Neubau
Kinder-Tagesstätte

Lichtenbergweg Leipzig

Ein Haus zum Entdecken
zwischen alten Bäumen

Die spielerische Arbeitsweise bei
der Partizipation der Nutzer
war Vorbild für eine
neuartige Weise
der Verhandlung von
unterschiedlichen
Anforderungen und
divergierenden Belangen
im Hinblick auf das Bauvorhaben

MAL BERGEND, MAL OFFEN. Ein sehr schöner alter Baumbestand auf dem Grundstück Lichtenbergweg 3 in Leipzig war Basis und Orientierung für den Entwurf der Kindertagesstätte. Das Gebäude ist so zwischen den großen Bäumen platziert worden, dass eine markante Eingangssituation entsteht und von innen schöne Ausblicke auf die von den Bäumen bestimmten Hofsituationen möglich sind.

Die Höfe bekommen durch die Gebäudekonzeption mal bergenden, mal offenen Charakter. Das Gebäude ist in einen Massivbau und einen Holzskelettbau gegliedert. Diese Gliederung lässt sich an den großen und kleinen Fenstern erkennen, aber auch an der Farbigkeit.

Die Baupiloten BDA
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Bauprojekt Kinder-Tagesstätte Lichtenbergweg Leipzig

HOLZBAU UND MASSIVBAU. Der Holzbau ist mit Lärchenholz verkleidet, nur einige vertikale Sonnenblenden setzen farbige Akzente. Die Form des Baukörpers, seine farbliche Gestaltung und die in der Fassade angebrachten Spiegel integrieren ihn in den Baumbestand, markieren aber gleichzeitig seine Präsenz.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


HOLZBAU
Zimmereihandwerk „AUFBAU“ GmbH

Vor allem die Gruppenräume und der Multifunktionsraum wurden aus Holz konstruiert, was große Fensterflächen und aus dem Erdgeschoss einen direkten Zugang der Außenflächen ermöglicht. Dagegen entstanden die von allen Gruppen genutzten Räume für Toiletten, Lager, Küche und Büros sowie das Atelier und der Schauspielraum in Massivbauwiese und bilden so etwas wie das konstruktive Rückgrat des Gebäudes.

An das Eingangsfoyer grenzt der Multifunktionsraum. Durch dessen großes Fenster fällt der Blick gleich nach dem Betreten des Gebäudes in einen großzügigen Hof und auf eine alte Robiniengruppe (wenn die rote Schiebetür geöffnet ist).

Der Massivbau ist mit einem groben Außenputz versehen, der in jeweils zwei unterschiedlichen und changierenden Grün- und Orangetönen gestrichen ist. Während sich die Fensteröffnungen im Holzbau direkt aus der Konstruktion ergeben, sind die Fenster im Massivbau freier, aber auch gezielt platziert. Ein weißer Rahmen um jedes Fenster unterstreicht ihre gezielte, nach den Ausblicken aus dem Gebäudeinneren ausgerichtete Anlage.

FARBE ZUR ORIENTIERUNG. 100 Kinder nutzen die Kita Lichtenbergweg. Sie sind eingeteilt in sechs Gruppen (zwei à 16 und vier à 17 Kinder) auf 972 Quadratmetern Bruttogeschossfläche auf zwei Geschossen.

Die Räume der einzelnen, nach Alter der Kinder gegliederten Gruppen sind farblich nach ihrer Lage im Gebäude differenziert, was den Kindern eine gute Orientierung ermöglicht. Den Gruppenräumen sind farblich markant gestaltete Garderobenbereiche in den Fluren zugeordnet, die sich leicht als Treffpunkte identifizieren lassen.

Sanitärräume und Lager sind den Einheiten jeweils angegliedert. Durch die kompakte Bauweise konnten Verkehrsflächen minimiert und pädagogische Flächen erweitert werden.

ANREGUNG ZUR KREATIVITÄT. Das Gebäude lädt die Kinder zu seiner Erkundung ein und nimmt damit eine im sächsischen Bildungsplan aufgestellte Forderung auf, nach der die Architektur von Kindertagesstätten deren Kreativität anregen soll. Durch die abgewinkelten Flure kann seine Struktur nicht auf einen Blick erfasst werden. Man entdeckt es, man erforscht es, wenn man es benutzt oder einfach nur durchstreift.

Die Fenster sind für die Größe von Kindern angebracht worden. Sie bieten Durchblicke durch das Gebäude, Ausblicke in den Außenraum und einen Blickbezug auf die Bäume. Sie sind so niedrig angebracht, das die Fensterbänke gleichzeitig Sitzmöglichkeiten bieten.

FASZINIERENDE LICHTEFFEKTE. Oberlichter helfen bei der Orientierung, indem sie nur im eingeschossigen Bereich des Gebäudes den Blick in den Himmel freigeben oder auch einen Einblick in das Obergeschoss ermöglichen, von wo der Himmel dann indirekt zu sehen ist. Manche sind so konzipiert, dass sie das Licht brechen und interessante Lichtspiele erzeugen. Auch die verspiegelten Seiten der schwenkbaren Sonnenschwerter ermöglichen das forschende Spiel mit Lichteffekten.

Im Obergeschoss bieten die Fenster einen besonders nahen Ausblick in die Baumkronen. Zu diesem Erforschen trägt wiederum die farbliche Gestaltung bei. Die Farben sind so gewählt und kombiniert worden, dass eine Atmosphäre der Geborgenheit, aber auch des Aufbruchs zu Entdeckungstouren entsteht.

FOTOS
Jan Bitter, Berlin
Noshe, Berlin

ZUSAMMENARBEIT MIT DEN NUTZERN. Wichtige Grundlage für die Entwurfsarbeit von Susanne Hofmann Architekten BDA war eine intensive Zusammenarbeit mit den Nutzern, dem Träger der Einrichtung, den Erziehern und insbesondere den Kindern, die die Kindertagesstätte besuchen. Aus mehreren Partizipationsworkshops kristallisierten sich "Vulkanlandschaften" und "Regenbogengärten" als Wunschwelten der Kinder heraus. Die daraus zu ersehende Abenteuerlust und der Forscherdrang sowie der ebenso abzulesende Wunsch nach Geborgenheit fanden in der zweigliedrigen Konstruktion des Gebäudes als Massivbau und als Holzbau ihren Niederschlag. Die vielfältigen Ausblicke und Lichteinfälle in das Gebäude sind den Vorstellungen eines Regenbogengartens entlehnt.

Die spielerische Arbeitsweise bei der Partizipation der Nutzer war Vorbild für eine neuartige Weise der Verhandlung von unterschiedlichen Anforderungen an das Bauvorhaben und divergierenden Belangen von Bauherren, Einrichtungsträgern und anderen Planungsbeteiligten. Durch eine Art Planungsspiel, bestehend aus einem abstrahierten Grundriss sowie Problem- und Lösungskarten, konnten in vielen Fällen Konflikte oder potenzielle Konflikte schnell erkannt, verhandelt und ausgeräumt werden.