt sich in seiner Maßstäblichkeit und Positionierung in das Ortsbild ein. Gleichzeitig schafft die Höhenentwicklung des Glockenturmes eine Signifikanz im baulichen Kontext.

Der ortstypische Klinker wurde durch Dämpfung veredelt. Somit bleibt auch über die Materialität die Balance zwischen örtlicher Einbindung einerseits und Hervorhebung des Kirchenbaus  andererseits gewahrt.

Straßenseitig wurde ein neuer Hauptzugangsbereich mit Vorplatz und überdachtem Eingang geschaffen. Auf der Deichseite ergibt sich windgeschützt ein weiterer Vorbereich, der das Begegnungszentrum gegenüberliegend anbindet und für Urlauber aus Richtung des Deiches als Eingang genutzt werden kann. Dort wurde der Außenraum mit einer vielfältig nutzbaren Rasenfläche gestaltet.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:

STAHLBAU
Bischof Stahl-Projekt-Bau GmbH

LITURGISCHE ORTE. Die Grundfigur des Kreuzes mit achsialsymetrischer Anordnung des Altarraumes in Kombination mit einer kirchlichen Versammlung in Form eines Ringes entspricht dem Geist des Sacrosanctum Concilium. Königs Architekten haben die liturgische Figur des Rings als einen räumlichen Ausdruck der Communio erweitert und interpretiert, indem der Kirchenraum zum Altar hin leicht geneigt wurde und es keine Altarstufen gibt.

Die Marienkapelle und der Tabernakel sind als besondere Orte der Anbetung integraler Bestandteil der Raumbildung. In beiden Fällen haben die Architekten bereits vorhandende Elemente aus der alten Kirche oder ehemaligen Kirchen der Diözese integriert, um die Kontinuität des Werdens und Schaffens zu verdeutlichen.

Königs Architekten durften auch die liturgisch wichtigsten Orte gestalten, den Altar, den Ambo und den Ort der Taufe. Dort war es ihr Ziel, einerseits mit einer angemessenen Kostbarkeit deren Bedeutung hervorzuheben, andererseits aber eine harmonische Integration in die gesamte Kirchengestaltung anzustreben. Eine klare Formensprache und reduzierte Materialvielfalt unter Verwendung von hellem, homogenem Kalkstein und massivem Messing ist diesem Anspruch gerecht geworden.

ATMOSPHÄRE DES LICHTS. Die Lichtführung ist wesentlicher Bestandteil der Konzeption. Durch die besondere Geometrie der Wände und des Daches und der Dachträger wird im Tages- und Jahresverlauf eine lebendige Lichtmodulation im Innenraum der Kirche am Meer erzeugt. Durch den Einsatz von farbigen Glaselementen in Teilbereichen fällt das Licht überraschend lebendig aus den Zwischenräumen der geschwungenen Dachträger.

FLIESEN- UND NATURWERKSTEINARBEITEN
Eiken GmbH
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Der Tabernakel ist als Wandeinbau konzipiert. Als frei schwebender Körper wird der bereits bestehende Tabernakel des Goldschmiedes Fritz Schwerdt neu inszeniert, indem er von natürlichem Licht von Außen intensiv hinterleuchtet wird. Die Marienkapelle hat ein akzentuiertes Oberlicht über eine Dachkuppel erhalten.

ORGELBAU
Orgelbau Friedrich Fleiter
Inh. Eberhard Hilse e.K.

ORGEL UND GLOCKEN. Unter Berücksichtigung der raumakustisch günstigen Geometrieverhältnisse konnte eine Orgel mit 21 Registern in zwei Teilwerken aus dem Jahr 1997 integriert werden. Drei Glocken sind in der Turmgeometrie in einem hölzernen Glockenstuhl untergebracht. Schmale Längsschlitze nach Nord und West im ansonsten massiven Stahlbetongehäuse erzeugen den notwendigen Schalldruck.

AUSSEN BACKSTEIN, INNEN PUTZ. Die gestaltprägenden Materialien in der Kirche am Meer sind Backsteine in den Außenbereichen, das Glasdach sowie Putz, Naturstein und Holz im Innenraum. Alle Außenflächen wurden mit gedämpften Klinkern im Oldenburger Format verkleidet.

Die lebendige Oberfläche des Ziegelmaterials korrespondiert mit der geschwungenen Geschlossenheit der Wände. Die wenigen Glasflächen im Sockelbau wurden – bis auf den Haupteingang – mattiert ausgeführt.

Der Innenraum erhielt einen dunklen, lichtabsorbierenden Natursteinboden aus Muschelkalk. Alle Wände wurden sandfarbig verputzt. Die Kirchenbänke und die Sedilien wurden aus hellem, gekälktem Eichenholz angefertigt.

FUSSBODENHEIZUNG MIT BAUTEILAKTIVIERUNG. Die neue Kirche erhielt eine Fußbodenheizung, die in Form einer Bauteilaktivierung für die Grundlast des Wärme– und Kühlungsbedarfs ausreicht. Alle Außenwände sind mit einer Zwischenschicht zur Wärmedämmung versehen.

Die Fußbodenheizung wirkt als statische Niedertemperaturheizfläche. Zusätzlich wurde eine Belüftungsanlage unterhalb der Sitzbänke eingeplant, die im Sommer und bei vollbesetzter Messfeier einen zusätzlichen Luftaustausch gewährleistet. Die bereits vorhandenen Photovoltaik-Module konnten auf das Dach der Signalstation verlegt werden.

FOTOS
Christian Richters
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