Bauprojekt Bürgerhaus Blaibach

Bauprojekt Bürgerhaus Blaibach

Ein moderner Bau, mit hoher Handwerkskunst
aus ökologischen bzw. traditionellen Materialien errichtet

Nachhaltig bis ins Detail

SUBSTANZERHALT STATT NEUBAU. Das Bürgerhaus in Blaibach ist auf den ersten Blick ein moderner Bau mit Betonfassade. Es ist aber vor allem ein Bau, der auf hohe Handwerkskunst und die Verwendung von ökologischen beziehungsweise traditionellen Baumaterialien Wert legt.

Der nachhaltigste Bau ist ein Bau, der schon gebaut ist! Das Christl Haus am Kirchplatz gegenüber von Schloss und Kirche war so ein Haus, ein altes, leerstehendes Bauernhaus.

Der Keller ist aus Granitsteinen gemauert, die Wände aus Lehmziegeln, Holzdachkonstruktion. Der Abriss alleine hätte neben hohen Kosten auch einen erheblichen Ressourcen- und Energieverbrauch bedeutet. Zudem ist der Bestand bereits aus ökologischen, umweltfreundlichen Materialien wie ungebrannten Lehmziegeln mit hervorragenden Speichereigenschaften ausgestattet.

Peter Haimerl . Architektur
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UMWELTSCHONENDE BAUSTOFFE. Die wärmedämmende Ummantelung des Bestandes sowie die Außenwände des Anbaus bestehen aus Glasschaumschotterbeton. Dieser Beton eignet sich hervorragend dafür – durch seine guten bauphysikalischen Eigenschaften und seine angenehme, lebendige Oberfläche, die an Naturstein oder Holz erinnert. Vor allem ist es aber einer der wenigen echten Recyclingbaustoffe, die mit Hilfe von Wasserkraftstrom aus recycelten Glasflaschen hergestellt wird.

Der Fußboden in der Flez – im Eingangsbereich – besteht aus vor Ort gefundenen oder vorher eingebauten Granitplatten, wie die ehemaligen Fensterbretter. Mehr als die Hälfte der Platten wurde von der Familie Bablic aus Blaibach gespendet. Die Vielfältigkeit der Platten verleiht dem Fußboden eine Lebendigkeit, die monotone Granitsteinplatten vermissen lassen.

Besonders innovativ und umweltbewusst sind die hellgrauen Dachschindeln, die in ihrer silbergrauen Farbigkeit Erinnerungen an die früher üblichen Holzdachschindeln hervorrufen. Sie werden umweltfreundlich hergestellt, tragen aber auch selbst zur Schonung der Umwelt bei. Sie enthalten Titandioxid im Zement, wodurch sie als Katalysator wirken, der Luftschadstoffe abbaut.

BIOLOGISCHE BAUWEISE. Beim Innenausbau wurde ebenfalls Wert auf biologische Bauweise gelegt. Die Böden und Türen im Innenbereich bestehen durchweg aus massiven, drei Zentimeter starken Tannenholzdielen in Breiten zwischen zwanzig und dreißig Zentimetern. So wird die Tradition der Stubenböden aus Tanne aufgegriffen.

Auch sämtliche Möbel bestehen aus massiven Dreischicht-Tannenholzplatten. Besonders zu betonen ist die Herkunft der Hölzer. Sie stammen alle aus dem Lamer Winkel im Bayerischen Wald.

Die Fenster und das Hauseingangstürelement bestehen aus witterungsbeständigem Lärchenholz, dessen Witterungsprozess eine schöne Farbwandelung von Rot nach Silbergrau aufweist. Die meisten Putze sind Kalkputze, mit weißer Kalkfarbe angestrichen, wie es bis vor kurzem üblich war im Bayerischen Wald.

Die Beibehaltung der Hausform mit Satteldach führt die traditionelle Formensprache fort. Die lebendige Betonoberfläche als Vollwärmeschutz stellt eine Alternative zur häufig verwendeten, sterilen, ölbasierten Vollwärmeschutzfassade dar.

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AKTUELLES DESIGN IM INNEREN. Die Beleuchtung des Gemeindesaals übernimmt ein energiesparender LED-Kronleuchter. Er passt sich durch sein filigranes Äußeres und seine regenschirmartige Mechanik verschiedenen Raumsituationen an.

Der Leuchter dient auch als attraktive Beschirmung für Brautpaare. Dieses Schmuckstück für die Gemeinde kostete nicht mehr als eine übliche, wesentlich weniger repräsentative Saalbeleuchtung.

Die Holzschalensitze der Bestuhlung sind mit Kuhfell überzogen. Das zeigt, dass sich die Bayerwäldler gerade durch hintergründige Selbstironie in Szene zu setzen wissen.