Bauprojekt Einfamilien-Haus in Hanau, Hohe Tanne

Bauprojekt Einfamilien-Haus in Hanau, Hohe Tanne

Räume, in denen Menschen gerne leben

Individuelle, nachhaltige Lösungen durch den Dialog zwischen Alt und Neu

„ENTSTAUBUNG“ DER ARCHITEKTUR. Das Einfamilienhaus im Hanauer Stadtteil Hohe Tanne war 1967 im Stil amerikanischer Präriehäuser gebaut worden (eingeschossig, teilweise unterkellert, Walmdach). Es teilt sich in einen Schlaf- und einen Wohntrakt auf, welche L-förmig  die Terrasse und den Pool einfassen.

Die Bauherren schätzen vor allem den fließenden Übergang zwischen Außen- und Innenbereich. So lässt sich zum Beispiel das Fenster in der Bibliothek sogar in den Boden versenken. Neben diesen bereits gegebenen Vorzügen wünschen sich die Bauherren eine helle, warme und „entstaubte“ Architektur, die sich in einem harmonischen Stil durch das gesamte Haus zieht und „lebt“, also auch zum Beispiel Kinderzeichnungen an Wänden verträgt.

ARCHITEKTUR SOMMERKAMP
Höhenstraße 16–18
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SCHAFFUNG VON GASTFREUNDLICHKEIT. Zu Beginn der Zusammenarbeit mit Architektur Sommerkamp schrieben die Bauherren die Anforderungen sowie Hinweise zu ihrem Lebensstil auf. Die Auftraggeber waren bereits auf der ganzen Welt zu Hause gewesen. Gastfreundlichkeit wird bei ihnen groß geschrieben, und das gemeinsame Essen mit Familie und Freunden nimmt in ihrem Leben einen zentralen Platz ein. Daher war es ein besonderer Wunsch von Ihnen, in der Küche eine Sitzecke zu schaffen. Dort möchten sie gemütlich zusammensitzen und mit der gesamten Familie kochen.

Die Eltern sind beide berufstätig. Der Bauherr interessiert sich für Kunst und sammelt – überwiegend sehr großflächige – Bilder.

Die beiden Kinder haben zahlreiche Freunde in der Nachbarschaft, die eine Menge Platz zum Spielen brauchen. Sie sollen viele Freiheiten genießen und toben können – draußen wie drinnen.

Gemäß der Philosophie von Architektur Sommerkamp wurde der Dialog zwischen Alt und Neu gesucht. Vorhandenes wurde aufgegriffen und in eine neue Architektursprache übersetzt. Es entstanden individuelle Lösungen, die nicht schnelllebig sind, sondern zeitlos und somit nachhaltig.

KONVEX WURDE KONKAV. Beispielhaft dafür ist der Eingriff im Bereich der Treppenstufen, die den Wohn- und den Essbereich miteinander verbinden. Aus einer konvexen Treppe wurde eine konkav geschwungene Treppe gemacht. Zusammen mit der geschwungenen Sichtbetonbank wird das Zentrum des Hauses – der Esstisch – betont.

Dem Wunsch der Bauherren, Essbereich und Küche räumlich miteinander zu verbinden, wurde mit einer Durchreiche entsprochen. So bleibt zum einen genügend Platz für eine funktionale Küche, zum anderen ist eine große Wandfläche für die gesammelte Kunst des Auftraggebers vorhanden.

BODENLEUCHTEN FÜR BETONELEMENTWÄNDE. Die Betonelementwände blieben bewusst unverändert. Sie prägen das Haus und stehen für den Geschmack der 60er Jahre. Heizkörper, die störend davor standen, wurden entfernt. Zudem unterstreichen Bodenleuchten den dekorativen Charakter.

Im neuen Sauna-Anbau wurde das Thema des fließenden Übergangs zwischen Außenbereich und Haus wieder aufgegriffen. Der Duschbereich befindet sich vor der Schiebetür. Im Sommer entsteht so eine Außendusche, die auch als Schmutzschleuse für die Kinder dient.

Im Bereich des Dachgeschosses steht das Leitbild eines Schweizer Chalets im Vordergrund. Einfach und mit viel Platz zum Wohlfühlen.

GEWACHSTE DOUGLASIENDIELEN. Für den Boden im Wohnbereich wurden drei Zentimeter starke und dreißig Zentimeter breite Douglasiendielen ohne Stöße verlegt. Die längste Diele ist zehn Meter lang.

Douglasie ist ein schnell wachsendes Nadelholz mit einer ausgeprägten Maserung. Die dicken, breiten Dielen halten ein Leben lang. Sie bekommen Patina und verkörpern so eine nachhaltige und naturverbundene Architektur.

Die Dielen wurden weiß geölt und gewachst. So entstand eine ruhige,  helle und zurückhaltende  Oberfläche.

SICHTBETON ZUR STEINVERKLEIDUNG. Der Sichtbeton der Kaminbank passt hervorragend zur Steinverkleidung des offenen Kamins. So bot sich die gestalterische Möglichkeit, eine erweiterte Sitzbank in den Raum zu integrieren.

Der Teppichboden passt sich farblich an den Douglasienboden an. Aufgrund der unterschiedlichen Struktur erzeugt er aber eine Teilung in Wohn- und Schlaftrakt.

Die Bauherren lieben es schlicht. Hellgraue Zementfliesen geben dem Bad eine reduzierte und edle Note. Sie sind ein Statement zeitlosen Stils.

FOTOS
Christoph Tempes
Eichäckerstraße 33
D-61381 Friedrichsdorf
Tel. +49 (0)172 / 6853 336
christoph@tempes.net
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WENIGE, NATÜRLICHE MATERIALIEN. In den Wohnräumen sind wenige, natürliche Materialien eingesetzt, die eine harmonische, helle und sanfte Farbstimmung generieren. Diese bilden den  respektvollen Rahmen für die gesammelten Kunstwerke (Bilder) des Auftraggebers.

Einzig in den Bädern und in der Küche wurde auf Kontrast gesetzt.  Dunkle Blöcke, die teilweise zur Wand werden, definieren den Raum.

Wohn- und Schlafbereich unterscheiden sich weniger durch die Farbigkeit, als vielmehr durch die unterschiedlichen Fußböden. Der Teppich schafft so noch mehr Behaglichkeit in diesem privaten Bereich.

DIFFERENZIERTES BELEUCHTUNGSKONZEPT. Das Beleuchtungskonzept  differenziert zwischen Nebenräumen und Aufenthaltsbereichen. Während Bäder, Eingangsräume, Flure und Küche den Raum durch lineare Beleuchtungen (unter anderem LED-Bänder) illuminieren, werden in den Aufenthaltsbereichen dekorative Beleuchtungen eingesetzt.

Im Wohn- und Esszimmer ist eine Bilderschiene installiert, kombiniert mit Punktbeleuchtungen. Fußbodenleuchten betonen die Betonelementwände.

Im Dachgeschoss wurde das Leitbild des Schweizer Chalets umgesetzt. Der Ausbau ist bewusst einfach gehalten. Pro Raum wurde ein einziges Material für Boden, Wand und Decke eingesetzt: Das Matratzenlager ist mit  lackierten Grobspanplatten verkleidet, im Bad wurde eine Zwei-Komponenten-Beschichtung verwendet.

ARBEITSPLATTE FÜR „KOCHGELAGE“. Der „Hingucker“ in der Küche ist die Arbeitsplatte aus dem Naturstein Azul Valverde, geölt. Für die „Kochgelage“ mit den Kindern ist sie besonders groß gestaltet. Außerdem kontrastiert sie zu der schlichten Schreinerküche.

Die Sitzecke besteht aus geöltem Lärchenholz. Die Maserung gleicht sich dem Douglasienboden an. Der warme Holzton schafft Intimität.

DACHGESCHOSS MIT CHALET-CHARAKTER. Im Dachgiebel soll alles möglichst „aus einem Guss“ sein. Indem Boden, Wand und Decke mit lackierten Grobspanplatten verkleidet wurden, kann der Raum für sich wirken und entspricht dem einfachen Chalet-Charakter.

Die Gipskartonplatten im Bad des Dachgeschosses sind wasserfest beschichtet. Es handelt sich dabei um einen matten Zwei-Komponenten-Lack, der für Wände und Böden geeignet ist. Der Duschraum wurde komplett mit Mosaikfliesen ausgekleidet.

EIN ORT DER GEBORGENHEIT. Der Entwurf ist transparent, klar und licht. Er erlaubt den Bewohnern, sich vom anstrengenden Alltag zurückzuziehen.

Für Architektur Sommerkamp ist das Besondere, dass die Räume nach dem Umbau eine starke Ruhe ausstrahlen. Das Haus, das vorher eher dunkel, teilweise altbacken oder stellenweise sogar abweisend gewirkt hatte, ist zu einem Ort der Geborgenheit geworden. Die Räume öffnen sich Bewohnern und Gästen.

ERGEBNIS DER AUSEINANDERSETZUNG. Die sehr unaufdringliche und zugleich elegante Architektursprache verbindet Räume und Menschen: In den „Wohlfühlräumen“ ist nun ein Verweilen möglich. Zum Beispiel in der ehemaligen Durchgangsküche, die jetzt über eine Sitzecke verfügt, oder im Wohnzimmer mit der neuen geschwungenen Kaminbank.

Architektin Antje Sommerkamp: „Mein Ziel ist es, Vorhandenes zukunftsweisend so weiterzuentwickeln, dass Räume entstehen, in denen Menschen gerne leben. Die Auseinandersetzung mit den Menschen, der Funktion und dem Ort ist dabei zuweilen aufwändiger als bei anderen Ansätzen, aber unverzichtbar, um die nachhaltige Raum- und Gestaltungsqualität zu gewährleisten, für die meine Lösungen stehen.“