Sanierung Jugend-Wohnheim Clearing House Salzburg

Sanierung Clearing-house Salzburg

Zufluchtsort für unbegleitete
minderjährige Flüchtlinge

Sämtliche Funktionen, Abläufe und Infrastrukturen bilden ein flexibles Netzwerk

SANIERUNG DES GEBÄUDES WAR UNUMGÄNGLICH. Das Jugendwohnheim Clearing-house Salzburg sollte bautechnisch saniert werden. Die neue Fassade tritt als wichtiger Botschafter für diesen besonderen Ort auf, der der Unterbringung, Betreuung und Beratung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen dient.

Das Gebäude aus den 70er Jahren wies sowohl funktionale und baukünstlerische als auch – und vor allem – im Hinblick auf bautechnische Anforderungen so gravierende Bauschäden vor, dass die Gesundheit und in einigen Bereichen auch die Sicherheit der Bewohner und Nutzer gefährdet war. Das bereits ausgebaute Satteldach wurde abgetragen und durch einen zurückgesetzten Dachgeschoss-Aufbau ersetzt.

KOMPLEXE AUFGABENSTELLUNG. Eine Atmosphäre war zu generieren, die dem Wesen einer temporären Begegnungsstätte unterschiedlicher Kulturen gerecht wird. Freiräume waren zu ermöglichen, in denen jeder seinen individuellen Rückzugsort entdeckt. Eine Bauweise war zu verwenden, die Offenheit und Flexibilität garantiert und mit Energien und Ressourcen sorgsam umgeht. Eine Außenwirkung war zu erreichen, die das Spannungsfeld der Integration in Österreich zum Thema hat.

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AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:

BODENBELAGSARBEITEN
Reiböck & Reiböck GmbH

FOTOS
David Schreyer, Wörgl

EINLADENDE AUSSENWIRKUNG. Die Realität der Jugendlichen handelt von Aufnahme, Hilfestellung, Rückhalt, Betreuung und Integration. Von außen zeigt die Fassade demnach ihre einladende Wirkung, die Offenheit signalisiert, Neugier erweckt, Andersartigkeit thematisiert und Gemeinsamkeiten aufzeigt. Auf die Bewohner und Betreuer bezogen, zeigt sich eine spannendes Miteinander der Gegensätze: Struktur und Freiheit, Ordnung und Flexibilität, Schutz und Privatheit.

IDEE DER VERFLECHTUNG. Flechtkunst ist eines der Handwerke, die in der ganzen Welt zu Hause sind. Überall werden einfache Gegenstände für den Haushalt geflochten. Auch ganze Häuser entstehen mittels kunstvollen Verflechtens von einfachen Materialien. Attribute wie Leichtigkeit, Einfachheit und Robustheit gehen zusammen mit Sparsamkeit, Ökologie und Ressourcenschonung.

Von Österreich aus hat der erste industriell gefertigte Stuhl mit Flechtwerk die ganze Welt erobert – der Thonet-Stuhl. Aber nicht nur darin sehen wir den besonderen Österreichbezug. Österreich ist im Holzbau marktführend und in der ganzen Welt technologischer Vorreiter im innovativen, sparsamen Umgang mit Ressourcen (Holz und Recyclingmaterialien).

DIE REALISIERUNG. Die Sanierung des Clearing-house lebt diesen Vorsprung an Innovation und zeigt damit gleichzeitig auch seine historischen Wurzeln: ein Haus, bei dem sämtliche Funktionen, Abläufe und Infrastrukturen ein flexibles Netzwerk bilden, das mal enger und dichter, mal offener und lockerer verwoben ist; ein Haus, das aus seinem Inneren heraus die Vielfalt der Bewohner zeigt; ein Haus, das einlädt, sich auf andere Kulturen einzulassen, und das seinen Bewohnern den Schutz gibt, den sie brauchen.

AUCH ENERGIETECHNISCH HERVORRAGEND. Die Fassade aus ungedämmten Waschbetonteilen wurde samt Fensterelementen abgebrochen, und neue Fassadenpaneele wurden vorgehängt. Diese Elemente wurden als Leichtbau-Fertigteile konzipiert, vorgefertigt und samt Fenstern in einem Arbeitsgang an die verbliebene massive Schotenstruktur des Bestandes angehängt.

Die Innenseite dient als Verteiler für die neue Haustechnik. Die Außenseite wurde mit einem Flechtwerk aus Rockpaneelplatten umspannt, dem neben Sonnen- und Witterungsschutz auch eine wichtige gestalterische Aufgabe zufällt. Die Einzelfenster sind prinzipiell im Flechtmuster ausgespart, vor großflächigen Verglasungen verdünnt sich die Flechtstruktur.