Innenrenovierung Friedenskirche Heidelberg-Handschuhsheim

Innenrenovierung Friedenskirche Heidelberg-Handschuhsheim

Stärkung des Raumes als sakraler
und spiritueller Ort

Altar, Kanzel und Orgel stehen als wesentliche liturgische Elemente auf der Mittelachse

ZEITGEMÄSSE NEUKONZEPTION. Die im Jugendstil erbaute evangelische Friedenskirche im Heidelberger Ortsteil Handschuhsheim erfuhr im Zuge ihrer Innenrenovierung eine liturgische Neukonzeption, die den zeitgemäßen gottesdienstlichen Anforderungen von Liturgie, Musik und Kommunikation entspricht. Im Sinne der liturgischen Bewegung rückt der Altar aus dem Chor weiter ins Zentrum der Gemeinde. Das zeitgemäße Ritual schließt im wachsenden Maße alle Teile der Gemeinde als Vollziehende mit ein.

Das Hauptziel ist die Stärkung des Raumes als sakraler und spiritueller Ort. Die wiederhergestellte Einheit von Altar, Kanzel und Orgel als wesentliche liturgische Elemente auf der Mittelachse des Raumes bildet den Ausgangspunkt für den Entwurf. Die neue Stufenanlage stellt die Verbindung zwischen diesen Elementen her und erweitert grundlegend die Möglichkeiten für verschiedene Gottesdienstformen. Die Integration der vielen Möglichkeiten für Kirchenmusik in die Gottesdienste ist ein zentrales Motiv der Handschuhsheimer Gemeinde.

DER ALTAR RÜCKT WEITER INS ZENTRUM. Die grundsätzliche Änderung ist die neue Lage des Altars, der deutlich weiter vorn in der Gemeinde auf einer neuen Altarstufe steht. Dazu wurden die bestehenden drei Chorstufen und die bestehende Altarstufe abgebrochen.

Gemäß dem zugrunde liegenden Wiesbadener Programm hatten ursprünglich Altar und Kanzel in einer Achse mit Sänger-Empore und Orgel gestanden. Dies ist nun mit erneuerten Prinzipalien wiederhergestellt. Darüber hinaus wird auch der Taufstein auf dieser Achse im Kirchenraum angeordnet.

Die Stufenanlage verbindet die Sänger-Empore mit dem zentralen Altarbereich. Das Orgelpositiv ist zum Spieltisch der Orgel zurückversetzt. Die Holzstufen der Sänger-Empore im oberen Bereich sind wieder der ursprünglich stärkeren Neigung angepasst. Die anderen Emporenböden wurden ebenfalls erneuert.

Der bestehende, die Vorhalle verdunkelnde Windfang ist entfernt und durch eine neue Windfanganlage aus Glas in der ersten Stützenachse ersetzt. Darin sind Gesangbücher, Auslagen und Gebrauchsgegenstände für das Kirchencafé integriert.

AAg Loebner • Schäfer • Weber
Freie Architekten GmbH

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STAPELSTÜHLE STATT BANKREIHEN. Die gewonnenen Freiheiten wurden auch durch den Verzicht auf fest installierte Bankreihen ermöglicht. Ein neu entwickelter, leichter Stapelstuhl aus Eiche lässt vielfältige Sitzanordnungen zu und kann den Raum für anderes freilassen.

ZITAT AUS HÖLDERLINS FRIEDENSFEIER. Die Stufenanlage besteht im unteren Bereich aus oberflächenvergüteten Werksteinelementen in Fertigteilkonstruktion, in die ein von Harald Kröner verdichtetes Zitat aus der Friedensfeier von Friedrich Hölderlin eingeschrieben ist. Der Boden des Kirchenraumes ist mit anthrazitfarbenen Zementmosaikplatten belegt und mit einer Fußbodenheizung versehen.

Die im gleichen Zeitraum umgebaute Orgel erhielt ein neues Rückpositiv und eine Überarbeitung aller Holzoberflächen. Sie fügt sich als Prospekt des Raumes in diesen harmonisch ein.

ALTAR UND KANZEL. Die Prinzipalien wurden für den veränderten Kirchenraum neu ergriffen und als schlichte, ihre Aufgabe deutlich machende Objekte konzipiert. Es handelt sich um bedingt versetzbare Objekte aus patinierter Bronze.

Es bleibt beim Altar als zentralem Zeichen des Gottesdienstgeschehens. Der Altar ist ein vierteiliger tragbarer Korpus aus Bronzeguss mit eingeprägtem Kreuz.

Die Kanzel ist auf der Stufenanlage angeordnet und kann dort an verschiedenen Orten aufgestellt werden. Sie ist ein geschwungenes Band mit Ablage, das dem Predigenden ausreichend Umfeld gibt, aber auch nicht zu sehr Distanz zur hörenden Gemeinde aufbaut.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


MALERARBEITEN
A. JAKOB OHG

Unter der Eingangsempore entsteht ein Ort für persönliche Andacht, Fürbitte und Gebet.

Die Umgestaltung des nun direkt zugänglichen Konfirmandensaals als Proben- und Kindergottesdienstraum einschließlich der Nebenräume rundet das breite Nutzungsangebot ab.

HELLE, RUHIGE FARBGESTALTUNG. Die Gemeinde wollte die historische Farbfassung nicht wiederherstellen, sondern den gesamten Kirchenraum hell und ruhig fassen. Die einheitlich hellen Wand- und Deckenflächen sind Reflexionsflächen des Lichtes.

Die architektonischen Strukturelemente, die teilweise in Naturstein, teilweise mit Stuck oder nur durch Farbe gefertigt sind, werden in zurückhaltender Form abgesetzt. Durch die hellen, dezenten Farben kommen die Buntglasfenster besonders zur Geltung.

ZEMENTMOSAIKPLATTEN
VIA GmbH

HISTORISCHER TAUFSTEIN. In der Mittelachse wurde der historische Originaltaufstein aus hellem Sandstein als eigenständiger sakramentaler Ort aufgestellt. Die Taufschale war nicht mehr vorhanden und ist aus Bronze neu gefertigt.

Der Andachtsort besteht aus einem flachen Bronzetisch. Er enthält eine Buch- und Schriftenauslage sowie Halterungen für Opferkerzen und Andachtskerze.

FOTOS
Christian Buck, Heidelberg

FARBIGE PARAMENTE. Die vier Paramente werden als winkelförmige Filzauflagen auf die Stufenanlage gelegt. Sie wirken im Wesentlichen durch Ihre Farbigkeit sowie durch zurückhaltende ornamentale Hinweise auf ihren inhaltlichen Bezug.

Die Bildtafeln der Kanzel von Hobbing aus den sechziger Jahren sind wieder in den Kirchenraum aufgenommen. Sie werden unter den Seitenemporen als Kunstwerke gezeigt.

DIFFERENZIERTE LICHTFÜHRUNG. Die Lichtfassung des Raumes liegt zwischen Kerzenlicht und Tageslicht. Das Kunstlicht bewegt sich zwischen diesen beiden Polen.

Eine Lichtsteuerungsanlage hält verschiedene Programme auf Knopfdruck bereit. Vier Komponenten ermöglichen eine differenzierte Lichtführung des Raumes: indirekte Beleuchtung der Deckengewölbe, direkte Grund- und Lesebeleuchtung, Akzentbeleuchtungen für Altar, Kanzel, Taufstein und Orgel sowie Chor- und Orchesterbeleuchtung.

Die elektroakustische Anlage ist in zwei Stelen auf beiden Seiten des Altarpodestes angeordnet. Von dort lassen sich ohne weitere Einbauten von dezentralen Lautsprechern alle Bereiche der Kirche erreichen.