Bauprojekt Hotel Hinteregger in Matrei in Osttirol

Bauprojekt Hotel Hinteregger Matrei in Osttirol

Eine gewachsene und wachsende Gesamtstruktur, die "erst beim Werden wird"

Weiterbauen in prozesshaften Schritten – das Ende bleibt offen

IMMER ZEITGEMÄSS. Historisch gewachsene Substanz und jeweils zeitgemäß ausgeführte Erweiterungen prägen das Erscheinungsbild des mitten im gewachsenen Ortskern von Matrei in Osttirol liegenden Hotels Hinteregger. Die Vielfalt an Räumen und Gebäudeteilen, die durch das stete Weiterbauen auf Bestehendem entstanden ist, wurde auch zum Leitprinzip der vom Architekturbüro Madritsch Pfurtscheller konzipierten Transformationen.

Dieses „Weiterbauen“ erfolgte und erfolgt in prozesshaften Schritten. Das Ende bleibt offen.

NACHHALTIGES VORGEHEN. Alle Eingriffe sind möglichst nachhaltig und im Sinne der Weiterentwicklung des Hotels „richtig“ zu setzen. Dabei kann jeder Schritt neu auftauchenden Gestaltungs- und Funktionskriterien unterzogen werden.

Das ermöglicht nicht zuletzt gestalterische Richtungswechsel. So ergibt sich eine gewachsene und wachsende Gesamtstruktur, die idealerweise „erst beim Werden wird“.

MADRITSCH PFURTSCHELLER
Anton-Rauch-Straße 18/5
A-6020 Innsbruck
Tel. +43 (0)512 / 5823 7-0
Fax +43 (0)512 / 5823 7-7
r.madritsch@aon.at
www.madritschpfurtscheller.at

Die Nachhaltigkeit dieser Vorgehensweise ergibt sich dabei weniger aus einem kostenintensiven energietechnischen Aufrüsten als vielmehr aus dem Beharren – auch seitens der Bauherren – auf funktionierende Parameter. Das beginnt bei Betriebsstrukturen wie beispielsweise der Größe und der sozialen Funktion eines Dorfgasthauses und reicht bis zum (Wieder-)Verwenden von funktionierenden Bauteilen.

BAUPHASE HOTELERWEITERUNG 2007. Das Hotel Hinteregger besteht aus mehreren Trakten und Gebäudeteilen in unterschiedlichen Alters- und Erhaltungszuständen. Den Nordosttrakt galt es umzubauen.

Der gesamte Trakt war ehemals ein Kinosaal. Alle später dazugekommen Anbauten und Einbauten (mit kleineren Ausnahmen) wurden abgerissen.

Der zweigeschossige “Kinosaal” wurde als stützenfreier “Rohbau” verwendet und um einen Stock und eine Achse erweitert. Die Erweiterung ist aus Kreuzlagenholz-Wandelementen im strengen Raster und einer gedämmten Holzelementdecke erstellt.

Die nordseitig vorgelagerten Loggien wurden auch über die darunterliegenden Geschosse gezogen. Sie hängen statisch vom obersten Geschoss ab.

Nach der Umgestaltung des Seitentrakts wurden zwei weitere Zimmer und ein Massageraum jeweils im Bestand neu adaptiert bzw. umgebaut. Diese neuen Zimmer sind in der Gestaltung den Zimmern des vorhergehenden Umbaus angepasst bzw. leicht variiert.

BAUPHASE SPEISESAALREVITALISIERUNG 2010. Der Speisesaal war nicht mehr groß genug und wurde in seiner Gestaltung als nicht mehr ansprechend empfunden. Dasselbe galt für den unübersichtlichen und in die Jahre gekommenen wintergartenartigen Eingang in das Hotel. Es entstand rasch die Idee, dem ursprünglichen Gebäude eine große, eingeschossige Glasscheibe vorzusetzen, den Eingang an die Seite zu verlegen und den Speisesaal bis an die Scheibe vorzuziehen, um buchstäblich an der Gehsteigkante zu sitzen.

In der Umsetzung ging es darum, die große Glasscheibe möglichst „störungsfrei“ wirken zu lassen. Sie verschwindet unten im Kopfsteinpflaster des Gehsteiges und schließt oben lediglich mit einer Blechkante ab.

Innen wurde der Speisesaal mit einfachen Eichenböden und -möbeln ausgestattet. Auf die lichttechnischen und akustischen Anforderungen wurde intensiv eingegangen. Alle Möbel aus geölter Eiche  sind bewusst schlicht ausgeführt.

BAUPHASE ZIMMERUMBAU 2009. Die zwei Zimmer wurden jeweils mit Dusche/WC bzw. mit freistehenden Badewannen ausgestattet. Die Duschen sind in Verbindung mit dem Zimmereingang und der Garderobe als eine Art „Fertigteilmöbel“ in die Bestandsholzstruktur hineingestellt und trennen die Gänge von den Zimmern.

Die Möbel, Türen und Einrichtungen sind in geölten, mitteldichten Holzfaserplatten ausgeführt. Sie stehen im wirkungsvollen Kontrast zum auf einer Seite hochgezogenen, gebürsteten und geölten Lärchenholzriemenparkett.

Der Massageraum erhielt einen neuen Schrank. Dessen Front und der Boden sind mit schwarzem Linoleum überzogen.

Das Spiel zwischen Innen und Außen, Enge und Weite macht den Speisesaal unverwechselbar. Fadenvorhänge als “lästiges” Beiwerk machen Stimmung und geben dem Gast das Gefühl, auf einer Bühne zu stehen. Der Speisesaal ist als Mehrzwecksaal ausgelegt und flexibel nutzbar.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:


SCHLOSSERARBEITEN
Kunstschmiede-Metallbau
Georg Bruckner

FOTOS
Wolfgang Retter, Lienz

BAUPHASE WEINKELLER 2012. Als Kontrast zum extrovertierten Speisesaal wurde im Keller eine Weinbar errichtet. Der enge Gewölberaum stand schon lange im Fokus der Hotelbetreiber, konnte jedoch nie wirklich Gäste anlocken. Geplant wurde eine mulifunktionale Nutzungsmöglichkeit als Besprechungs-, Seminar- oder Konferenzraum bzw. als Präsentationsraum für regionale Produkte oder zur Weinverkostung.

Umgesetzt wurde die Idee einer aus einem Baum herausgearbeiteten Holzinsel im Steinkeller. An unbearbeiteten Steinwänden entlang und unter rohen Steingewölben hindurch muss sich der Gast zur Holzinsel vorarbeiten, um in einem modernen Raum, der durch eine spiegelnde Glaswand “verdoppelt” wird, sägeraue, geölte Luft zu schnuppern. Die Fladerung des Holzes wurde in Wand, Boden und Tischholz parallel verarbeitet.

BAUPHASE SCHWIMMTEICHNEUBAU 2013. So wie es früher einmal zeitgemäß gewesen war, dass das Hotel einen Kinosaal haben musste, erfüllt heute der Schwimmteich einen Freizeitwunsch der Gäste. Denn natürlich ist das Hotel Hinteregger flexibel genug, sich den veränderten Zeiten anzupassen.

BAUPHASE STUBENSANIERUNG 2014. Auch die alte Stube bleibt nicht ewig unverändert. Ihre Sanierung ist die bisher letzte Baumaßnahme – aber mit Sicherheit nur ein Zwischenschritt in der weiteren Entwicklung des Hotels.