Neubau Haus der Berge in Berchtesgaden

Neubau Haus der Berge Berchtesgaden

Natur im Museum

Inszenierung des Lebendigen

ARCHITEKTUR UND LANDSCHAFT. Das Besucherzentrum des Nationalparks Berchtesgaden bietet ein harmonisches Zusammenspiel aus Architektur, Ausstellung und umgebender Landschaft. Architektur und Ausstellung gehen Hand in Hand: Das Haus der Berge wurde vom Staatlichen Bauamt Traunstein entworfen und berücksichtigt das vorab entwickelte Museumskonzept des Stuttgarter ATELIER BRÜCKNER.

Es setzt sich zusammen aus einem liegenden, lang gestreckten Bauteil und einem zweiseitig verglasten Würfel, der wie eine Vitrine schützend über den höchsten Punkt der Ausstellung, eine begehbare Bergskulptur, gestülpt ist. Der Berg begründet die markante Gebäudeform des Besucherzentrums.

ATELIER BRÜCKNER GmbH
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VERTIKALE WILDNIS. Die Ausstellung „Vertikale Wildnis“ repräsentiert den Nationalpark Berchtesgaden in Form eines begehbaren Landschaftspanoramas. Die Natur wird abstrahiert und auf multimediale Weise inszeniert.

2300 Höhenmeter sind auf rund 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche abgebildet. Der Besucher durchschreitet – gleichsam auf einer Wanderung vom Königssee bis hinauf zum Gipfel des Watzmanns – den Nationalpark: Der Parcours steigt kontinuierlich an.

CHARAKTERISTISCHE LEBENSRÄUME. Visuell und akustisch lernt der „Wanderer“ Flora und Fauna der vier charakteristischen Lebensräume kennen: Wasser, Wald, Alm und Fels. Kulissenhaft gesetzte Raumelemente bezeichnen diese Lebensräume. Silhouettenhaft, gleich Schattenrissen, prägen sie die einzelnen Raumbilder.

ANFASSEN ERLAUBT. Neben visuellen und akustischen Eindrücken wird das haptische Erleben groß geschrieben: Die Exponate dürfen, ja sollen berührt werden.

Taktile Muster von Baumrinden sind beispielsweise in den Stamm der Baumsilhouetten im Ausstellungsbereich Wald eingebunden. Tierpräparate laden dazu ein, das Fell von Kuh, Fuchs und Murmeltier zu vergleichen.

Die Exponate sind die authentischen Zeugen, die Hauptdarsteller jeder Ausstellung. Sie sollen sich entfalten und in den Dialog mit ihrer Umgebung, mit weiteren Exponaten und letztlich mit dem Betrachter treten können.

FOTOS
ATELIER BRÜCKNER / Michael Jungblut

PANORAMAPROJEKTION AM GIPFEL. Am Ende des Rundgangs, auf dem Berggipfel angekommen, überrascht eine 10 mal 15 Meter große Panoramaprojektion. Spektakuläre Naturaufnahmen aus dem Nationalpark verdichten die gesammelten Eindrücke.

Der Besucher erlebt die Natur aus unterschiedlichen Perspektiven: Er fühlt sich gleich einem Käfer im hohen Gras oder als Adler, der über der atemberaubenden Landschaft kreist. Über- und Unterwasseraufnahmen entführen in die einzelnen Lebensräume des Nationalparks.

DIE 4 JAHRESZEITEN. Die „Vertikale Wildnis“ ist als lebendiges Gebilde komponiert. Projektionen, sich wandelnde Lichtstimmungen und spezifische Geräusche bringen die vier Jahreszeiten in die Ausstellung. Der Besucher erlebt sie im dreiminütigen Wechsel.

Dieser Jahreszeitenwechsel, der die Natur immer wieder neu erscheinen lässt, wird in der Ausstellung zum multisensorischen Erlebnis.

VON MEDIALER ZU REALER SINNLICHKEIT. Nach einem Jahreszyklus von zwölf Minuten öffnet sich die Projektionswand und gibt den direkten Blick auf den Watzmann frei – als große einladende Geste: eine Einladung in die Natur. Nun gilt es, den Nationalpark selbst zu erkunden.

Text: ATELIER BRÜCKNER. Vgl. Möller, Bernd und Luxbacher, Claudia: Die Inszenierung des Lebendigen – zwischen realer und medialer Sinnlichkeit. In: BodenLeben – Erfahrungsweg ins Innere der Erde. Hrsg. Beatrice Voigt und Universität für Bodenkultur Wien. München 2013, S. 96 – 203.