Neubau Hallenbad im AQWA Bäderpark Walldorf
FOTO: zooey braun Fotografie, Stuttgart

Neubau Hallenbad im AQWA Bäderpark Walldorf

Verbindung des Funktionalen mit dem Ästhetischen

Anspruchsvolle Räume, die den Ort aufnehmen und an die sich der Besucher erinnert

NEUBAU STATT UMBAU. Im Rahmen eines europaweit ausgeschriebenen VOF-Verfahrens wurde ein Planungswettbewerb für die Realisierung des Hallenbades im AQWA Bäderpark Walldorf durchgeführt. Die Aufgabenstellung bestand darin, entweder den Entwurf für einen Umbau des bestehenden dreißigjährigen Bades oder für den Neubau eines Hallenbades vorzulegen.

Das Bauatelier Haas + Hiesch schlug einen Neubau neben dem bestehenden Hallenbad vor und erhielt aufgrund der Gesamtkonzeption den Zuschlag. Die Neubauarbeiten erfolgten bei laufendem Betrieb des alten Hallenbades. Dadurch konnten die Ausfallzeiten minimiert werden.

STÄDTEBAULICHER SOLITÄR. Der Neubau des Hallenbades ist städtebaulich als Solitär gegenüber der Mehrzweckhalle und dem Freibadgebäude positioniert. Die parkähnliche Waldlandschaft am Badesee bildet den Rahmen für das neue Hallenbad, das in den Kontext des Bäderparks integriert ist.

Als neues Entree für den Bäderpark wurde die Entwurfsidee der „Badebucht“ am See im Neubau entwickelt. Die neue Badelandschaft des Hallenbades terrassiert sich raumöffnend zum Badesee, mit fließendem Übergang zum Außenraum. Ziel war es, das Funktionale mit dem Ästhetischen so zu verbinden, so dass anspruchsvolle Räume entstehen, die den Ort aufnehmen und an die sich der Besucher erinnert.

FOTO: zooey braun Fotografie, Stuttgart

DIVERSE UMKLEIDEN. Für Schulen und Vereine werden die Sammelumkleiden mit 100 Schränken angeboten. Für Behinderte sind 2 separate Umkleiden mit insgesamt 8 Schrankplätzen vorhanden. Getrennt davon wurden für den Familien- und Freizeitbereich 8 Familienumkleiden sowie 24 Wechselkabinen mit 400 Schränken in offener Struktur angeboten.

Der gesamte Bereich ist in Blau-Türkis-Orange-Gelb-Tönen freundlich und angenehm gestaltet. Eine lange Föhnwand aus Eiche schließt den Bereich mit Blick nach Außen ab. Durch den Querriegel (Service-Block) mit den Sanitären Einrichtungen gelangt man in die Badehalle.

BUNTER KINDERBEREICH. Die transparente Badehalle ist als terrassierte Badelandschaft entwickelt. Sie ist in drei Bereiche mit unterschiedlich gestalteten Angeboten und Aufenthaltsqualitäten gegliedert.

Der Kinderbereich ist als bunter Papageienfisch mit Babybecken und Kleinkindbecken gestaltet. Die Allerkleinsten planschen mit einem Wasser-Igel, während für die größeren Kinder eine Rutsche, Bodenspritzdüsen und eine „regnende Wolke“ vorhanden sind.

Amorphe Wärmebänke umgreifen den gesamten Bereich. Nahebei befindet sich als runder Solitär der Babywickelraum. Dieser Hallenteil ist von einer „Sonneninsel“, die mit roten Lounge-Sitzsäcken bestückt wurde, halb überdeckt.

FÜR SPORT UND FREIZEIT. Der Neubau präsentiert sich als klar gegliederter, kompakter Baukörper und vereint die Sport- und Freizeitnutzung unter einem großen Dach. Durch die direkten Nutzungsverbindungen zwischen Hallenbad, Sauna, Wellness und Freibad sind vielfältige Tarifkonzepte möglich.

Der Baukörper der neuen Schwimmhalle ist diagonal in zwei Bereiche gegliedert: das geschlossene Volumen des Service-Teils und die transparent gehaltene Schwimmhalle. Diese Gliederung ist bestimmendes Merkmal und ordnet die gesamte neue Anlage bis in die Tiefen der bestehenden Badeseelandschaft. Der Service-Block der Schwimmhalle beherbergt die Umkleiden und die sanitären Einrichtungen sowie im Obergeschoss die Sauna- und Wellnesslandschaft.

bauatelier Haas + Hiesch
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EINLADENDES ENTREE. Das Foyer ist als einladendes Entree gestaltet. Der Blick fällt gegenüber dem Zugang direkt auf die Attraktionen in der Schwimmhalle.

Die bugförmige Kassenanlage ist mit einem künstlerischen Wassermotiv bedruckt und leitet den Besucher zu den auf gleicher Ebene befindlichen Umkleiden. Ein Multimedia-Monitor im rückwärtigen Bereich kündigt im Wechsel verschiedene Attraktionen an.

Gegenüber dem Kassen- und Infotresen befindet sich der Zugang zum Freibad. Hinter dem Tresen mit dem kleinen Büro erstreckt sich der Querriegel (Service-Block) mit der Küche der Gastronomie für alle Bereiche des Bades, den Umkleiden, den sanitären Einrichtungen und – unmittelbar vor der Wand zur Schwimmhalle – dem Raum für die Beckenaufsicht und für Erste Hilfe.

FOTO: IMAGO Walldorf

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:

KÜCHENTECHNIKPLANUNG
Ingenieurbüro Beck

NICHTSCHWIMMER- UND SCHWIMMERBECKEN. Das Nichtschwimmerbecken ist mit einer großen Wasserfallkante als gebaute Terrassierung zum Sportbecken entwickelt worden. Zusätzliche Attraktionen sind das Warmsprudelbecken für acht Personen, Bodensprudler, unterschiedliche Massagedüsen und ein Kletternetz.

Das Sportbecken (12,5 Meter mal 25,00 Meter) ist sowohl für den Schul- und Vereinssport als auch für die Belange des Freizeitsports ausgelegt. Durch die Sprunganlage mit Ein-Meter-Brett und Drei-Meter-Plattform ist es zugleich Anziehungspunkt für jugendliche Besucher. Speziell gestaltete bunte Rückenschwimmer-Linien gliedern das Hauptdach.

FOTO: IMAGO Walldorf

BLACK-HOLE-GROSSWASSERRUTSCHE. Als zusätzliche Attraktion findet der Badegast separat – auch akustisch getrennt – an die Badehalle angedockt einen transparenten, vornübergeneigten Treppenturm. Dieser erschließt eine achzig Meter lange, hochwärmegedämmte Groß-Wasserrutsche mit diversen Lichteffekten („black hole“). Ein transparentes Mittelstück in der Rutsche lässt einen kurzen Blick auf den Bäderpark zu.

FOTO: IMAGO Walldorf

ERDE, FEUER, WASSER, LUFT. Teil der Saunalandschaft sind die Urelemente „Erde-Feuer-Wasser-Luft“, die das Motto für die Anlage bilden. Blau-grüne Glasmosaik-Farbverläufe besetzen die geschwungene diagonale Wand sowie die Außenwand des runden Dampfbades.

Gegenüber befinden sich drei freigestellte Kuben als Schwitzkabinen aus dem rötlichen Holz der sibirischen Zeder: die Saunen Lux (60 °C), Exclusiv (90 °C, Aufguss-Sauna) und Victoria (100 °C). Zwei Ruheräume, davon einer als Leseraum vorgesehen, ein großer offener Ruhebereich, zwei in Einzelkabinen angeordnete Solarien, ein Raum mit einem Aqua-Surround-Bett ergänzen und das Sauna-Restaurant ergänzen das Angebot.

Über einen Rundweg durch den Saunagarten wird die See-Sauna (rund 30 Quadratmeter, 90 °C, Aufguss-Sauna) mit dem integrierten Naturteich und den Liegedecks, jeweils mit direktem Blick auf den Badesee, erreicht. Für den Wellness-Bereich wurde vor dem Aufzug ein Empfangsraum platziert, von dem die drei dafür vorgesehenen Massage- und Behandlungsräume zugänglich sind.

KOMPLETT BARRIEREFREI. Die zentral gelegene Küche bedient sowohl das Foyer als auch die Badehalle und den Saunabereich im Obergeschoss. Im Erdgeschoss ist die Gastronomie im Foyer und die in der Badehalle nur durch eine Glaswand getrennt. Der Restaurantbereich der Sauna umfasst unter anderem die kommunikative „Wellnessbar“ und eine Kamin-Lounge.

Die Badehalle nimmt die wesentlichen Elemente des Außenraums auf: Wasser, Wald und Himmel. Das weit gespannte, ansteigende Dach der Badehalle hat eine weiße Akustikdeckenuntersicht und löst sich mit kräftig blauen Rändern zum Himmel hin auf. Die raumprägende diagonale Rückwand ist im Erdgeschoss als Sichtbetonwand und im Obergeschoss mit horizontal strukturierter Eichen-Holzverkleidung ausgebildet. Silbergraue Fliesen und „wässrig blaue bis türkisfarbene Farbgestaltungen“ bespielen Boden- und Wasserflächen in der Badehalle.

GEHOBENE SPA-ATMOSPHÄRE. Vom Entree gelangt der Badegast per Treppe oder Aufzug in das Obergeschoss, wo sich ihm eine gehobene „Spa-Atmosphäre“ erschließt. Der Saunabesucher erreicht nach dem Passieren eines Vorraumes mit Frisierplätzen die für Damen und Herren getrennten Umkleiden.

Den Innen-Saunabereich (550 Quadratmeter) kann der Besucher wie eine Landschaft durchwandern. Fließende Raumübergänge und gerahmte Blicke in die Baumkronen sowie eine freitragende Liegeterrasse (rund 95 Quadratmeter) mit schönem Ausblick gelten als die maßgeblichen Gestaltungsideen.

FOTO: IMAGO Walldorf

In die Planung des AQWA wurden Schulen, Sportvereine, Vereine für Seh- und Gehbehinderte, Mütter mit Kleinkindern und Senioren eingebunden. Daraus entstand eine komplett behindertengerechte Ausgestaltung, einschließlich des Saunagartens. Und zur nachhaltigen Energiegewinnung sind die Dachflächen des Massivbaus mit einer 700 Quadratmeter großen Photovoltaik-Anlage ausgestattet.