Denkmalgerechte Sanierung in Dresden

Denkmalgerechte Sanierung in Dresden

Wohnloft in altem Ballsaal

Spannungsreicher Dialog zwischen Alt und Neu

HISTORISCHER GASTHOF. Bei dem Objekt in Dresden handelt es sich um die Sanierung des historischen Gasthofs „Königs Weinberg“ zu einem Wohn- und Geschäftshaus. Prunkstück des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert ist der Ballsaal mit reich geschmückter Ornamentik, welcher Ende des 19. Jahrhunderts eingebaut worden war.

Bei der Sanierung wurde in den Ballsaal ein 260 Quadratmeter großes Loft integriert. Ziel war es, einen strukturierten, offen gestalteten Wohnraum zu schaffen.

5 KUBEN. Dabei sollten die rund fünf Meter hohe Stuckdecke und das Gesamtvolumen des Ballsaals erlebbar bleiben. Gelöst wurde dies durch die Implementierung von fünf Kuben, die individuelle Rückzugsmöglichkeiten bieten.

Die begehbaren Decken der Kuben bilden Galerieflächen. Sie sind durch Brücken miteinander verbunden.

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HARMONISCH UND SPANNUNGSREICH. Die Kuben heben sich durch die Farb- und Materialwahl von den Außenwänden ab. Gleichzeitig fügen sie sich wie selbstverständlich in den Raum ein. Zusammen mit der historischen Deckengestaltung ergibt sich ein harmonisches und zugleich spannungsreiches Gesamtbild.

Die Nutzung der einzelnen Kuben lässt sich sowohl an ihrer Farbgebung als auch an ihrer Form ablesen. So fungieren die orangefarbenen, geschlossenen Kuben als Schlafräume und die rötlichen, geöffneten Kuben als Funktionsbereiche.

Die Anordnung der Schlafkuben an den Außenwänden ermöglicht die Versorgung mit natürlichem Licht durch Fenster. Die rötlichen Kuben befinden sich hingegen in der Raummitte und beinhalten Küche und Abstellräume. Ihre Farbigkeit erhielten die Kuben durch eine aufgebrachte Spachteltechnik.

BEGEHBARE SKULPTUREN. Der Detaillierung dieser eingestellten Räume wurde große Beachtung geschenkt. So sind Türen, eingebaute Möbel sowie die Wand- und Bodenbeläge farblich nahezu perfekt aneinander angeglichen. Sie wirken wie begehbare Skulpturen aus einem Guss.

Die Badezimmer befinden sich in bereits im Bestand vorhandenen Nebenräumen auf beiden Ebenen. Das obere Bad ist über die Galerie einer der Schlafkuben erreichbar. Dort ist eine Gästeempore eingerichtet. Sie lässt sich mittels eines automatisch gesteuerten, schweren Vorhangs vom restlichen Ballsaal optisch abtrennen. So kann das obere Bad bei Bedarf als Gästebad genutzt werden.

ENERGETISCHES KONZEPT. Der Idee, in dem tausend Kubikmeter großen Ballsaal im Obergeschoss ein Loft zu integrieren, lag ein energetisches Konzept für das gesamte Gebäude zu Grunde. Sämtliche Außenwände wurden mit einer acht Zentimeter starken Innendämmung aus kapillaroffenen Mineraldämmplatten versehen.

Im Erd- und im Obergeschoss wurde flächendeckend eine Fußbodenheizung installiert. Im Dachgeschoss kam wegen des sommerlichen Wärmeschutzes eine Holzfaserdämmung zur Anwendung.

SCHALLSCHUTZFENSTER UND LÜFTUNGSANLAGE. Um die Wohnqualität an der vielbefahrenen Straße zu gewährleisten, wurden alle Fenster durch neue Schallschutzfenster ersetzt. Sie wurden so weit nach innen eingerückt, dass zwischen Sandsteingewänden und Fenstern nahezu unsichtbar ein äußerer Sonnenschutz integriert werden konnte.

Zusätzlich erfolgte der Einbau einer passivhauszertifizierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Dadurch können die Fenster beim Lüften geschlossen bleiben.

Im komfortabel ausgebauten Dach des Hauses ist eine 176 Quadratmeter große Wohnung entstanden. Sie verfügt über sieben Zimmer und einen 17 Quadratmeter großen Balkon mit einem fantastischen Blick ins Elbtal.

Der gesamte westliche Teil der Wohnung ist als großzügiger offener Wohn-, Ess- und Küchenbereich gestaltet. Die zwei Haupträume erhielten je eine zusätzliche Dachgaube.

Die Fassade wurde behutsam saniert und bekam ihre horizontale Gliederung nach historischem Vorbild zurück. Die zwei Giebelfassaden wurden jeweils um eine mittig angeordnete Fensterachse einschließlich Dachgaube erweitert.

Auf der Hofseite wurden die Wohnungen mit Balkonen durch einen Anbau erweitert. Der spannungsreiche Dialog zwischen Alt und Neu wird in diesem Objekt erlebbar.

ERHALT DER BAUSUBSTANZ. Im Erd- und im Dachgeschoss wurde großer Wert auf den Erhalt der Bausubstanz gelegt. Durch das Aufarbeiten und Freilegen alter Deckenbalken und Deckenmalereien bewahren die Räume ihren historischen Charme.

Im Erdgeschoss des Hauses wurden zwei Gewerbeeinheiten geschaffen. Sie sind hinsichtlich ihrer Größe und Erschließung flexibel nutzbar. So können durch unterschiedliche Raumaufteilungen je drei verschiedene Nutzungsgrößen für die Einheiten erreicht werden.

Für die Gewerbeeinheit II wurde ein separater Eingang mit zugehörigem Innenhof geschaffen. Die Gewerbeeinheit I kann sowohl über die Straßenseite als auch über die Hofseite durch das Treppenhaus erschlossen werden.

FOTOS
ressel architektur
Dipl.-Ing. Erik Ressel
D-01326 Dresden