Bauprojekt Gesundheitseinrichtung Bad Schallerbach

Bauprojekt Gesundheitseinrichtung Bad Schallerbach

Verbindung zwischen Gesundheit,
Natur und Ökologie

Mustergültige Sanierung

MEDIZIN MIT RESORT-CHARAKTER. Höchste Behaglichkeit, maximaler Komfort und niedrige Betriebskosten sind das Ergebnis der thermischen Sanierung und der modernen Um- und Zubauten der Gesundheitseinrichtung Bad Schallerbach der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB). Das neu eröffnete Gebäude verbindet Medizin mit Resort-Charakter und setzt neue Maßstäbe in Energieeffizienz und Gesundheitsinnovation.

Die VAEB hat das direkt am Flussufer der Trattnach liegende Grundstück im Rahmen eines umfassenden Umstrukturierungskonzepts aufgewertet und weiterentwickelt. In einem EU-weiten Wettbewerb waren Architects Collective als Architekt und die Arge GBS als Generalplaner ausgewählt worden.

Architects Collective ZT-GmbH
Hohlweggasse 2/25
A-1030 Wien
Tel. +43 (0)1 / 5816 280
Fax +43 (0)1 / 5816 280-20
www.ac.co.at

6.000 M² + 4.200 M². Der Um- und Zubau umfasst erweiterte Therapie- und Beherbergungsbereiche mit insgesamt 124 Gästebetten und einer großzügigen Parkanlage. Im Laufe der Planung wurde das 1968 errichtete fünfgeschossige Bestandsgebäude mit 6.000 Quadratmetern neu organisiert und umfassend thermisch saniert. Zudem realisierten die Architekten einen 4.200 Quadratmeter großen Zubau mit Bettentrakt, Therapiebereich, Therapiebad sowie Speisesaal.

Die architektonische Grundidee basiert darauf, Verbindung zwischen Gesundheit, Natur und Ökologie aufzubauen. Diese Verbindungen entstanden durch räumliche Bezüge und aus der Natur entliehene oder durch Materialien geschaffene architektonische Elemente.

FLIESSENDE ÜBERGÄNGE. Das Therapiebad mit seinem Richtung Süden auskragende Dach ist der gestalterische und inhaltliche Mittelpunkt der Anlage. Von dort aus fließt der Innenraum in den umliegenden Park, den die Planer unter Einbeziehung zahlreicher alter Bäume und neuer Wege mit Sitzbereichen neu gestalteten.

Die fließenden Übergänge zwischen Innen und Außen stehen für die Beziehung von Medizin und Natur. Die Innenausstattung unterstreicht mit natürlichen Oberflächen und frischen Farben den Resort-Charakter der Einrichtung ebenso wie die Natursteinböden aus Schiefer und Kautschuk sowie die Möbel aus Eiche.

BAUSTOFF HOLZ. Durchgehende Farbakzente, die geschossweise verlaufen, unterstützen die intuitive Wegführung. Der freundliche und offene Charakter wird durch den starken visuellen Bezug zwischen Park und Foyer, Aufenthaltsbereichen und Therapiebad noch verstärkt.

Durch den sich wiederholenden Grundriss im Bereich der Beherbergung ließ sich der Baustoff Holz ideal in Form von hochwärmegedämmten Außenwänden und kreuzverleimten Massivholz-Platten als Trennwand und Decke einsetzten. Die Balkon-Konstruktionen von Neubau und Sanierung sind als Holz- bzw. Holz-Stahl-Leichtkonstruktion gefertigt und dienen gemeinsam mit einer vorgehängten, unregelmäßigen Holzlattung auch als Beschattung und  visueller Schutz für die Gäste. Der Großteil der Neubauten wurde durch verschiedene im Werk montierte Bauteile wie die Sanitärblöcke, die gesamten Wände oder die Deckenelemente vorgefertigt.

KÜNFTIGE ANFORDERUNGEN BEREITS REALISIERT. Im Rahmen des Umstrukturierungskonzeptes der VAEB wurde die Anzahl der Einrichtungen von neun auf vier reduziert und der Standort Bad Schallerbach als erste derartige Investition auf die modernen Anforderungen der Gesundheitsvorsorge vorbereitet. Zusätzlich zum Kurangebot besteht nun auch ein Fokus auf Prävention und Gesundheitsförderung, wodurch den Versichterten in ihrem dreiwöchigen Aufenthalt ein ganzheitlicher Ansatz von Therapie und Wissen über Gesundheit zugutekommt.

Grundlage dafür ist ein multimodales Behandlungs- und Präventionskonzept, das erst durch entsprechende Rahmenbedingungen von Medizin und ansprechenden Räumlichkeiten mit Naturbezug wirksam wird. Ziel ist die Steigerung beziehungsweise die Erhaltung der individuellen Gesundheit sowie der Erwerbs- und Arbeitsfähigkeit und damit verbunden die Kostenreduktion bei Behandlung oder Pflegebedürftigkeit. Die Gesundheitseinrichtung Bad Schallerbach verwirklichte die zukünftigen Anforderungen der Versicherungsanstalt beispielhaft für das neue Gesundheitskonzept.

ALS KLIMA:AKTIV GEBÄUDE ZERTIFIZIERT. Der Klima- und Energiefonds der Bundesregierung hat im Rahmen der Mustersanierungsoffensive die Sanierung des Bauwerks finanziell unterstützt und dadurch eine Reihe weiterer qualitativer und energetischer Maßnahmen ermöglicht. Dazu gehören der Austausch sämtlicher Fenster des Bestandsgebäudes, der Wechsel zu Ökostrom und eine Verbesserung der Haustechnik-Anlagen.

So hat jetzt das gesamte Gebäude den Status eines Niedrigstenergie-Gebäudes und ist als Klima:Aktiv Gebäude zertifiziert. Das Resultat sind minimale Betriebskosten, maximaler Komfort und höchste Behaglichkeit – und somit beste Bedingungen, um die Gesundheit der Versicherten zu verbessern oder zu erhalten.

Mit dem Klima:Aktiv Gebäudestandard werden neben der Energieeffizienz die Planungs- und Ausführungsqualität, die Qualität der Baustoffe und Konstruktion sowie zentrale Aspekte zu Komfort und Raumluftqualität von neutraler Seite beurteilt und bewertet. Zur Erreichung der Förderung mussten die Anforderungen für den Heiz- und Kühlbedarf gemäß OIB-Richtlinie 6 um mindestens 50 Prozent unterschritten werden. Der Anteil erneuerbarer Energieträger oder genutzter Abwärmepotenziale am Gesamtenergiebedarf der sanierten Gebäude musste mindestens 35 Prozent betragen. Beide Parameter wurden deutlich unterschritten.

NEUE MASSSTÄBE GESETZT. Zu- und Umbau, thermische Sanierung sowie ressourcenschonende Planung und Ausführung des Gebäudes setzen neue Maßstäbe für vergleichbare Einrichtungen, von denen alleine in Österreich an die hundert Objekte in den nächsten Jahren saniert werden müssen. Trotz eines beschränkten Budgets von 1.300 Euro pro Quadratmeter Bauwerkskosten war es möglich, den Heizwärmebedarf für die Therapie- und Beherbergungsbereiche um 87 Prozent zu verbessern.

FOTOS
Hertha Hurnaus
hehu@hurnaus.com

Das entspricht einer Unterschreitung des gesetzlich geforderten Wertes um 65 Prozent. Der Kühlbedarf unterbietet diesen sogar um 82 Prozent.

Das erreichten die Architekten vor allem durch die Verbesserung der Kompaktheit des Gebäudes, die konsequente Wärmedämmung von Wand- wie Dachflächen und die Bereinigung von Wärmebrücken durch den Abbruch untergeordneter Gebäudeteile: Alle Fenster und Glasflächen wurden als Ug 0,7 W/m²K ausgeführt, sämtliche Räume erhielten eine kontrollierte Lüftung mit effizienter Wärmerückgewinnung, und darüber hinaus wurden am Dach Warmwasserkollektoren installiert.