Neubau DZ 7 Universitätsklinikum Greifswald

Neubau DZ 7 des Universitätsklinikums Greifswald

Der neue Mittelpunkt der Universitätsmedizin

Ein Wandel der Anforderungen wurde bereits bei der Planung des Neubaus antizipierend einbezogen

36-MILLIONEN-BAU. Der 36,8-Millionen-Euro-Neubau des Diagnostikzentrums DZ 7 wurde unter der Federführung des Geschäftsbereiches Greifswald des Betriebes für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL M-V) zusammen mit der beauftragten HWP Planungsgesellschaft mbH (HWP) geplant und ausgeführt. Das DZ 7 dient als Bindeglied für den ersten und zweiten Bauabschnitt des Klinikums der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald am Ort des abgebrochenen Diagnostikzentrums DZ 8, das im Jahr 1980 nach dem Bausystem Vereinheitlichter Geschossbau (VGB) geplant und errichtet worden war.

Das Diagnostikzentrum DZ 7 ist der neue Mittelpunkt der Universitätsmedizin Greifswald. Von der einladenden Eingangshalle des Gesamtklinikums können nun der erste und zweite Bauabschnitt des Universitätsklinikums, die korrespondierenden Hörsäle, das angrenzende Diagnostikzentrum DZ 3 mit dem Operationszentrum ohne Einschränkungen begangen werden. Aufgrund der Lage ist das DZ 7 auch das neue Drehkreuz für verschiedenste Personenströme: Ärzte und Pflegepersonal, Patienten und Besucher, Studierende und Lehrkräfte passieren dort nun täglich dieses neue Gebäude.

NEUBAU STATT SANIERUNG. Ursprünglich hatte das bestehende Diagnostikzentrum DZ 8 im Rahmen der angrenzenden, umfassenden Neubauten der Universitätsmedizin Greifswald durch Sanierung und Modernisierung erhalten bleiben sollen. Es war geplant, das Gebäude bis auf den Rohbau zurückzubauen, um die verbauten Schadstoffe, wie Asbest und künstliche Mineralfaserprodukte, zu entfernen.

Nachdem im Jahr 2007 starke Grundwassereinbrüche im Untergeschoss und gravierende Bauschäden zu verzeichnen waren, war eine wirtschaftlich vertretbare Instandsetzung nicht mehr möglich. Es wurde beschlossen, das Gebäude abzubrechen und durch einen Neubau im laufenden Betrieb des Universitätsklinikums an gleicher Stelle zu ersetzen.

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AUFRECHTERHALTUNG DES BETRIEBS. Die Entscheidung, das alte Diagnostikzentrum DZ 8 nicht zu sanieren, sondern an derselben Stelle als sechsgeschossigen Bau neu zu errichten, zog zahlreiche vorbereitende und interimistische bautechnische Maßnahmen sowie Konsequenzen für den Bauablauf nach sich. Denn Prämisse war es, den universitätsmedizinischen Betrieb während des Abrisses und der gesamten Neubaumaßnahme vollumfänglich aufrechtzuerhalten. Aufgrund der örtlich begrenzten Situation entschied man zu Beginn der Planung, das Untergeschoss des bestehenden Diagnostikzentrums als Baugrube und Baugrubensicherung zu verwenden. Das neue DZ 7 wurde nach Abbruch der Außenwände vom bestehenden Untergeschoss neu aufgebaut. Aus statischen Gründen musste eine neue tragende Bodenplatte auf die vorhandene aufgesetzt werden. Das Achsraster des neuen DZ 7 wurde an den ersten und zweiten Bauabschnitt des neuen Universitätsklinikums angeglichen.

Zur Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes war es zudem notwendig, eine neue Stromversorgung in der Grünzone zwischen DZ und dem ersten Bauabschnitt zu errichten. Auch für weitere Technikbereiche mussten Ausweichflächen im Untergeschoss des zweiten Bauabschnittes gefunden werden. Um den Operationsbetrieb im OP-Zentrum des angegliederten Diagnostikzentrums DZ3 während des Projektes gewährleisten zu können, wurde ein direkter, von der Baustelle isolierter Verbindungsgang vom ersten Bauabschnitt über die Baustelle des DZ 7 zum DZ 3 gebaut. Zusätzlich wurde für die Zeit des Rückbaus eine Verbindungsbrücke zwischen dem ersten Bauabschnitt und dem OP-Zentrum des DZ 3 angebracht. Die funktionellen, betriebsorganisatorischen und konstruktiven Abhängigkeiten zu den bestehenden Bauten der Universitätsmedizin verlangten die vollständige Überarbeitung des Bauablaufs und die Erstellung eines neuen Terminplans.

WIEDERKEHRENDE ELEMENTE. Das neue DZ 7 ist entsprechend dem Vorgängerbau als langgestreckter Baukörper mit rechtwinkliger Kubatur gestaltet und verfügt über sieben Nutzgeschosse (UG, EG, 1.—5. OG). Zusätzlich dazu wurde ein Technikgeschoss als Dachabschluss verwirklicht. Der Neubau ist höhengleich über die gemeinsame Eingangshalle im Westen sowie über einen Verbindungsflur im Osten mit den Neubauten des ersten und zweiten Bauabschnittes als eine harmonische architektonische Einheit verbunden. Von der zentralen Wartezone für Vorschaltambulanz und Basisdiagnostik in der Gebäudemitte bestehen zwei Anbindungen an den Untersuchungs- und Behandlungsbereich des südlich gelegenen zweiten Bauabschnittes. Der nördlich gelegene erste Bauabschnitt wird durch einen zweigeschossigen dritten Übergang erschlossen. Architektonisch und funktionell verbindet das DZ 7 Pflege- und Untersuchungsbereiche mit den im Neubau untergebrachten Zentralfunktionen.

Die Materialwahl im Innen- und Außenbereich wurde an die bestehenden Baukörper des ersten und zweiten Bauabschnittes des neuen Klinikums angelehnt, bei denen natürlich anmutende und nachhaltige Stoffe wie Naturstein, Klinker, Keramik und Holz verwendet worden waren. Auch charakteristische, wiederkehrende Gestaltungselemente und –details, zum Beispiel bei der Keramikfassaden- oder Fenstergestaltung, unterstützen den Eindruck, dass die seit Mitte der 1990er Jahren in Bauabschnitten entstandenen Baukörper der Universitätsmedizin Greifswald als ein Gesamtbauwerk wahrgenommen werden.

PERFEKT UNTERGEBRACHTE NUTZUNGSBEREICHE. Die betriebliche Konzeption der Medizinischen Fakultät gibt die Nutzungsinhalte des neuen Diagnostikzentrums DZ 7 im Einzelnen vor. Das Untergeschoss ist als Installationskeller für technische Zwecke vorbehalten. In den drei darüberliegenden Ebenen (Erdgeschoss, erstes und zweites Obergeschoss) sind allgemeine Ambulanzflächen, spezielle Untersuchungsräume und Diensträume zu finden, in denen fächerübergreifend verschiedene Untersuchungen an ambulanten Patienten vorgenommen werden können. Im Erdgeschoss befindet sich der Ambulanzbereich unterschiedlicher Kliniken mit Leitstelle, Vorschaltambulanz, Basisdiagnostik, Schmerzzentrum und Anästhesieambulanz.

Im ersten Obergeschoss gelangt man in das Kompetenzzentrum, in die zentralen Diagnostikbereiche sowie in die Spezialambulanzen für Allgemeinchirurgie. Auch die Kliniken für Innere Medizin A und B sind dort untergebracht. Die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche der Orthopädie, sowie die Dienst- und Seminarräume wurden im zweiten Obergeschoss verortet. Im dritten bis fünften Obergeschoss sind nun die umfangreichen zentralen Laborflächen mit zugehörigen Forschungsräumlichkeiten konzentriert. Damit ist es gelungen, die zwischenzeitlich gestreuten Laborbereiche, die Immunologie und die Medizinische Biochemie für einen effizienten Betrieb im Kernstück der Universitätsmedizin Greifswald zu bündeln.

AUTOMATISCHES WARENTRANSPORTSYSTEM. Die Ver- und Entsorgung des neuen Diagnostikzentrums DZ 7 erfolgt über ein automatisches Warentransportsystem, das bereits im ersten und zweiten Bauabschnitt des Klinikums genutzt wird. Dazu wurde das bestehende System für den Neubau erweitert. Der Transport von Blutproben und Befunden funktioniert über eine Rohrpostanlage.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:

HAUSTECHNIKPLANUNG
GTB-Berlin
Gesellschaft für Technik am Bau mbH

FOTOS
HWP Planungsgesellschaft mbh,
Fotograf: Vincent Leifer, van ryck

Die gesamte Anlagentechnik wurde auf die vorhandene zentrale Gebäudeleittechnik des Klinikums aufgeschaltet. Damit kann sie effizient zentral überwacht und gesteuert werden.

HOHE FLEXIBILITÄT. Bei der Realisierung des neuen DZ 7 wurde ein besonderes Augenmerk auf Zukunftsfähigkeit gerichtet. Ein Wandel der Anforderungen wurde bereits bei der Planung des Neubaus antizipierend einbezogen.

Die Grundstruktur ist durch Raster und Flur definiert. Die gewählte Grundrissgestaltung bietet in Kombination mit den überwiegend verwendeten Raumtrennwänden aus Leichtbaukonstruktionen und der einheitlich geplanten Technik eine hohe Flexibilität für Nutzungsanpassungen.

MASSGEBLICH BETEILIGT: HWP. Die HWP Planungsgesellschaft mbH mit Sitz in Stuttgart und Niederlassung in Greifswald war im Neubauprojekt Diagnostikzentrum DZ 7 mit Architektenleistungen (HOAI LPH 2-8) und mit der Projektsteuerung (Handlungsbereich D Stufen 2 bis 5 AHO) beauftragt. Auch bei der Labor- und Gebäudetechnikplanung waren HWP-Planer im Rahmen der PGT Planungsgemeinschaft Technik der Firmen GTB / HWP am Projekt beteiligt.

Die HWP Planungsgesellschaft mbH wirkt seit dem Jahr 1992 bei der Entwicklung des Gesundheits- und Universitätsstandortes Greifswald nachhaltig mit. Umfangreiche Beratungsleistungen im Jahr 1993 des HWP Geschäftsbereiches Unternehmensberatung und Betriebsplanung wie z.B. eine Regional-, Betriebs- und Standortanalyse, eine Strategie- und Ressourcenplanung, die Erarbeitung von Finanzierungsmodellen, sowie die betrieblich-bauliche Entwicklungsplanung mit Realisierungskonzeption lieferten die Grundlage für eine mehrstufige Standortentwicklung. Im Anschluss war HWP in den beiden Hauptbauabschnitten des Universitätsklinikums von 1997-2004 und von 2002-2010, sowie beim Neubau des angegliederten sechsten Bettenturms als Architektur- und Planungsunternehmen mit mehreren Planungsdisziplinen involviert.