Neubau Bürohaus von und für Blocher Blocher Partners in Stuttgart

Neubau Bürohaus von und für Blocher Blocher Partners Stuttgart

Architektur des Dialogs

Ein Monolith aus Sichtbeton vereint alle Mitarbeiter unter einem Dach

INNOVATIV UND NACHHALTIG. Transparente Strukturen haben die Villen der Gründerzeit ersetzt: Das neue Domizil von Blocher Blocher Partners im Stuttgarter Herdweg 19 repräsentiert die Unternehmenswerte durch Innovation und Nachhaltigkeit. Dabei war der Anspruch hoch – denn hier haben Kollegen für Kollegen geplant.

Die Anforderungen an ein zeitgemäßes Bürogebäude sind mannigfaltig. Das gilt um so mehr, wenn unterschiedliche Disziplinen sich unter einem Dach wohlfühlen sollen wie in diesem Fall: Neben dem Büro für Architektur und Innenarchitektur gehören eine Gesellschaft für die Entwicklung von Monomarken-Konzepten sowie eine Agentur für Kommunikation, Corporate Design und Visual Merchandising zur Unternehmensgruppe.

Nachhaltiges Bauen erfordert einen ganzheitlichen Blick auf eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte: Dazu gehört der bebaute Raum genauso wie die Gebäudetechnik, der Standort, wirtschaftliche und ökologische Gesichtspunkte und natürlich die Menschen, die darin arbeiten oder leben.

INNENSTADTNAHE HANGLAGE. Das Gebäude vereint die bislang auf drei Häuser verteilten Büros – und ist doch nur einen Steinwurf vom ursprünglichen Sitz entfernt. Bislang in der ruhigen Stuttgarter Lessingstraße beheimatet, wurde ein Grundstück am vielbefahrenen Herdweg in innenstadtnaher Hanglage gefunden. Früher stand dort ein Logengebäude, erbaut in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Schon eine Weile nicht mehr genutzt und baufällig, konnte es letztlich abgerissen werden. Allerdings waren die behördlichen Auflagen für einen Neuanfang hoch. Unter anderem durfte das Gebäude den ursprünglichen Footprint und die Ausmaße von einst nicht verlassen.

Blocher Blocher Partners
Herdweg 19
D-70174 Stuttgart
Tel. +49 (0)711 / 2248 2-0
Fax +49 (0)711 / 2248 2-20
partners@blocherblocher.com
www.blocherblocher.com

ÖKOLOGISCH VORBILDLICHER SOLITÄR. Entstanden ist eine Architektur des Dialogs. Sie vereint zudem die globalen Standards an ökologischer Vorbildlichkeit, was die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit der Zertifizierung in Gold honorierte.

Die städtebaulich heterogene Situation im Herdweg nutzten die Architekten, um einen Solitär zu setzen. Schlicht, jedoch markant. Ein Blickfang, der Passanten und Autofahrer gleichermaßen in ihren Bann zu ziehen vermag.

Schwer trennbare Verbundwerkstoffe wurden beim Bau ebenso vermieden wie Materialien, deren Emissionen Umwelt belastend sind. Zudem sind fast alle Baustoffe rückbaubar bzw. recyclebar – eine Mindest-anspruch, der mit einem noch nachhaltigeren Konzept ergänzt wurde: Die Architekten über-setzten den Leitgedanken „Umnutzung statt Rückbau“ in eine hohe Nutzungsflexibilität.

DURCH HOLZELEMENTE GEGLIEDERTER SICHTBETON. Dem robusten Charme des Sichtbetons – als zweischalige Betonfassade mit Kerndämmung ausgeführt – schmeichelt die ätherische Transparenz großzügiger Fensterbänder. Holzelemente aus Sipo-Mahagoni gliedern übergeordnet und geben der Fassade Tiefe. Die klaren Linien bringen sowohl Ordnung als auch Dynamik in die Fassade.

Der Glasanteil entspricht der von der DNGB für die Gold-Zertifizierung vorgeschriebenen Größe. Dabei verringern die Holzkuben optisch den geschlossenen Anteil der Hülle und „schlucken“ den Schall.

NATÜRLICHE UND MECHANISCHE LÜFTUNG. Der hohe Anspruch an den Nutzerkomfort zeigt sich auch in den Maßnahmen zur Lufthygiene. Das Konzept beruht auf dem Miteinander von natürlicher und mechanischer Lüftung. Alle Büroflächen verfügen über zu öffnende Fenster, während die Grundversorgung mit aufbereiteter Zu- und Abluft über den Gebäudekern erfolgt. Mit diesem Mischkonzept lässt sich die hohe Nutzerakzeptanz der Fensterlüftung mit einer Reduzierung des Energiebedarfs vor allem in den heißen und kalten Extremzeiten kombinieren. Gleichzeitig sind der Flächenverbrauch im Gebäude sowie die elektrischen Betriebskosten gering.

SATTELDACH NEU INTERPRETIERT. Besonders charakteristisch für die allseitig sichtbare Stahlbetonbauweise ist die Dachkonstruktion. Die Architekten haben sich die Plastizität des Betons zunutze gemacht und ein räumliches Faltdach geschaffen, das die vorgeschriebene klassische Form des Satteldaches völlig neu interpretiert: Über einer inneren Tragschale sind großformatige Betonfertigteile mit bis zu einer Länge von acht Metern und mehr als drei Metern Breite angebracht. Den Übergang zwischen Dach und Fassade markiert ein horizontales Metallband für den Regenwasserabfluss, das als Eckstoß ausgebildet ist.

Das Bürogebäude besteht aus drei Vollgeschossen, einem Garten-, einem Dach- sowie einem Untergeschoss. Im rückwärtigen Bereich befindet sich ein Sockelgeschoss mit angeschlossener Tiefgarage.

„SCHWEBENDE“ ETAGEN UND SONNENDURCHFLUTETES DACHGESCHOSS. Durch die Hanglage scheinen erste und zweite Büroetage wie schwebend. Die Topographie bedingt auch die relativ große Stützwand nach Nordwesten. Mit Bambus begrünt, beschreibt sie den Rücken zu den beiden großen Besprechungsräumen im Erdgeschoss. Das Dachgeschoss mit seinen großzügigen Loggien war zunächst als Wohnung geplant. Daher bietet es nicht nur einen prachtvollen Blick über den Talkessel von Stuttgart sondern auch sonnendurchflutete Arbeitsplätze.

GUT ERSCHLOSSEN. Vor der Garageneinfahrt schiebt sich ein monolithisch geformtes Bauteil mit dem Treppenhaus in den Herdweg. Diese Anordnung erlaubt auch, jede Etage unabhängig von einander zu betreiben.

Auf Straßenniveau befindet sich der Mitarbeitereingang, während der Haupteingang über eine großzügige Freitreppe neben einem patio-ähnlichen Vorhof in das Erdgeschoss mündet. Erd- wie auch Gartengeschoss bieten zahlreiche Möglichkeiten, ins Freie zu gelangen. Die Tiefgarage schließt direkt an das Gartengeschoss an. Von dort führt eine Rampe in den höherliegenden Garten und eine Schleuse ins Gebäude.

AUSGEWÄHLTE, AN DIESEM BAUPROJEKT
BETEILIGTE FIRMEN:

BODEN-GUTACHTER
Geo-AER GmbH

FOTOS
Blocher Blocher Partners

GEOTHERMIE UND GRAUWASSERNUTZUNG. Den Gebäudegrundriss prägt ein sandgestrahlter Betonkern, der die notwendigen Schächte, Waschräume, eine integrierte Garderobe und die Teeküche enthält. Ein weiterer Kern, dessen lammellenförmige Holzstruktur wie die Fensterkuben ebenfalls aus Sipo Mahagoni gefertigt ist, nimmt neben den Kopierräumen auch kleine Besprechungsräume für die Mitarbeiter auf. Im Garten- und Dachgeschoss wurden diese Holzkerne soweit wie möglich minimiert. Bei aller Ästhetik, haben sie noch eine ganz andere Funktion: die der Schallabsorbierung.

Die Schlichtheit der inneren Gestaltung mit den sandgestrahlten Flächen aus Beton und Sichtbeton sowie dem Bodenbelag aus Zement-Estrich steht im Gleichklang mit dem äußeren Auftritt. Dabei wird über die Sichtbetondecke geheizt und gekühlt. Die Geothermie, für die 35 Erdbohrungen in bis zu 40 Metern Tiefe vorgenommen wurden, war ebenso eine der Voraussetzungen zum Erwerb der DGNB Goldzertifizierung wie aktiv begrünte Dachflächen und Kosten- und Energie-Effizienz, um nur einige wenige zu nennen.

Für die unterschiedlichen Bedürfnisse im beruflichen Alltag stehen insgesamt drei Konferenzräumen im Erdgeschoss zur Verfügung, dazu Besprechungskojen auf jeder Etage, eine Bibliothek, Werkräume und kleine Kommunikationszonen, die sich an die breiten Flure entlang der Straßenseite anschließen. An das großzügige Casino im Gartengeschoss dockt ein möblierter Innenhof an. Auf der einen Seite wird er von dem eingeschossigen Gebäudeflügel flankiert, der die Kommunikationsagentur Blocher Blocher View beherbergt. Auf der anderen Seite öffnet sich ein zweigeschossiges Atrium, das nur eine verschiebbare Glaswand vom Casino trennt. Bei Veranstaltungen lässt sich so im Handumdrehen ein großzügiger Versammlungsort herstellen.

Überhaupt das Atrium: Vom Erdgeschoss aus überfliegt das Auge den beeindruckenden Luftraum, in dem eine vom Mikadospiel inspirierte Licht-Installation hängt. Auch von der offen gestalteten Stahltreppe, die vom Gartengeschoss bis unters Dach reicht, ergeben sich vielfältige Blickbezüge. Den offenen Raum gliedern neben der Möblierung die mit Akustikabsorbern versehenen Glasscheiben.

Die Minimierung der Lebenszykluskosten fand schon früh Eingang in die Planung. Neben den Herstellungskosten wurden auch die Nutzungskosten erfasst. Zu den wirtschaftlichen Maßnahmen gehörten etwa die Berücksichtigung des Facility Managements, beispielsweise bei der Materialwahl des Bodens, sowie die Messung der Gebäudetechnik zur Betriebs- und Energieoptimierung. Genauso die Trinkwasser- und Abwassereinsparung: Für Toilettenspülung und Gartenbewässerung wird Regenwasser genutzt. Dazu steht in den drei Rückhaltebecken ein Wasservolumen von insgesamt 28 Kubikmetern zur Verfügung. Zudem werden durchweg wassersparende Amaturen eingesetzt.

RESSOURCENSCHONUNG MIT GESTALTERISCHEN ANSPRÜCHEN. Die Verquickung von Ökonomie und Ökologie zeigt sich auch in der Vereinigung von Gebäudekonstruktion und -technik, die ein thermisch komfortables Raumklima genauso einschließt wie eine maximale Energieeinsparung. So ergänzen sich die Gebäudehülle in ihrer Wärmeschutzfunktion mit dem Gebäudeinnern als Speichermasse zur Reduzierung des Heiz- und Kühlbedarfs. Das hohe Wärmeschutzniveau der Außenbauteile gewährleistet symmetrische Oberflächentemperaturen im Innenraum.

Im Sommer vermeiden 3-fach Verglasung und außen liegende Sonnenschutz-Lamellen die Überhitzung. Im Winter garantiert das ideale Maß zwischen opaken und transparenten Bauteilen an der Fassade mit 39 Prozent Verglasung eine ideale Solarwärme-Gewinnung sowie minimierte Transmissionswärme-Verluste.

Das innovative TGA-Konzept steht mit den hohen gestalterischen Ansprüchen in Einklang: Der Ressourcenverbrauch ist niedrig, die Technik dabei so wenig wie möglich sichtbar.

HOHE BEGEGNUNGS- UND AUFENTHALTSQUALITÄT. Die offene, dennoch klare Raumaufteilung lässt die Grenzen zwischen den Arbeitsbereichen verschwinden. Im Mittelpunkt der Planungen stand die Begegnungs- und Aufenthaltsqualität. Der Geschäftsführung ist es wichtig gewesen, den Teamgeist und das Wir-Gefühl zu stärken und die Arbeitsprozesse optimal zu verknüpfen.

GROSSZÜGIGE MÖBEL UND AUSSICHT MIT FERNBLICK. Schränke, Tische und Sideboards sind in einer schnörkellosen Formensprache gehalten. Die Mitarbeiter sitzen an langen Tischen, die auch breit genug sind, um sogar Pläne vollständig auszurollen. Als Trennung zwischen den jeweils Vierer- bzw. Sechser-Gruppen dienen ellenbogenhohe Staumöbel, die sich auch als Stehtisch für die improvisierte Besprechung eignen. In die Decke eingelassene LED-Bänder sowie abgehängte LED-Leuchten mit direktem und indirektem Licht ergänzen die natürliche Beleuchtung.

Die Mitarbeiter arbeiten mit Aussicht ins Grüne oder Fernblick über die Dächer der Stadt. Durch den Innenhof im Gartengeschoss und die Begrünung bzw. Gartenfläche auf Erdgeschoss-Ebene entstehen klare Sichtbeziehungen und Orientierungen nach außen.

UMFELD MIT WOHLFÜHL-GARANTIE. Um den DGNB-Standards zu genügen, wählte der Landschaftsarchitekt vor allem heimische Gehölze und Stauden. Den puristischen Betonflächen setzte er mit Gräsern, Schafgarbe, Lavendel, Schleierkraut, Iris und Pfingstrosen ein blühendes Crescendo entgegen, das nur im Winter in ein sattes Grün abebbt. Sitz- und Liegemöglichkeiten laden zur Interaktion mit der Natur ein.

Der Herdweg 19 zeigt eine unvergängliche Formsprache, die dennoch ausdrucksstark ist. Die Architekten vermitteln zwischen Expressivität und Zeitlosigkeit und fügten den Bau harmonisch in den umliegenden Bestand ein. Drinnen wie draußen – für die 150 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe ist ein angemessenes Umfeld mit Wohlfühl-Garantie entstanden. Und ein Haus mit dauerhaften Werten.

ENORME FLEXIBILITÄT. Innerhalb der Etagen sind die Heizungs-, Kühl-, und Beleuchtungssysteme so konzipiert, dass in Abhängigkeit des Fassadenrasters beliebige Raumaufteilungen möglich sind. Unterflur-Konvektoren und Leuchten werden in den Bürozonen über Bus-Systeme angesteuert, um beliebig wählbare Gruppen bilden zu können. Mit Blick auf die Zukunft war es darüber hinaus wichtig, dass die Etagen voneinander abtrennbar sind, um später beispielsweise abgeschlossene Büro- oder Wohneinheiten implementieren zu können. So kann das Gebäude in bis zu sechs Einheiten unterteilt werden, um den verschiedensten Ansprüchen – auch denen eventueller Nachfolger – zu genügen. Dazu wurden die Elektroinstallationen flexibel gestaltet: Alle Medien sind für eine geschossweise separate Abrechnung vorgerüstet. Auch eine spätere Nutzung als Klinik wäre denkbar – der Platz für einen Bettenaufzug wurde bei der Planung berücksichtigt.